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	<title>endoplast.de &#187; Literatur</title>
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	<description>Die schräge Welt</description>
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		<title>Krankheitsbilder: Francis Bacon-Mann mit Windmühlenkrebs</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 19:26:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ralf Wasselowski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Illustration]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Mann ist alt und stopplig. Er hat einen starken Bartwuchs. Ein Großteil des Gesichtes ist mit etwa sieben Millimeter langen weißen Stoppeln übersät. Der Krebs hat sich mittig im Gesicht platziert. Er hat die Nase und das rechteAuge von innen heraus zur Seite gedrückt. Ich stelle mir das Gesicht als eine Schüssel mit einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/12/endoplast_francis_bacon_wasselowski.gif"><img class="alignnone size-full wp-image-19803" title="endoplast_francis_bacon_wasselowski" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/12/endoplast_francis_bacon_wasselowski.gif" alt="Krebs Cancer Man" width="553" height="310" /></a></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>Der Mann ist alt und stopplig. Er hat einen starken Bartwuchs. Ein Großteil des Gesichtes ist mit etwa sieben<span id="more-19802"></span> Millimeter langen weißen Stoppeln übersät. Der Krebs hat sich mittig im Gesicht platziert. Er hat die Nase und das rechteAuge von innen heraus zur Seite gedrückt.</strong></span></p>
<p>Ich stelle mir das Gesicht als eine Schüssel mit einer zähen Flüssigkeit vor, in der zwei Augen, eine Nase, zweiLippen und eine Menge Bartstoppeln schwimmen. Tief unten, in der Flüssigkeit sind plötzlich mehrere dumpfe Töne vernehmbar, so als klopfte jemand an eine verborgene Tür. Durch die milchige Flüssigkeit sehe ich die Andeutung einer runden Luke, wie bei einem U-Boot, die jetzt aufschwingt. Der Krebs kommt heraus, schwimmt lässig und ohne Eile nach oben. Er gibt der Nase mit einem Bein locker einen Stoß. Sie wird dadurch ein bisschen zur Seite gebogen. Dann tritt er das rechte Auge mit dem anderen Bein. Es wird weggeschleudert. Er macht es sich wie selbstverständlich in der Mitte des Gesichts gemütlich und beginnt, sich mit ausgebreiteten Armen unmerklich zu drehen. Es entsteht eine Art Wirbel, der alle Teile des Gesichts erfasst. Die Position der Augen, der Nase, des Mundes hat sich im Laufe des Jahres kreisförmig verschoben als wirkte eine beängstigende Fliehkraft. Ursprünglich grade Falten werden dadurch verbogen. Eine aberwitzig-konzentrische Drehbewegung erfasst die Physignomie vom Zentrum weg. Francis Bacon.</p>
<p><span style="color: #800080;"><strong>Die Pflegerinnen haben alle Spiegel aus dem Zimmer genommen.</strong></span> Der Mann sitzt im Stuhl, kann nicht aufstehen. Er wird nicht jeden Tag rasiert, weil das zu umständlich und schmerzhaft für ihn wäre. Er ist drahtig, muss mal ein Frauentyp gewesen sein, ein bisschen hat er was von Humphrey Bogart. Markant-männliche Falten. Er wirkt, als habe er abgeschlossen, ist dankbar für alles. Vielleicht einer der seltenen Momente im Leben, in dem ich wirklich was zu bieten habe. Denn ich kann meine Finger ruhig und geduldig bewegen. Mein Leben lang habe ich mit diesen Fingern gezeichnet und viele sehr kleine Dinge aus Papier ausgeschnitten, um Design-Entwürfe zu visualisieren oder beim Modellbau fiktive Räume entstehen zu lassen. Meine Aufgabe hier ist es, ihn zu rasieren. Eine Sache der Psychologie: Er weiß, dass es äußerst schwierig ist, ihn mit diesem Gesicht überhaupt noch zu rasieren. Er denkt, es sei eine Zumutung für mich. Stelle mir die Schwestern vor, wie sie ihn grob und laut in der Wir-Form sprechend rasieren, an ihm vorbei gucken und ihn dabei gar nicht richtig wahrnehmen.</p>
<p><span style="color: #800080;"><strong>Schwierig ist es einmal wegen der vielen Furchen und der wunden Stelle.</strong></span> Zum anderen wegen des Anblicks. Dabei ist es mir völlig egal. Ich sehe die Hässlichkeit gar nicht. Er will mir nichts stehlen von meiner Zeit, die ich doch tatsächlich im Überfluss habe. Ich will keiner seiner Erwartungshaltungen entsprechen. Ich nehme mir doppelt soviel Zeit, wie ich für die langsamste Rasur der Welt bräuchte. Ich bewege den Rasierer fast so, als würde ich mit einem Pinsel ein Bild malen. Ich blicke ihn unverwandt an und zeige ihm ohne Anstrengung, Verkrümmung oder Schauspiel, dass die Situation selbstverständlich ist. Ich komme dem Krebs ganz nahe, fasse sein Gesicht die Rasur unterstützend auch mal mit der Hand an. Dabei bin ich so zärtlich wie es nur geht. Er redet kein Wort. Ich sage hier und da etwas wie „so“ oder „ok, die Seite haben wir gleich“.</p>
<p><span style="color: #800080;"><strong>Ich bin eilfertig und zuvorkommend.</strong></span> Aber ich empfinde nichts Negatives, keine Berührungsangst, kein Mitleid, kein Ausweichen vor dem Tod, dem ich doch bisher immer gerne davongelaufen bin, wenn er sich mir zeigen wollte. Der Krebs ist jetzt Teil dieses Menschen. Der alte Mann wirkt auf mich, als habe er sich damit abgefunden, dass die Geschwulst wie ein surreales Zeitlupenschwungrad sein Gesicht einer Art organischer Kontinentalverschiebung aussetzt. Auch ich habe mich an die Situation angepasst. Habe akzeptiert, dass neben dem Mann und einem Zimmergenossen, den ich nicht wahrnehme, weil er sich dauernd außerhalb meines Gesichtsfeldes bewegt, zwei Personen in diesem Zimmer leben: Der alte Mann und der Krebs. Der Anblick des Mannes mag für viele beängstigend sein. Tage später werde ich lange zuhause in den Spiegel gucken und mir vorstellen, wie mein Gesicht wohl aussehen würde unter diesen Umständen.</p>
