Irony. Woodkid alias Yoann Lemoine aus Frankreich hat das richtige Auge für die Dinge – und das richtige Ohr. Er ist ein mehrfach preisgekrönter gerade mal 31-jähriger Regisseur und inzwischen auch ein erfolgreicher Musiker. Wie das zusammenhängen mag, dass ein Regisseur zum Musiker wird? Es gibt nicht oft neue Musik, die ich für etwas Besonderes halte, vielleicht einmal im Jahr, und das ist schon hoch gegriffen. Eigentlich leide ich darunter, dass es so wenig neue eigenständige Musik gibt, die nicht überdeutlich so klingt wie Irgendetwas, das es vorher gab. Woodkid hat es bei mir aber mit zwei Stücken geschafft, meine Aufmerksamkeit für seine musiklaische Originalität zu wecken. Der Rest des Albums „The Golden Age“ fällt übrigens gegenüber den ersten beiden Singles ab. Nach „Iron“ und „Run Boy Run“ erscheint schon „I love you“ etwas weniger überzeugend. Wie hat Yoann Lemoine das also gemacht, dass er so einen Erfolg in einem anderen Metier erzielen konnte? Der Filmemacher kann zwar nicht singen aber seine Lieder haben Dramatik und sie bemühen sich, etwas Besonderes zu sein. Manchem geht der durchgängig pompöse Pathos auf die Nerven. Ich finde das aber spannend. Es ist neu, auch wenn es zum Teil eine entfernte Verwandtschaft zu „Antony and the Johnsons“ gibt, die Lemoine auch kennt, weil er schon öfter ein Franzose in New York war und nun dort hingezogen ist. Die Arrangements lassen aufhorchen. Die Instrumentierung ist eher klassischer Musik entlehnt und mit populären Rhythmen kombiniert. Ja, die Rhythmen: Die Redewendung „Mit Pauken und Trompeten“ trifft hier ins Schwarze – ist aber durchaus positiv gemeint, weil der Sanftheit der Stimme das teils Brachiale der Instrumentierung gut zu Gesicht steht. Die Gewalt der Trommeln, die verzögerten Bläser, das ist furios. „Barock-Pop“ wird das wohl genannt. Der wirkt wie eine monumentale Filmmusik, was ja auch wieder zu ihm als Regisseur passt. Seine Karriere ist am ehesten als Medienereignis zu beschreiben. Und viel anders kann man wohl mit guter Musik nicht mehr berühmt werden. Denn als Medienmann hat er sich in die Gehörgänge gespielt – mit Werbemusik für einen großen Telekommunikations-Anbieter. Seine Musik war in der Modewelt zu hören. Oder als Untermalung von Videospielen. Außerdem sind da noch seine stilistisch eindringlichen Schwarz-Weiß-Videos. Da kommt man kaum daran vorbei, das anzuhören und anzusehen. Und es ist richtig gut gemacht. Es erinnert mich von der Wirkung her und von der Geschlossenheit des Konzeptes an die ersten Auftritte von Jamiroquai. Die hatten auch sehr schnell ihren ganz eigenen, alternativen, Stil gefunden. Yoann Lemoine aka Woodkid ist ein mediales Gesamtpaket, ein richtiger Multimedia-Mann. Ironie des Schicksals oder Vorteil eines nicht so ganz unbekannten Werbefilm- und Musikvideo-Regisseurs? Er nutzt die Mechanismen der Medienwelt und kommt mit Stimme und Outfit dazu kontrastierend eher naiv und eher ehrlich daher. Zudem hat er auf seinem Album auch etwas zu sagen. Er entführt in seine Kindheit, seine Jugend und seine Menschwerdung. Auch das braucht die Medienwelt: Kontraste. ;-) Zum zweiten Teil über den Musiker und beachtlichen Illustrator Yoann Lemoine geht es hier lang. Kommentieren.