WhiteWedding. In den ausgehenden 1970er-Jahren – eigentlich dem Jahrzehnt des „Prog-Rock“, des durchdacht-langweilenden Progressive Rock oder Art Rock – bekam Disco-Musik, die bis dahin als niveaulose Tanzmusik imagemässig gleich auf mit Schlager und Trallala rangierte, völlig neue Impulse. Auf Endoplast war darüber ausgiebig nachzulesen. Die kurze Blüte anspruchsvoller Discomusik mit Gruppen wie Chic hielt als Massenphänomen jedoch nicht lange, als Disco in den 1980er-Jahren vor allem in Amerika angefeindet wurde bzw. zunächst sein Dasein auf den Tanzflächen der Welt fristete bzw. in anderen Musikstilen aufging. Zu Unrecht, wie sich später herausstellt. Denn Discomusik stand in der Tradition der ursprünglichen Soulmusik, die bald ein Revival mit modernen Mittel erleben sollte und heute aus der aktuellen Popmusik nicht mehr wegzudenken ist. Einer der Protagonisten des Vorläufers der Discomusik – des Phillysound – war der schwergewichtige Barry White, namensmäßig und auf der Bühne das genaue Gegenstück zu Soulstar James Brown. Seine tiefe Bassstimme, zu der es mit zehn Jahren nach einem zweiten Stimmbruch gekommen sein soll, wurde unverwechselbar – wie auch sein streicherbasierter Sound, der zwar seicht erschien aber letztlich stilbildend war und von großem Musikverständnis kündete. Barry White wurde eine Ikone neuer Tanzmusik vor allem durch sein Wirken in den 1970er-Jahren und auch noch in die 1980er-Jahre hinein. Später wurde er von einer jüngeren Generation Soul-enthusiastischer Musiker wiederentdeckt und stand für einige Duette zur Verfügung. Hier zu sehen ist Lisa Stansfield mit ihrem internationalen Hit All Around the World, in dem man sieht, wie präsent und rhythmisch stimmig Barry White nur durch kleine Rufe und angedeutete Dialoge den Song bereichert. Er muss gar nicht viel machen und zeigt doch in seinem gefühlsbasierten und zugleich professionellen Minimalismus, was er an exaktem Timing drauf hat. Die Musik von Lisa Stansfield und ihrem Produzenten-Duo Coltcut war stark beeinflusst vom Soul à la Barry White, der in seinen besten Tagen Sänger, Instrumentalist, Komponist, Arrangeur und Produzent seiner Musik war und damit so etwas wie Motown’s Norman Whitfield’s Nachfolger im Geiste wurde. Ähnlich kunstvoll und effekvoll arrangierte er die Streicher und ließ seine Stimme die mit Finesse instrumentierte Musik kontrastieren. 1989 schaffte White ein Comeback mit dem Album The Man Is Back!, es folgten die überzeugenden Alben The Icon Is Love (1994) und Staying Power (1999), die aber einen veränderten, modernisierten Sound ohne die alten Streicherkaskaden brachten. Anstelle des Schmeichelsound war eine Mischung aus Funk und Soul getreten, auch die Kompositionen waren nicht mehr so zwingend eingängig wie früher. Erkennungszeichen blieben aber seine unverwechselbare, tiefe Stimme und seine geschliffenen Produktionen. Kommentieren.