<p><span style="color: #800080;"><strong>Rasur beendet.</strong></span> Ganz glatt ging nicht. Später wird eine der Schwestern sagen, ich hätte es gut gemacht, hätte mir aber nicht so viel Mühe machen müssen. Die Dankbarkeit in seinen Augen. Weil ich bei ihm war. Weil ich mir die Zeit genommen habe. Weil ich keine Angst hatte. Tränenglitzern. Reflexion der Dankbarkeit. Aber er sagt nichts. Bin etwas gerührt. Wenn alles sehr schlimm ist und es keinen Ausweg mehr gibt, weil es vieles im Leben gibt, das eben nicht mehr gut wird, so sehr man sich das auch wünschen mag, dann werde ich seltsam gelassen, verschmelze mit dem Schrecken. Wer mit dem Schrecken schwingt, empfindet ihn nicht mehr. Der Schrecken verliert seine Macht, wenn Du sein Kumpel bist.</p>
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		<title>Märchen: Die Symmetrie der Wut</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 17:36:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ralf Wasselowski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen]]></category>
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		<description><![CDATA[Es waren an einem Ort, den man das Land der untergehenden Sonne nannte, zwei Bäume, die nun uralt geworden waren, älter als jeder Mensch, wohl älter als alle Generationen der Menschen, die dort jemals gelebt hatten, zusammen genommen. Jeder, dessen Familie eine Familienchronik führte, konnte sehen, dass die Bäume in fast jedem der Berichte der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/11/endoplast_facelifting_wasselowski1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-19783" title="endoplast_facelifting_wasselowski" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/11/endoplast_facelifting_wasselowski1.jpg" alt="Wurzelwerk der Gesichter" width="553" height="312" /></a></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>Es waren an einem Ort, den man das Land der untergehenden Sonne nannte, zwei Bäume, die nun uralt geworden waren, älter als jeder Mensch, wohl älter als alle<span id="more-19768"></span> Generationen der Menschen, die dort jemals gelebt hatten, zusammen genommen. Jeder, dessen Familie eine Familienchronik führte, konnte sehen, dass die Bäume in fast jedem der Berichte der Generationen erwähnt worden waren.</strong></span></p>
<p>Die Bäume waren nicht nur wegen ihres sagenhaften Alters berühmt geworden, nein, vor allem bildeten sie ein weit verzweigtes oberirdisches Wurzelwerk, wie man es noch nicht gesehen hatte. In der verwinkelten Verwurzelung konnte man Formen erahnen, die wie menschliche Gesichter wirkten, manche wie Tiere und Pflanzen. Es war, als wollten die Bäume in dem kunstvollen Geflecht ihrer Wurzeln eine Geschichte erzählen.</p>
<p>Die Bäume standen je am Rande zweier Städte, die am linken und rechten Ufer eines Flusses lagen, der den Bezirk durchzog. Verbunden waren diese Städte durch eine alte Handelsroute, die durch die Wildnis führte und durch den Fluss geteilt wurde.</p>
<p>Eines Tages kam diesen Weg eine Gruppe von Händlern entlang. Sie hatten die eine Stadt aufgesucht, dort den ersten der beiden Bäume bewundert, hatten den Fluß überquert und machten nun nicht weit entfernt vom zweiten Baum Rast. Die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt tief, schien aber mit unveränderter Intensität, die die Reisenden blinzeln ließ. Die Händler waren nicht sesshaft und mit ihren Familien unterwegs. Ein kleiner Junge und ein Mädchen, die auf der strapaziösen Reise vieles gesehen und erkundet hatten, machten sich auf, die fantastischen Wurzelns auch dieses zweiten Baumes zu bewundern. Schon den ersten hatten sie in staunender Ehrfurcht betrachtet. Dem Jungen war der Anblick nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Er hatte in der vergangenen Nacht viel davon geträumt, konnte sich an den Inhalt dieser Träume, die ebenso verworren schienen, wie das netzartige Wurzelwerk, aber nicht mehr erinnern.</p>
<p>Der Junge und das Mädchen standen nun also vor diesem zweiten Baum wie Ameisen vor einer Sonnenblume. So hoch ragte er empor, dass sie sein Ende am Himmel nicht mehr sehen konnten. Es schien, als verschwände er in den Wolken. Sie hockten sich auf die Wurzeln und das Mädchen fragte den Jungen, was er dort sähe. Der Junge sah ihr ins Gesicht, als sie die Frage gestellt hatte und hatte diese von ihren Lippen abgelesen. So blickte er in das dichte Netz der fantastischen Formen, sah in den durchschatteten Verschränkungen Köpfe, Körper, Figuren, sah immer mehr Gestalten, die sich zu bewegen schienen und ihn in ihrer Bewegung hinein in eine Geschichte zogen, die sich wie von selbst zu ergeben schien. Sein Blick versank tief im geheimnisvollen Wurzelreich. Aus den vielen kleinen Bildern, die er aufnahm, formten sich Worte und wie im Schlaf sprach er langsam Worte suchend, weil es ihm war, als würden die Wurzeln eine Geschichte preisgeben, die lange Zeit dort verborgen gelegen hatte. Es musste nur ein Kind kommen, um sie zu entdecken. Die beiden Kinder saßen dicht aneinander gedrängt und spürten die Wärme ihrer Körper. Der Junge sah in den tiefen Schatten des Geflechts zwei Menschen an weit voneinander entfernten Plätzen, die miteinander zu tun hatten, ohne es zu ahnen. So sprach er:</p>
