Transellwahnien

Dr. Zigian hatte während des Fluges ein kleines Bild auf der Innenseite seiner Zigarettenschachtel gemalt und daneben die Worte Lovis Corinth gekritzelt. Ihm fiel nicht mehr ein, wer das war. 

Der Klang der Worte war aus irgendeinem Grund in seinem Kopf gewesen, so hatte er sie notiert. Später, als er aufgestanden und zum Ausgang geschlendert war, hatte er alle Abfälle in eine Papiertüte getan und in den Mülleimer in Ausgangsnähe geworfen.

Mona vom Reinigungspersonal war später genau dieser Beutel beim Umpacken heruntergefallen. Als sie ihn aufheben wollte, war die Zigarettenschachtel herausgefallen. Sie sah auf die Kritzelei und in ihrem Kopf bildete sich der Satz Kunst gefährdet die Gesundheit. Sie musste lachen, betrachtete die Skizze und fragte sich, wer auf so einer Reise Ölfarbe mit sich führte, um ein Minibild zu malen. Oder war das Bildchen vor der Reise entstanden? Sie schob die Zigarettenschachtel in ihre Hosentasche und machte weiter mit ihrer Arbeit.

Später am Abend zog sie sich aus und legte sich zu ihrem Mann ins Bett. Die Hose hatte sie auf den Sessel, der beim Bett stand, geworfen. Es war ein Freitag gewesen, und so konnte sie nach einer harten Woche ausschlafen. Früh morgens kam ihr Söhnchen ins Schlafzimmer. Er betrachtete das Bett mit seinen Eltern darin wie ein Bild.

Er wollte etwas zu seiner Mutter sagen, da sah er, wie aus der Gesäßtasche der Hose auf dem Sessel etwas Helles hervorguckte. Er ging hin und zog die Zigarettenschachtel heraus. Sie lag in seiner Hand wie ein ganz kleines Gemälde. Was war das für ein Bild? Ein Stachelmann? Dann las er die Worte Lovis Corinth. Er dachte sich: Love is Corinth/Liebe ist hart wie eine Korinthe. Das Kind sah zu seinen Eltern hinüber, die sich getrennt voneinander die Rücken zugewandt hatten und begann leise zu weinen.