UncleSeltSam. Wer mal den Film „Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ („Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb“) von Stanley Kubrick gesehen hat, in dem ein General durchdreht und zum Atomschlag ausholt, während in der amerikanischen Regierung ein wahnsinniger Nationalsozialist sitzt, konnte sich durch dieses irrwitzige Szenario gut unterhalten lassen, einfach weil es so absurd fern lag. Was viele beim Ansehen des Filmes nicht gewußt hatten: Tatsächlich hatten amerikanische Millitärs die damalige Sowjetunion mit nicht genehmigen geheimen Flügen über deren Territorium provoziert, um aus einer Position der Überlegenheit einen Krieg herbeizuführen. „Kalter Krieg“, „Gleichgewicht des Schreckens“ und „Kubakrise“ sind nur einige Stichworte, die die bedenklichen Entwicklungen in jener Zeit beschreiben. Es stellte sich im Nachhinein heraus, dass Kubrick’s Film, der satirisch überhöhte, im Kern die Realität wiedergab. Das Gefühl aber, dass etwas zu irrwitzig sein könnte, um Realität zu sein, ist heutzutage vollständig abhanden gekommen, weil die Wirklichkeit jedes Kabarett und jede witzige Zukunftvision bereits lange vorher überholt zu haben scheint. Prism, ein Welt-Überwachungsprogramm, aufgelegt vom amerikanischen Geheimdienst NSA, und Tempora, erdacht vom englischen Geheimdienst „Government Communications Headquarters“ (GCHQ), sind nicht weniger als gezielte Angriffe auf die Bürgerrechte aller Einwohner der zivilisierten Welt. Größenwahn und technische Möglichkeiten gehen eine jeden Demokraten verblüffende Partnerschaft ein. In der deutschen Regierung erlebt man gerade eine Mischung aus politischer Kernschmelze und Offenbarungseid, ruft sie doch den Bürger dazu auf, sich selbst vor der globalen Überwachung zu schützen. Offenbar sind das Internet, seine Möglichkeiten und Gefahren tatsächlich jenseits des Tellerrandes des politischen Führungspersonals der Bundesregierung und damit Neuland. Interessant übrigens auch, dass Snowden zuletzt über die Unternehmens- und Technologieberatung und militärischen Dienstleister Booz Allen Hamilton für die NSA gearbeitet hat. Ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das weltweit vernetzt ist und offenbar die eine oder andere unvorhergesehene EDV-Arbeit durchführt. Die Zweckgemeinschaft zwischen den amerikanischen Multi-Milliarden-Unternehmen Microsoft, Apple, Google, Facebook oder Skype, die als Wirtschaftsunternehmen die moderne Internet- und Telekommunikation dominieren, den Geheimdiensten und dem Militär hätte jeder Hollywood-Produzent als zu dünnes Drehbuch abgelehnt – weil so vorhersehbar. Ist einer dumm, der sich dennoch  so ein Szenario  ausdenkt? Eigentlich nicht, auf jeden Fall sehr machtbewusst. So ähnlich wie der irre Nazi in Kubrick’s unterhaltsamem Spielfilm. Kommentieren.