<p>„Auf den zwei Seiten eines Flusses lebten zwei Einsiedler, ein Mann und eine Frau. Die Frau war blind und der Mann taub. Sie wussten nichts voneinander und lebten mehrere Tagesreisen voneinander entfernt. Ein ungewöhnlich lange währender Winter hatte das Land überzogen und es stand zu befürchten, dass er noch lange anhalten würde. So waren die beiden gezwungen, die Städte in ihrer Nähe aufzusuchen, um Vorräte einzukaufen. Nach einem entbehrungsreichen Weg angekommen, mussten sie aber feststellen, dass in den Städten die Hungersnot noch viel größer war als bei ihnen, die sie ihr Leben lang gelernt hatten, mit dem auszukommen, was die Natur ihnen gab. Sie waren bewandert in der Kunst der lange währenden Bevorratung, hatten Dörrfleisch und Trockenobst tief in der Erde gelagert. Doch sie mussten sicher gehen, nicht zu verhungern. Sie traten nach einiger Zeit, in der sie in den Städten Arbeiten verrichtet hatten, um mit dem Geld noch das Notwendigste zu Essen zu erstehen, den Rückweg an. Beide wollten damit die Stadt erreichen, in der jeweils der andere gewesen war, weil sie glaubten, dort mehr Lebensmittel bekommen zu können. Die Reise würde 4 oder 5 Tage dauern und es konnte gut sein, dass sie dabei ihr Leben verlieren würden.</p>
<p>So gingen sie los, schliefen ein paar Stunden, wanderten und wanderten, zehrten immer mehr ihrer Vorräte auf, trotzten der Kälte und trachteten am Ende des täglichen Marsches danach, wieder ihre Beine zu spüren. Sie banden sich Lappen um die halb erfrorenen Füße, steckten sie zurück in ihre Fellschuhe, rieben ihre Körper mit einem Balsam ein. Ihre Gesichter waren kaum mehr zu sehen unten den gewaltigen Fellmützen, die Nasen standen hervor wie rote Dornen, die Wangenknochen als wären sie aus hartem Holz. Ihre Münder waren ohne Lippen, als hätten die sich nach Innen zurückgezogen. Mit ihren eingerissenen Rändern sah jeder Mund aus wie ein dünner, dunkler Stachel-Zweig.</p>
<p>So trotzten sie dem unerbittlichen Winter auf der Suche nach Überleben. Immer krummer gingen sie, immer mehr der Erde zugeneigt, immer langsamer und kaum noch vorhanden in der Weitläufigkeit ihres Fellbesatzes. Aber ausgestattet mit dem zähen Überlebenswillen der Waldbewohner. Ihre Körper schmerzten, die Füße waren wund und geschwollen. Manchmal spürten sie die Kälte kaum noch, weil ihre Körper aus Schmerz bestanden. Ein andermal betäubte die Kälte den Schmerz. Vor allem ihre Gesichter waren wie taub und unter ihren Nasen hingen Eiszapfen, die sie von Zeit zu Zeit entfernten. Schließlich kamen sie an den Fluss und suchten, jeder auf seiner Seite, die Brücke. Es gab eine großzügig ausgelegte Brücke weiter südlich, die auch mit Gespannen befahrbar war. Diese wäre aber zu weit weg gewesen. Eine zweite Brücke über eine Verengung des Flusses befand sich nun in unmittelbarer Nähe. Dies war aber eine sehr schmale Fußgängerüberquerung aus Seilgeflecht, die immer nur eine Person auf einmal überqueren konnte. Sie hatte nur an einer Seite eine Festhaltemöglichkeit aus dicken Seil, an der anderen Seite war sie offen. Am besten überquerte man sie seitlich gehend und mit beiden Händen am Seil. Bei Sturm oder starkem Wind schwankte dieser Überweg bedenklich und sollte nicht betreten werden. Nicht nur, dass er nicht breit genug gewesen wäre, es wäre auch zu sich kreuzenden Schwingungen gekommen, betraten zwei Personen von den beiden Seiten die Behelfsbrücke gleichzeitig. Dies alleine war schon Gefahr genug, weil man kaum die Balance halten konnte, zumal wenn man noch etwas mit sich führte, wie es die beiden taten.</p>
<p>Die Frau und der Mann näherten sich fast zeitgleich am späten Abend dem Ort, nach dem die Brücke bald kommen musste, luden ihre Zelte und Decken von ihren Rücken und übernachteten dort. Am nächsten Tag erwachten sie mit dem Aufgehen einer strahlenden Sonne und packten ihre Habseligkeiten zusammen, um sich auf den Weg zur Brücke zu machen, hin zu jenen Städten, aus denen jeweils der andere gerade gekommen war. Für die Frau war der Weg wegen ihrer Blindheit viel beschwerlicher gewesen als für den Mann. Sie hatte unterwegs den Weg mit anderen Wanderern geteilt, die auch auf der Suche nach Nahrung aufgebrochen waren und sie ein Stück des Weges führten. Sie hatte aber darüber hinaus ein besonderes Gespür, sich zu orientieren. Doch lebte sie in ständiger Angst, eine hilfreiche Hand, die sie führte, könnte sie am Ende um ihre Habseligkeiten erleichtern oder ihr anderes Leid antun. Sie war zwei Tage vor dem Mann losgegangen und obwohl die Wegstrecke der beiden zu der Brücke fast gleich lang gewesen war, kamen sie zeitgleich an. Beide wanderten auf der breiten Handelsroute entlang und bogen dann zur Brücke eine weitere kleine Strecke ab.</p>
<p>Nun standen sie schließlich vor der Brücke, rasch würde es dunkel werden und die Brücke nun zu überqueren, hieß, nicht noch eine Nacht am Ufer warten zu müssen. Denn des Nachts hätte es keiner von beiden gewagt. Jeder von seiner Seite aus wollte das Seilgewirr betreten, das aber gar nicht zu sehen war. Die Brücke war lange Zeit von niemandem überquert worden, wohl, weil es den meisten Wanderern zu gefährlich erschien bei Wind und Wetter die vereisten Seile zu bezwingen. Sie hatten lieber den längeren Fußweg zur Hauptbrücke in Kauf genommen. Die Seilbrücke war vollständig zugeschneit und sah aus wie ein breiter Balken aus Schnee, den ein Riese quer über den Fluß gelegt haben mochte. Das geknüpfte Seilwerk war darunter nicht zu sehen. Der Mann betrat als erster den Übergang. Er schwang die Brücke am Anfang noch mit einem Bein auf dem sicheren Boden hin und her, um sie vom Schnee zu befreien. Doch der schwere Schnee war so vereist, dass er kaum abfiel. Am anderen Ende näherte sich die Frau, tastend, mit einer Hand das Seil berührend. Sie spürte die Vibrationen, hörte die Arbeit des Mannes am anderen Ufer. Auch sie suchte zunächst mit einem Bein Halt auf der Brücke.</p>
