Es waren die 1980er-Jahre, in denen der Musiker Prince, der sich später, nachdem er sich mit der Plattenindustrie überworfen hatte, „The Artist Formerei Known As Prince“ (TAFKAP) nennen sollte, zum immens einflussreichen Weltstar aufstieg. Von Album zu Album steigerte Prince seine musikalische Präsenz und erfand einen eigenen Sound, von dem auch andere Künstler wie Jill Jones profitierten.

Nebenbei produzierte Prince andere Acts oder arbeitete unter Pseudonym als Songwriter. So entstand etwa „Nothing Compares to You“ – in der Coverversion von Sinéad O’Connor ein Welthit (1990). Allerdings war der Song bereits 1985 von Prince‘ Band „The Family“ eingespielt worden. Andere international erfolgreiche von Prince komponierter Hits waren „Manic Monday“ für „The Bangles“ (1985) oder „I feel for you“ für Chaka Khan (1984), nachdem Price es 1979 bereits in einer eigenen Version veröffentlicht hatte.

Prince, Purple Rain und der Sex-Faktor

Das Album „Purple Rain“ von 1984 war für Prince der Durchbruch als Superstar. Im gleichnamigen Film vermittelte er ein klischeebehaft-rückständiges Frauenbild. Man denke an Apollonia Kotero, die er chauvihaft im Wasser nackt allein zurücklässt. Prince sollte Appolonia als Solokünstlerin weiter sexualisieren. Überhaupt spielte der Faktor „Sex“ auch bei Prince selbst immer eine große Rolle, um Tabus zu brechen, für Aufmerksamkeit zu sorgen und dadurch Platten zu verkaufen. Man denke nur an die Texte seines Albums „Dirty Mind“ von 1980. Im Prince-Stück Mia Bocca singt Jill Jones: „Something’s happenin’/I just can’t explain it/U’re doin‘ somethin‘ 2 me/My body’s shakin‘, baby, shake, shake, shakin‘, baby/Shakin‘ like a leaf on a tree.“ Übersetzt etwa: „Es passiert etwas/Ich kann es einfach nicht erklären/Du machst etwas mit mir/Mein Körper zittert, Baby, zittert, zittert, zittert, Baby/zittert wie ein Blatt an einem Ast.“

Prince als Produzent von Jill Jones

Neben Acts wie „The Time“, „Sheila E.“, „Vanity 6“ bzw. „Apollonia 6“ (= Vanity 6 mit neuer Lead-Sängerin) produzierte Prince Jill Jones, die vorher als Backgroundsängerin und in Nebenrollen in seinen Videos mitgewirkt hatte. 1987 erschien ihr erstes Soloalbum „Jill Jones“, das von Prince komplett geschrieben und eingespielt wurde. Das als erstes Stück vermarktete und eingängigste Stück daraus ist „Mia Bocca“. Das Lied ist außerhalb Prince‘ eigenen Wirkens eines seiner klanglich-rhythmisch typischsten Stücke.

Regisseur Jean-Baptiste Mondino

Jean-Baptiste Mondino, der das Video zum Lied gedreht hat, gilt als einer der Wegbereiter der Musikvideo-Filmkunst. Als Grafiker und Fotograf brachte er eine weitgefächerte visuelle Auffassung in seine Musikvideos mit ein. Im gleichen Jahr dreht er etwa „Never Let Me Down“ für David Bowie (mit Schauspieler Joe Dallesandro als Ansager) oder „C’est comme ça“ für Les Rita Mitsouko. Vorher hatte er bereits für Sting am „Russians“-Video gearbeitet, später sollte er Musikvideos für Prince, Björk, Neneh Cherry, Madonna oder Vanessa Paradis drehen.

GesichtsfeldDer Song „Mia Bocca“ und seine Entstehungsgeschichte

„Mia Bocca“ – zu deutsch: „Mein Mund“ – sollte eigentlich in einer eigenen Prince-Version im Soundtrack für den Film „Purple Rain“ erscheinen. Als aber Regisseur Albert Magnoli das Drehbuch änderte, fiel der Song weg. So wurde er zu einem Song für das Jill-Jones-Album. Der Song ist übrigens auch an einer Stelle im Hintergrund des zweiten Prince-Films „Under the Cherry Moon“ von 1986 zu hören. Entstanden war er 1982 und wurde im November 1983 mit Jill Jones als Sängerin neu aufgenommen. Das finale Mixing erfolgte am 30. Januar 1986 im „Sunset Sound“-Studio in Los Angeles.

Die Versionen des Songs „Mia Bocca“

Es gibt verschiedene Fassungen des Musikstückes. Die kürzere ist zwischen vier und fünf Minuten lang, je nach Version. Eingangs in diesem Artikel ist das Originalvideo mit 4:51 Minuten Laufzeit zu sehen. Unten ist die Extended-Musikversion mit Streichern zu hören. Diese konzertante Version hat eine Laufzeit 7:21 Minuten. Zwischen 1985 und 1986 schuf der Jazzer Clare Fischer (Jahrgang 1928), der seit 1982 Arrangements für Prince schrieb, dafür ein herrliches Horn- und Streicher-Arrangement, das später hinzugefügt wurde.

Meister-Arrangeur Clare Fischer

In den 1980er-Jahren hatte Clare Fischer ähnlich wie Quincy Jones (Jahrgang 1933) mit diversen Pop-Acts kooperiert, neben Prince zum Beispiel auch mit Michael Jackson, Paul McCartney, Paula Abdul, Chaka Khan oder Robert Palmer. (Jazzer Quincy Jones hatte ab den ausgehenden 1970er-Jahren als Produzent von Michael Jackson mit den Alben „Off the wall“, „Thriller“ und „Bad“ seine kommerziell größten Erfolge, außerdem produzierte er Acts wie „The Brothers Johnson“, George Benson oder James Ingram.)