koenigin

Dr. Zigian hatte gerade schnellen Schrittes den Supermarkt verlassen, als ihm K., eine Bekannte, in die Arme lief. Dr. Zigian hatte sie zuerst nicht erkannt, weil sie anstelle ihrer bisherigen langen Haare nun eine stachlige Kurzhaarfrisur trug, die sie deutlich jünger erscheinen ließ. Sie begrüßten sich. Dr. Zigian bückte sich, hob die Kekspackung, die ihr heruntergefallen war, auf, drückte sie ihr in die Hand und wollte eigentlich schnell weitergehen, weil er gleich einen Gesprächstermin hatte, doch er bemerkte ihre Unsicherheit und ihren Mißmut.

„Unzufrieden mit der Frisur?“, fragte er lächelnd. Sie hatte Tränen in den Augen. „Ja, ich komme gerade vom Friseur. Es ist schrecklich. Und nicht wieder gut zu machen.“ – „Was denn?“ fragte Dr. Zigian. „Er hat mich verunstaltet“, rief sie außer sich. „Siehst du das nicht? Das bin ich nicht. Und kurze Haare lassen sich nicht mal eben so ändern.“

Dr. Zigian blickte ihr tief in die Augen und sah sie wortlos an. Sie verstummte und sah ihn ebenfalls an, verwundert. „Ich sehe vor mir eine wunderschöne begehrenswerte Frau, mit einer Frisur, die mich an eine goldene Krone erinnert, wie sie nur einer Königin gemäß ist.“ Er gab ihr lächelnd einen Kuß auf die Wange, entfernte sich und winkte ihr zum Abschied.

Sie war verdutzt, fand es albern. Sie betrachtete sich in der Schaufensterscheibe, musterte ihre Frisur, lege den Kopf ein ganz kleines wenig zur Seite und sah, wie ein Mann hinter ihr vorbeiging, der sich interessiert nach ihr umdrehte. Sie versuchte neutral zu gucken, dann lächelte sie ihrem Spiegelbild zu.