<p>Der Mann sah die Frau, rief ihr zu, sie solle weggehen, er wolle zuerst hinübergehen. Beide waren am Ende ihrer Kräfte, beide mehr dem Tod als dem Leben nah, ihr eiserner Wille klammerte sich an diese Brücke. Die Frau, außer sich vor Zorn, schrie zurück, er solle gehen, sie wolle zuerst die Überquerung wagen. Der Mann aber, der tote Ohren hatte, konnte sie nicht hören. So palaverten sie mit brüchigen leisen Stimmen vor sich hin, ohne sich wirklich zu verstehen, nur von dem Wunsch getrieben, so schnell wie es irgend ging das andere Ufer zu erreichen. Vernünftig wollte keiner sein, obwohl sie wussten, dass zwei Personen nicht aneinander vorbei kommen konnten auf dieser Brücke. Die Frau wedelte mit dem behandschuhten Händen, um den Schnee fortzufegen, große Brocken fielen ab und plumpsten in den reißenden Strom. Der Mann tat das seinige und so tasteten sie sich Schritt für Schritt vorwärts, während die Sonne unterging. Dabei warf der Mann der Frau hasserfüllte Blicke entgegen, drohte ihr mit erhobener Faust, war außer sich, was sie nicht sehen konnte. Und sie, die sein Näherkommen, sein Keuchen und seine Anstrengung hörte, schrie ihm wilde Beschimpfungen entgegen, die er wegen seiner totalen Taubheit nicht vernahm. Er solle nicht glauben, dass sie vor einem Mann weichen werde, brüllte sie.</p>
<p>Schließlich trafen sie in der Mitte der Brücke aufeinander. Der Mann schrie sie an, sie solle zurückweichen, sonst würde er sie hinunter werfen, was ihrem Tod gleichgekommen wäre, drohte ihr sogar nicht nur mit Worten sondern mit einer wilden Gebärdensprache. Die Frau schrie nach Leibeskräften zurück, sie werde ihn von der Brücke herunter stechen. In ihrer linken Hand hielt sie einen Haken zum Aufhängen von Fleisch, den sie mit sich führte. So prallten sie, kaum dass sie die Balance halten konnten, gegeneinander. Die Sonne war nun fast gänzlich untergegangen. Die Brücke kippte durch das Gewicht der beiden Menschen und ihr Gepäck hin und her und neigte sich immer wieder gefährlich hin zur offenen Seite. Beide kamen aus dem Gleichgewicht, fielen dabei um ein Haar ins Wasser. Zelt und Decken des Mannes lösten sich und verschwanden in den Fluten. Die Frau und der Mann hielten sich über dem Wasser an dem dicken Geländerstrick. Beide atmeten schwer und hatten den Tod vor Augen, sie kämpften noch einmal, schlingernd, ohne Kontrolle über ihre Körper, schrieen, stießen sich, außer sich vor Wut. Die Frau schlug den Haken um das dicke Führungsseil und stülpte den groben Lederriemen, der um ihren Körper verlief und die geschulterten Decken hielt, über das andere Ende des Hakens, so dass sie die Hände für einen Moment frei lassen konnte.</p>
<p>Sie drehte sich in Richtung des Mannes, ohne ihn sehen zu können, und sie ahnte, dass sie im Schicksal vereint schienen, sich hier auf der Brücke zu begegnen, auf der man sich im Winter eigentlich nie begegnete. Sie wußte auch, dass der Mann seine Decken und sein Zelt verloren hatte. Selbst wenn sie jetzt noch den Weg zurück finden würde, würde er nicht anders können als sie wegen ihres Zeugs umzubringen, um selbst überleben zu können. Da verging ihre Wut und wich der Angst zu sterben. Sie begann, während sie beide Halt suchten, auf ihn einzureden. Der Mann, der sie packen und von der Brücke schleudern wollte, sah ihre Decken und ihr Zelt und wusste, dass er diese haben musste, um am Leben zu bleiben. Er konnte sie also nicht einfach so hinunter werfen, zumal er auch das Messer in ihrer Hand sah. Er merkte an ihrem Gesichtsausdruck, der nicht mehr böse sondern flehend wirkte, dass die Frau mit ihm reden wollte, während sie hin- und herschlingerten. Aber er konnte sie nicht hören. Auch er spürte, dass sie jetzt Schicksalsgenossen geworden waren. Ihnen war klar, dass sie sich schnell entscheiden mussten, was zu tun war, sonst waren sie todgeweiht. Der Mann holte nach ihr aus, er spekulierte darauf, dass sie selbst wenn sie ohnmächtig war, sicher am Haken hängen würde. Doch der Schlag traf sie nicht richtig, weil die Brücke im eisigen Wind schlingerte. Sie spürte einen heftigen Schlag mit der Faust seitlich an der Stirn und stieß dem Mann ihr Messer reflexartig in den Körper. Er spürte einen stechenden Schmerz irgendwo in der Rippengegend und merkte, dass er blutete. Das Messer war stecken geblieben.</p>
<p>Die Frau ahnte, dass der Mann nichts mehr tun konnte, löste den Haken, stützte sich mit ihrem ganzen Körpergewicht auf den Mann, um an ihm vorbei zu gelangen und ertastete hinter ihm das Seil der Brücke. Dann schwang sie sich vorbei und hangelte sich langsam die Seilbrücke weiter, Schritt um Schritt vorsichtig in der inzwischen nahenden Dunkelheit. Während der Mann ächzend in der Mitte der Brücke verharrte, führte die Strömung unter ihm eine hellrote Färbung mit sich. Er kämpfte sich ebenfalls weiter und so landeten beide auf der entgegengesetzten Seite des Ufers, dort, wo sie auch hingewollt hatten. Er war verletzt und in der Gewissheit des nahenden Todes, wenn nicht durch die Kälte, dann durch den Blutverlust oder ein beschädigtes Organ. Sie war so schwach, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Sie hatte zudem ihr Messer verloren, das ihr im alltäglichen Überlebenskampf wichtige Dienste leistete. Es steckte im Körper des Mannes und schien damit verloren. So saßen sie fast regungslos jeder an seiner Seite vor der Brücke, keuchten, husteten und atmeten immer langsamer, bis sich der Rhythmus ihres Atems annäherte, ohne dass sie das ahnten. Und beide wurden nun sehr müde. Die Frau hatte auch ihren Wanderstock verloren, was es ihr erschweren würde, weiter gehen zu können.</p>
