Posted on 30 November 2010 by Der Barbara Streisand-Effekt
Tech’n'Roll. Die Geschichte besonderer Pop- und Rock-Musik ist auch die Geschichte der technischen Möglichkeiten. Pete Townshend von den „Who“ schuf mit der Doppel-LP „Quadrophenia“ nicht nur musikalisch ein Highlight sondern baute eigenhändig ein Tonmstudio, in dem er seine Vision der Quadrophonie realisieren konnte. Robert Fripp von King Crimson entwickelte eine seltsame Technik, „Frippertronics“ genannt, bei der er Klänge mittels Verdopplung und Untermischung loopte. (Unter Umständen könnte man hier von einer musikalischen Entsprechung des Selbstähnlichkeits-Prinzips der Fraktale in der Mathematik und Physik sprechen.) Godley&Crem, das Duo, das früher bei der Pop-Gruppe „10cc“ mitmischte, entwickelte „Gizmo“, ein Gitarren-Effekt-Gerät. Teils formen und bestimmten die Geräte den Sound. Doch keine Gruppe hat die Technik so eingesetzt wie die Avantgarde-Band „Throbbing Gristle“: Jedes Bandmitglied bekam ein Effektgerät, genannt „Gristleizer“, mit dem derjenige seinen Beitrag gesteuert akustisch zerhacken konnte – ein zutiefst dekonstruktivistisches Prinzip, das sie zu den Meistern des Industrial werden ließ. Kommentieren.
Der Autor, das unbekannte Wesen mit den andererseits hinlänglich bekannten Wesenszügen.
Alte Dichterfürsten bargen stets ein Geheimnis. Die Entschlüsslung von Werk und Leben hielt Generationen von Literaturwissenschaftlern in Brot und Lohn. Continue Reading
David Foster Wallace: Nach seinem Tod ist sein Nachlass in universitäre Archive gewandert.
In einer Welt der Bilder, die nichts anderes sind als Oberflächen, hinter denen sich nichts mehr verbirgt, in einer Welt also, in der der Inhalt immer weniger zählt Continue Reading
Posted on 28 November 2010 by Der Barbara Streisand-Effekt
Gedanken-Urlaub. Stell’ Dir vor, Du hast – beruflich bedingt oder weil Du gefeiert hast, oder beides – ein paar Nächte nicht geschlafen. Dann stell’ Dir vor, überall, wo Du dann bist, nickst Du wegen totaler Übermüdung ein: Während Du mit jemandem redest, während Du an der Kasse im Supermarkt stehst, während Du Liebe machst. Immer bist Du etwas weggetreten. Dein Körper möchte schlafen. Du gerätst in einen Zustand, in dem Du alles feiner wahrnimmst. Du bist offener für akustische Reize, alles dringt mehr in Dich ein. Hör’ Dir in diesem Zustand „Lady Hamburger“ von Throbbing Gristle an und Du verstehst die Welt so, wie Du sie – wärest Du hellwach – nicht vertstehen könntest. Kommentieren.
Ein Frauenfilm: Die Regisseurin/Videokünstlerin Laurel Nakadate filmt die Porno-Darstellerinnen Kate Kastle, Stacey Dollar, Robbye Bentley, Lucky Starr, and Stacy Adams dabei, wie sie Gedichte der Autorin Dora Malech vortragen. Sie haben beim Vortrag ihre Arbeitskleidung an. Die Vor-Lesungen finden an Orten wie Schlafzimmern oder Badezimmern statt. Literatur und Porno – eine seltsame Brechung. Porno-Darstellerin Robbye Bentley ist oben ohne und bedeckt ihre Brust mit dem Manuskript des Gedichtes „Script“, in dem es um eine Frau geht, die sich für Geld entblößt. Textauszug: „I’ll take my top off/and let you see my heart“. Kommentieren.
Posted on 23 November 2010 by Der Barbara Streisand-Effekt
Speed-Dating. Manchmal geht alles ganz schnell: Comic-Autor Mark Millar war schon immer für eine Kontroverse gut. So kam es in 2001 zum künstlerischen Zerwürfnis über die Comicserie „The Authority“ beim Comic-Verlag DC, weil der Verlag permanent zensierte und dem provokanten Autor das Leben schwer machte. Millar konnte aber bei Konkurrent Marvel-Comics übergangslos große Erfolge feiern. Hervorgehoben sei hier vor allem der „Civil-War“-Zyklus aus 2006, der den Comics ihre gesellschaftliche Relevanz wiedergab – ging es doch darin um die restriktive Überwachung und Bevormundung aller Superhelden durch einen autoritären Staat. Sicher inhaltlich auch eine Reaktion auf die Zensur-Praxis bei DC, die vor dem Hintergrund der Ereignisse der Terroranschläge am 11. September 2001 auf die Twin-Towers in New York zu sehen sind. Das passte als kritische Fußnote zum real existierenden „Patriots Act“, der unter der Bush-Regierung am 25. Oktober 2001 als Bundesgesetz eingeführt wurde. Es hatte eine nie gekannte Qualität der allgemeinen Überwachung zur Folge und schränkte die Bürgerrechte erheblich ein. Manch einer spricht davon, dass der „Patriots Act“ nicht mit einer demokratischen Grundordnung vereinbar ist. Nur ein Jahr später, 2007, wurde die sechsteilige Comic-Miniserie „Wanted“, die zwischen 2003 und 2005 erschienen war, mit Angelina Jolie in der Hauptrolle von Regisseur Timur Bekmambetov mit spektakulären Spezial-Effekten verfilmt. In diesem Jahr kamen fast parallel Comic und Film nach der Millar-Story „Kick Ass“ heraus. Die Verfilmung und das Projekt bekamen viel Vorschußlorbeeren, finanziell war das Projekt mit 96 Millionen Dollar Einspielergebnis ein mittlerer Erfolg. Teil zwei ist angedacht. Nun ist aber ein anderer Held Millars an der Reihe: Tony Scott möchte „Nemesis“ verfilmen, die Serie an der Millar gerade noch arbeitet. Der Plot: Rache einmal anders. Mark Millar’s Anti-Held ist ein Verbrecher und seit dem Tod seiner Eltern ein Cop-Killer. Millar setzt generell auf Extrem-Gewalt, Kontroverse, gebrochene Charaktere, hinterfragt mal ernst („Civil War“), mal auch schwarzhumorig („Kick Ass“) die Superheldenrolle und ist ein Hans Dampf in allen Gassen. Ähnlich wie bei Frank Miller, der schon eine Zusage für einen Film von Regisseur Zack Snyder bekommt, obwohl er seine Miniserie „Xerxes“ als Nachfolgeprojekt zu „300“ überhaupt geschrieben hat, ist auch Mark Millar ein heiß gehandelter Lieferant aktueller Kinoinhalte. An Miller ist das Interesse nach seiner spannungslosen „Spirit“-Verfilmung zwischenzeitlich deutlich abgekühlt. Es wird sich zeigen, was er noch drauf hat. Kommentieren.
Geldhahn. Kontrolliert Dich Dein Geld? Geld zu haben oder nicht zu haben: Zwei Abhängigkeits-Zustände, die gar nicht so verschieden sind. Hat man keines, fühlt man sich schwach, wähnt man sich als Spielball von Kräften, die man nicht mehr beeinflußen kann. Hat man Geld, spürt man Kraft und Einfluß und ist doch so anhängig vom Geld, dass man eine fatalistische Ahnung davon bekommt, wie schwach man ohne sein würde. Kommentieren.