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Der norwegische Maler und Grafiker Edvard Munch (1863-1944) hatte seinen künstlerischen Höhepunkt rund um den Jahrhundertwechsel. Kurz vorher war der Jugendstil entstanden, eine liebliche, den schönen Formen verhaftete Kunstrichtung. Kurz nachher entstand der Expressionismus, als dessen Vorläufer oder Wegbereiter auch Munch gelten kann.

Edvard Munch war ein in sich zerrissener Künstler, dem man in heutiger Terminologie bipolare Störungen nachsagt. Die Kunst rund um die Zeitenwende, das dekadente Fin de siècle zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert, war darüber hinaus gespalten in verschiedene offene künstlerische Strömungen.

Neue Kunst und neues Denken

So enstanden in dieser Phase etwa 10 Jahre vor und zehn Jahre nach dem Jahrhundertwechsel Kunstwerke, die ganz Neues boten. In dieser Zeit stellten viele heute bedeutende Künstler die ästhetischen Weichen um. Es ging dabei nicht nur um bildende Kunst sondern um ein neues Denken, in dem sich einzelne Disziplinen gegenseitig befruchteten.

Die Werke „Der Schrei“ und „Madonna (Liebendes Weib)“

Edvard Munch lebte in dieser Zeit und legte in seine künstlerischen Darstellungen ein hohes Maß an Emotion. In seinem Werk finden sich Elemente des Expressionismus und des Jugendstil. So malte Munch zwischen 1892 bis 1910 mehrere Versionen seines weltbekannten Gemäldes „Der Schrei“. Und 1895 schuf er die Lithografie „Madonna (Liebendes Weib)“, die fast ebenso bekannt geworden ist, nach einem Ölgemälde, das er wieder in verschiednenen Versionen gemalt hatte.

Contra-Punkte: Religion und Sexualität

Abgebildet ist seine Geliebte Dagny Juel nur mit einer roten Kappe bekleidet, wie Prostituierte der damaligemn Zeit sie trugen. Der Titel des Bildes weist auf die Gottsmutter. Die Kreuzung eines religiösen Motivs mit Sexualität – am Bildrand schwimmen Spermien, unten links in der Ecke kauert ein Fötus – sorgte damalig für Aufsehen und Ärger.

Munch’s Werk in der Auktion: Kunst als Wertobjekt

Heute sorgt nur noch der Preis für den „Madonna“-Druck, der vom Künstler handbemalt worden war, für Aufsehen: In London wurde er für insgesamt umgerechnet 1,5 Millionen Euro versteigert – der höchste Preis, der in England für eine Grafik jemals erzielt wurde, auch weltweit nur durch ein anderes Munch-Werk getoppt.

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