<p>Inzwischen war es stockduster geworden. Beide dachten darüber nach, was für eine sinnlose Verschwendung von Kraft es gewesen war, dass jeder von ihnen zuerst über die Brücke hatte gehen wollen. Sie konnten es sich nicht anders erklären, als dass die Angst um das nackte Überleben sie zur Missachtung des anderen geführt hatte. Hätte einer auf seiner Seite gewartet, hätten beide davon profitiert. Die Frau konnte nicht mehr weitergehen, sie war wie der Mann ausgezehrt gewesen und nun überanstrengt. Alles drehte sich vor ihren Augen. So machte sie sich schnell schwer atmend daran, das kleine Zelt aufzustellen. Sie wusste, dass der Mann nicht weiter konnte und morgen früh tot sein würde. Sie würde dann hinüber gehen, im Schnee nach ihm tasten und das Messer, das so wertvoll für sie war, an sich nehmen. Der Mann aber wollte sich nicht in sein Schicksal ergeben. Seine einzige Hoffnung auf ein Überleben war es, jetzt die Brücke zu überqueren, die Frau zu töten und ihr Zelt zu nehmen. Er hatte das Messer. Er zog es stumm und wie irr vor Schmerz aus der Wunde seitlich am Körper und legte ein kleines Tuch, das er in der Tasche gehabt hatte, auf die Wunde. Er nahm den Gürtel aus seiner Hose, legte ihn über Wunde und Tuch und zog ihn eng zusammen, damit das Tuch nicht verrutschte und der Blutfluss etwas gestoppt wurde. Dann kroch er zur Brücke, richtete sich dort auf und überquerte sie so, wie er gekommen war, Schritt für Schritt, in der Dunkelheit fast blind. Während er lautlos vorwärts ging, sah er, dass die Frau ein Stück weiter Feuer machte.</p>
<p>Es dauerte sehr lange, bis er die Brücke hinter sich lassen konnte. Die Frau zu töten war für ihn eine Notwendigkeit gewesen, je näher er ihr nun aber kam, desto weniger war er von dem Wunsch beseelt, es tatsächlich zu tun. Sie saß am Feuer, hatte die Kapuze gelöst. Die Flammen des Feuers schlugen nun hoch. Sie hatte Stöcke gesammelt, die nach und nach verbrannten. Der Mann stand nun nicht mehr weit von ihr. Zwischen ihnen war das Feuer und sie hatte ihn noch nicht gehört. Er war für einen Moment auf die Knie gesunken auf der anderen Seite des Feuers, spürte die Wärme. Er sah durch die Flammen hindurch in ihr Gesicht, konnte ein paar Strähnen ihres Haars sehen, und auch, dass sie blind war. Das verblüffte ihn. Auch, wenn sie ihn hätte sehen können, wäre sie ihm nicht mehr entkommen. Sie hätte alles zurück lassen müssen. Er erhob sich, ging leise auf sie zu. Hatte sie ihn gehört? Wegen des starken Räucherns des Feuers konnte sie ihn auch nicht riechen. Er hatte Mitleid mit ihr, sie war dünn wie er, ihr Gesicht von der Kälte gezeichnet. Sie hörte ein Knacken, das nicht vom Feuer her kam und streckte instinktiv ihren Arm danach aus und berührte ihn, der nun gebückt mit dem Messer in der Hand fast neben ihr kauerte, an der Wange. Sie hatte die Handschuhe ausgezogen und sich die Hände am Feuer gewärmt. Und als er nun diese Wärme an seiner Wange spürte, fielen all seine Wut und selbst sein eigennütziger Wille zu überleben, von ihm ab. Er nahm das Messer, fasste es an der Scheide und legte es in ihre Hand. Dann sackte er vor dem Feuer zusammen, atmete leise.</p>
<p>Auch die Wut der Frau war vergangen. Sie spürte das Messer in ihrer Hand und fühlte, dass er aufgegeben und sich mit seinem eigenen Tod abgefunden hatte. Und das, obwohl er nur einen Schritt davon entfernt gewesen war, sie zu töten. Die Frau wandte ihr Gesicht dem Feuer zu und spürte zum ersten Mal seit Tagen wieder Leben und Wärme in sich. Sie hielt das Messer fest in der Hand und taste nach dem Mann.</p>
<p>Als der Mann am nächsten Morgen aufgewacht war, spürte er zum ersten Mal seit langer Zeit keine Kälte. Das Feuer brannte, die Frau lag neben ihm, eng an ihn geschmiegt. Sie erwachte ebenfalls. Der Mann sagte ihr, dass er nichts hören könne. Sie setzte sich auf und hörte zu, wie er sprach. Er sagte, wo er hin wollte und sie schüttelte heftig den Kopf. Lange versuchten sie sich zu verständigen, bis beide begriffen hatten, dass es in beiden Städten nichts mehr zu holen gab und dass dort die Einwohner wohl auch langsam wegen Hunger und Krankheit dahinsiechten. Im Bezirk des Mannes gab es kaum mehr Tiere, die er hätte jagen können, den Rückweg nach dorthin anzutreten wäre ein sinnloses Unterfangen gewesen. Die Frau dachte nach und sprach, dass dies vielleicht bei ihr möglich wäre, sie aber nicht jagen könne. Sie hatte seine Wunde notdürftig versorgt. Es war ein tiefer Schnitt zwischen zwei Rippen gewesen. Ob er dies überleben würde, wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Er trug ihre Habseligkeiten und führte sie an der Hand als sie sich gemeinsam auf den Rückweg zu ihrem Haus machten. Er würde jagen und sie würden versuchen, den Winter dort gemeinsam zu überstehen.“</p>
<p>So beendete der Junge, der mit dem Mädchen auf dem Wurzelgeflecht saß, die Geschichte. Während er sie erzählt hatte, hatte er die Hand des Mädchen genommen und über bestimmte Teile der Wurzel geführt und dabei Hinweise gegeben wie „Dieser Wurzelteil sieht aus wie ein gebückter Mann auf einer Brücke“ und „Das hier wirkt wie ein Gesicht“. Das Mädchen hatte vorsichtig darüber gefühlt und die Formen nachvollzogen. Sie saßen noch etwas dort, bis es langsam dunkel wurde und redeten über die Wurzeln, die eigenartigen Bilder, die sich darin ergaben, und über die seltsame Geschichte. Dann nahm der Junge das Mädchen an der Hand und sie traten zusammen den Rückweg an.</p>
