Dragman

„Zu mir kommen die Massen, die Leute lieben mich“, erklärte der unterhaltsame Künstler dem ernsthaften Künstler. Der dachte nach. „Zu mir kommen nur einige wenige, das stimmt, dafür genau die, die ich treffen will.“

Der Unterhaltungskünstler war verunsichert. „Aber bei mir fühlen sich die Menschen wohl, sie genießen, was ich tue, und können den Schrecken der Welt vergessen.“ – „Dafür schläft bei mir niemals jemand ein, im Gegenteil, wer meine Kunst ansieht, hat die Chance zu erwachen.“ Das wurde dem Unterhaltungs-Künstler zu viel. „Willst du damit sagen, ich wäre einschläfernd? Bei mir tanzen und singen die Menschen, da schläft niemand.“ – „Sehr richtig, die Körper tanzen und die Münder singen, aber ihr Geist ruht bis an ihr Lebensende“, erwiderte der Ernsthafte.

Da schrie der unterhaltende Künstler: „Was masst du dir an? Ich werde dich lehren, überheblich zu sein.“ Bei diesen Worten hatte er ein Messer gezogen und richtete es gegen den ernsthaften Künstler. „Wenn dich deine Unterhaltungskunst ausfüllen würde“, sagte der, „müsstest du nicht plötzlich ernsthaft werden. Stich zu, und du gibst damit zu, dass du dich nach echtem Ausdruck sehnst“, sagte er. Der unterhaltende Künstler erstach in seiner Wut den ernsthaften Künstler.

Als er viel später der Beerdigung beiwohnte, auf der nur wenige Menschen zugegen waren, während auf seiner Beerdigung sicher die halbe Stadt auf den Beinen gewesen wäre, umfing ihn Trauer. Er setzte sich auf einen der harten Holzstühle und blieb dort lange sitzen, und als er aufgestanden und gegangen war, war er nicht mehr derselbe.

Er trat noch auf, aber immer weniger Menschen kamen zu seinen Vorstellungen, doch die wenigen, die klatschten, klatschten doppelt so laut, als das vorher der Fall gewesen war. Er wurde gefragt, was mit ihm geschehen sei. Er erwiderte, um geweckt zu werden aus seinem tiefsten Schlaf, hätte es eines besonders eindringlichen Weckers bedurft. Nur schelle der weiterhin so laut, dass er niemals wieder würden schlafen können. All das Schreckliche, das er deshalb nicht träumen könnte, würde ihn am Tage nicht mehr loslassen und ihn ernsthaft werden lassen.