GunstKuss. Es gibt eine Redewendung, die lautet „Kunst kommt von Können“. Sie hebt auf die handwerklichen Fertigkeiten eines Künstlers ab. Aber wer kann heute noch richtig malen? Wer will es? Wer muss es? Wer will im Zeitalter des virtuellen Zweitverweltlichung überhaupt noch einen Pinsel halten, ein Instrument real spielen? Die Produktion von Kunst verschiebt sich eher in Richtung der Trennung von Theorie und Praxis, von Vordenken und Kreieren auf der einen Seite und Ausführen auf der anderen. Große Künstler hatten und haben mitunter Mitarbeiterstäbe oder Kooperationspartner – und das nicht erst seit Andy Warhol’s Factory, die ein Sammelbecken für unterschiedliche Talente sein sollte. Bei Kunst geht es immer um die Idee und um das Schwanken der Wirklichkeit, um das Infragestellen von Eindeutigkeit, Gewohnheit und Selbstgefälligkeiten. Kunst hinterfragt im besten Falle die Wirklichkeit. Wer diesen Effekt beim Betrachter erzeugen kann, der muss die Welt mit anderen Augen als die meisten sehen, den muss die Muse fest und innig geküsst und lange nicht mehr losgelassen haben. Vielleicht hält man dann die Aussage „Kunst kommt von Können“ für in Wirklichkeit „Gunst kommt von Gönnen“? Kommentieren.