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		<title>SuchtMaschinGehDicht: KraterStimmung nach DreiWegeBlendung</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 22:57:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Der Barbara Streisand-Effekt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Irrsinn]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Paranoia]]></category>
		<category><![CDATA[Wunde]]></category>

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		<description><![CDATA[1. LebensAdler HautschlagGebend KramkhaftBöse GeldHaiHeidiHeit KranksteinDauerscheuern GehtNichtWeck 2. BestandsAffärenAder SchauerÄtzendSauer DauerKohlenGlimmen Angst&#38;Bang&#38;OlafsSohn BängBäng JUshouldMilchDawn ÄtzAkzentErlösung 3. EkzematösMondAber VaporisierterKraterOrient LöcherTaumeln ScheckSekunde AugenAusAufschlager IdeenUmschlagPlatzt SeifenBlasBalastOrchester von ArnoldSchmied )2002(]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_dreifaltigkeit_wasselowski.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-19403" title="endoplast_dreifaltigkeit_wasselowski" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_dreifaltigkeit_wasselowski.jpg" alt="Der Teufel hat den Schnaps gemacht" width="553" height="312" /></a></p>
<p>1.<br />
LebensAdler<br />
HautschlagGebend<br />
KramkhaftBöse<br />
GeldHaiHeidiHeit<span id="more-19396"></span><br />
KranksteinDauerscheuern<br />
GehtNichtWeck</p>
<p>2.<br />
BestandsAffärenAder<br />
SchauerÄtzendSauer<br />
DauerKohlenGlimmen<br />
Angst&amp;Bang&amp;OlafsSohn<br />
BängBäng<br />
JUshouldMilchDawn<br />
ÄtzAkzentErlösung</p>
<p>3.<br />
EkzematösMondAber<br />
VaporisierterKraterOrient<br />
LöcherTaumeln<br />
ScheckSekunde<br />
AugenAusAufschlager<br />
IdeenUmschlagPlatzt<br />
SeifenBlasBalastOrchester</p>
<p>von ArnoldSchmied )2002(</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.endoplast.de%2F2011%2F08%2F09%2Fsuchtmaschingehdicht-kraterstimmung-nach-dreiwegeblendung%2F&amp;title=SuchtMaschinGehDicht%3A%20KraterStimmung%20nach%20DreiWegeBlendung" id="wpa2a_6"><img src="http://www.endoplast.de/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mitmach-Geschichte: Opa Kuba und die Zauber-Schuhe</title>
		<link>http://www.endoplast.de/2011/08/07/mitmachgeschichte-opa-kuba-und-die-zauber-schuhe/</link>
		<comments>http://www.endoplast.de/2011/08/07/mitmachgeschichte-opa-kuba-und-die-zauber-schuhe/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 06 Aug 2011 23:39:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rolf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen]]></category>

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		<description><![CDATA[http://weh,weh,weh&#8230;, Opa Kuba tippte eine Internet-Adresse. Auf dem Bildschirm erschien ein Paar Schuhe. Ein Klick und die schönen Schuhe landeten im virtuellen Warenkorb. Opa Kuba gab seine Daten ein und schickte die Bestellung ab. Drei Tage später wartete er auf die Ankunft des Paketes. Hin und wieder warf er einen Blick aus dem Fenster zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-19352" title="endoplast_puppenschuhe_wasselowski_1" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_1.jpg" alt="Kleine Schuhe" width="553" height="310" /></a></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>http://weh,weh,weh&#8230;, Opa Kuba tippte eine Internet-Adresse. Auf dem Bildschirm erschien ein Paar Schuhe. <span id="more-19349"></span>Ein Klick und die schönen Schuhe landeten im virtuellen Warenkorb. Opa Kuba gab seine Daten ein und schickte die Bestellung ab.</strong></span></p>
<p>Drei Tage später wartete er auf die Ankunft des Paketes. Hin und wieder warf er einen Blick aus dem Fenster zum Hof, um zu sehen, ob gegenüber vielleicht ein Paketwagen parkte. Später am Nachmittag, als er schon lange nicht mehr geguckt hatte und in einem Fotoband blätterte, schellte es endlich.</p>
<p><a href="http://www.endoplast.de/2011/08/07/mitmachgeschichte-opa-kuba-und-die-zauber-schuhe/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_2/" rel="attachment wp-att-19353"><img class="alignnone size-full wp-image-19353" title="endoplast_puppenschuhe_wasselowski_2" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_2.jpg" alt="Zwei kleine Schuhe" width="553" height="310" /></a></p>
<p>An der Haustür stand der erwartete Paket-Mann, aber das Paket in seiner Hand war eher ein Päckchen, ein sehr kleines Päckchen. Opa Kuba stutzte, nahm es aber dann doch etwas verdutzt an. Er ging zum <a title="Das Pop-Kultur-Blog &quot;Octopop&quot;" href="http://www.octopop.de/" target="_blank">octogonal</a> designten Küchentisch, holte einen Brieföffner vom Couchtisch des Wohnzimmers und zerschnitt die Klebebänder an allen drei oberen Rändern des Päckchens, schlug den Deckel zurück und blickte auf das denkwürdige Paar Schuhe. Nein, das waren nicht die, die er bestellt hatte. Er musste innerlich lachen. Ganz und gar nicht. Die Schuhe, die er nun in die Hand nahm, hatten die Größe von Puppenschuhen. Eine Besonderheit war aber zudem, dass sie so gearbeitet waren, dass selbst ein sehr kleiner Fuß keinen Platz mehr für seine Zehen gefunden hätte.</p>
<p><a href="http://www.endoplast.de/2011/08/07/mitmachgeschichte-opa-kuba-und-die-zauber-schuhe/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_3/" rel="attachment wp-att-19354"><img class="alignnone size-full wp-image-19354" title="endoplast_puppenschuhe_wasselowski_3" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_3.jpg" alt="Schuhe für Lillyputaner" width="553" height="310" /></a></p>
<p>Opa Kuba sah sich die Schuhe sehr genau an, konnte sich aber keinen Reim darauf machen. Nachdem er sie vorsichtig zur Seite gestellt hatte, wühlte er im Verpackungsmaterial des Päckchens und fand ein Anschreiben. Aha, ein anderer Name, gleiche Straße, weiter runter am anderen Ende. Ein Zahlendreher in der Hausnummer. Ein Frauenname. Kannte er nicht. Dann würde er wohl mal losgehen und ihr das Päckchen bringen. Wahrscheinlich eine Sammlerin. Er packte alles so gut wie möglich zusammen und ging los. Ein kleiner Fuß-Marsch. Opa Kuba blinzelte der langsam untergehenden Sonne entgegen, als er die Straße entlang in Richtung des großes Feldes schlenderte.</p>
<p><a href="http://www.endoplast.de/2011/08/07/mitmachgeschichte-opa-kuba-und-die-zauber-schuhe/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_4/" rel="attachment wp-att-19355"><img class="alignnone size-full wp-image-19355" title="endoplast_puppenschuhe_wasselowski_4" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_4.jpg" alt="Der Doppelschuh-Faktor" width="553" height="310" /></a></p>
<p>Die Luft war klar, und man spürte beim Atmen die Nähe der Felder und die Jahreszeit. Viel schneller als er zu seinem Bedauern gedacht hatte, stand er auf der kleinen Treppe des Fachwerkhauses. Er betätigte die Schelle. Er hörte darauf eine kleine, angenehme Melodie im Hausinneren erklingen. Schritte. Jemand öffnete die Tür ganz vorsichtig. Ein sehr kleine Frau stand jetzt vor ihm. Sie hatte die Körpermaße einer Achtjährigen, war äußerst dünn und hatte eine gesunde bronze-gelbe Hautfarbe. Sie wirkte sehr freundlich auf ihn.</p>
<p><a href="http://www.endoplast.de/2011/08/07/mitmachgeschichte-opa-kuba-und-die-zauber-schuhe/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_5/" rel="attachment wp-att-19356"><img class="alignnone size-full wp-image-19356" title="endoplast_puppenschuhe_wasselowski_5" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_5.jpg" alt="Wem gehören diese Schuhe?" width="553" height="310" /></a></p>
<p>Sie begrüßte ihn. Er erwiderte und begann plaudernd von der kleinen Verwechslung zu erzählen. Sie hörte mit gespannter Aufmerksamkeit zu und wirkte, als er seine Geschichte beendet hatte, erfreut, die Schuhe in Empfang nehmen zu können. Nachdem die kleine Frau sie ausgepackt und betrachtet hatte, schlüpfte sie mit einem Fuß aus dem Hausschuh und probierte einen der kleinen Schuhe an. Bevor das jedoch geschah, hatte Opa Kuba sich einen Blick auf ihren Fuß gestattet. Er hatte nur soviel sehen können, dass es kein Fuß im herkömmlichen Sinne war, sondern ein Fußende ohne Zehen, das anstatt dessen in einem einzelnen Groß-Zeh gipfelte.</p>
<p><a href="http://www.endoplast.de/2011/08/07/mitmachgeschichte-opa-kuba-und-die-zauber-schuhe/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_6/" rel="attachment wp-att-19357"><img class="alignnone size-full wp-image-19357" title="endoplast_puppenschuhe_wasselowski_6" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_6.jpg" alt="Manni-Schuh" width="553" height="310" /></a></p>
<p>Niemand hätte auch nur einen Anflug von Verblüffung in Opa Kubas Gesicht erkennen können. Kein Wunder, dass die Schuhe so kurz waren. Es musste nur ein kurzer, großer Mini-Zeh hineinpassen, kein ganzer Mini-Fuß. Opa Kuba nahm den anderen Mini-Schuh in die Hand, zog ebenfalls einen Schuh aus, dann den Strumpf und stülpte den kleinen Schuh über seinen großen Zeh. Passte auch fast genau. Die fremde Frau und Opa Kuba lächelten sich an. Dann mussten sie herzlich lachen.</p>
<p><a href="http://www.endoplast.de/2011/08/07/mitmachgeschichte-opa-kuba-und-die-zauber-schuhe/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_7/" rel="attachment wp-att-19358"><img class="alignnone size-full wp-image-19358" title="endoplast_puppenschuhe_wasselowski_7" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_7.jpg" alt="Im Schuhfieber" width="553" height="310" /></a></p>
<p>Schließlich bat die Frau Opa Kuba ins Haus, brühte einen Kaffee und erzählte ihm eine seltsame kleine Geschichte, der er innerlich staunend aber äußerlich entspannt zuhörte.</p>
<p><a href="http://www.endoplast.de/2011/08/07/mitmachgeschichte-opa-kuba-und-die-zauber-schuhe/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_8/" rel="attachment wp-att-19359"><img class="alignnone size-full wp-image-19359" title="endoplast_puppenschuhe_wasselowski_8" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/08/endoplast_puppenschuhe_wasselowski_8.jpg" alt="Zeh-Schuhe" width="553" height="310" /></a></p>
<p>Wie könnte diese Geschichte weitergehen? Was ist das Geheimnis der sonderbaren kleinen Frau?</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.endoplast.de%2F2011%2F08%2F07%2Fmitmachgeschichte-opa-kuba-und-die-zauber-schuhe%2F&amp;title=Mitmach-Geschichte%3A%20Opa%20Kuba%20und%20die%20Zauber-Schuhe" id="wpa2a_8"><img src="http://www.endoplast.de/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Gedicht: Das Augenzwinkern der Postmoderne</title>
		<link>http://www.endoplast.de/2011/05/15/gedicht-das-augenzwinkern-der-postmoderne/</link>
		<comments>http://www.endoplast.de/2011/05/15/gedicht-das-augenzwinkern-der-postmoderne/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 15 May 2011 14:14:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rolf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturbegriff]]></category>
		<category><![CDATA[Postmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Wunde]]></category>

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		<description><![CDATA[Du liebst mich – obwohl Gefühle aus Chemie bestehn Möchest Gutes tun – wozu du ein böses Tier zu zähmen hast Du schaust dir im Kino an – was Du im Leben niemals wolltest Sägst gedankenlos am Ast – und erwachst überrascht im Spital 1:1 ist dein Verstehn – für Gänsefüßchen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/05/endoplast_augenzwinkern_wasselowski.gif"><img class="alignnone size-full wp-image-18447" title="endoplast_augenzwinkern_wasselowski" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/05/endoplast_augenzwinkern_wasselowski.gif" alt="Wie ernst ist das gemeint? Ein Lidzucken entscheidet darüber." width="553" height="312" /></a></p>
<p>Du liebst mich –<br />
obwohl Gefühle aus Chemie bestehn<span id="more-18446"></span></p>
<p>Möchest Gutes tun –<br />
wozu du ein böses Tier zu zähmen hast</p>
<p>Du schaust dir im Kino an –<br />
was Du im Leben niemals wolltest</p>
<p>Sägst gedankenlos am Ast –<br />
und erwachst überrascht im Spital</p>
<p>1:1 ist dein Verstehn –<br />
für Gänsefüßchen</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.endoplast.de%2F2011%2F05%2F15%2Fgedicht-das-augenzwinkern-der-postmoderne%2F&amp;title=Gedicht%3A%20Das%20Augenzwinkern%20der%20Postmoderne" id="wpa2a_10"><img src="http://www.endoplast.de/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>DasMedienGedicht: OsamaObama KneifMichMal</title>
		<link>http://www.endoplast.de/2011/05/14/dasmediengedicht-osamaobamakneifmichmal/</link>
		<comments>http://www.endoplast.de/2011/05/14/dasmediengedicht-osamaobamakneifmichmal/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 14 May 2011 12:56:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rolf Koschkat</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturbegriff]]></category>
		<category><![CDATA[Paranoia]]></category>
		<category><![CDATA[Wahnsinn]]></category>

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		<description><![CDATA[Osama bin Laden, Terrorfürst der Finsternis; Maddie, das marketingmäßig professionell betreute, entführte Kind; Karl-Theodor zu Guttenberg, der charmante Collageur; Jörg Kachelmanns, Streiterei um die absolute Wahrheit; Das Phantom von Heilbronn, die sich rar machende Mörderin; Barack Obama, Friedenspfeife oder Racheengel? Ich seh euch alle aufmarschiern seid gefährlich wie die Virn Bild und Ton und Dauerrauschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/05/endoplast_osama_bin_laden1.gif"><img class="alignnone size-full wp-image-18438" title="endoplast_osama_bin_laden" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/05/endoplast_osama_bin_laden1.gif" alt="Osama bin Laden, ich hab da so Fragen" width="553" height="312" /></a></p>
<p>Osama bin Laden,<br />
Terrorfürst der Finsternis;</p>
<p>Maddie,<br />
das marketingmäßig professionell betreute, entführte Kind;<span id="more-18435"></span></p>
<p>Karl-Theodor zu Guttenberg,<br />
der charmante Collageur;</p>
<p>Jörg Kachelmanns,<br />
Streiterei um die absolute Wahrheit;</p>
<p>Das Phantom von Heilbronn,<br />
die sich rar machende Mörderin;</p>
<p>Barack Obama,<br />
Friedenspfeife oder Racheengel?</p>
<p>Ich seh euch alle aufmarschiern<br />
seid gefährlich wie die Virn<br />
Bild und Ton und Dauerrauschen<br />
wobei sie mir die Hirnhaut bauschen</p>
<p>Seid ihr alle da?<br />
Oder seh ich nicht mehr klar?<br />
Existiert ihr so und überhaupt?<br />
Oder habt ihr mir das Hirn geklaut?</p>
<p>Seid Figuren wie die Kasperl-Puppen<br />
Meine Augen werfen ab die Schuppen<br />
Heraus kommt große Wirrnis<br />
Der gute Maler schönt sein Bild mit Firniss</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.endoplast.de%2F2011%2F05%2F14%2Fdasmediengedicht-osamaobamakneifmichmal%2F&amp;title=DasMedienGedicht%3A%20OsamaObama%20KneifMichMal" id="wpa2a_12"><img src="http://www.endoplast.de/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein Dialog: Warum hast Du über den Tod Osama bin Ladens geweint?</title>
		<link>http://www.endoplast.de/2011/05/08/ein-dialog-warum-hast-du-uber-den-tod-osama-bin-ladens-geweint/</link>
		<comments>http://www.endoplast.de/2011/05/08/ein-dialog-warum-hast-du-uber-den-tod-osama-bin-ladens-geweint/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 08 May 2011 00:37:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rolf Koschkat</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[Story]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Wunde]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.endoplast.de/?p=18306</guid>
		<description><![CDATA[Ich bin nach Hause gekommen. Du hast weinend am Tisch gesessen. Ich habe gefragt „Was ist los?“ Du hast gesagt: „Sie haben Osama bin Laden hingerichtet. Ohne Prozess.“ „Was?“ habe ich da gerufen. „Spinnst Du? Was ist denn schlimm daran?“ Du hast aufgehört zu weinen, hast hochgeschaut und jede Silbe betonend gesagt: „Er &#8211; war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_18307" class="wp-caption alignnone" style="width: 563px"><a href="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/05/endoplast_osama_bin_laden_tot.gif"><img class="size-full wp-image-18307 " title="endoplast_osama_bin_laden_tot" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/05/endoplast_osama_bin_laden_tot.gif" alt="Usama bin Ladin, Mensch und Un-Mensch" width="553" height="312" /></a><p class="wp-caption-text">Der Tod eines Unmenschen kann einen dennoch rühren, sofern man nicht selbst einer geworden ist.</p></div>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>Ich bin nach Hause gekommen.<br />
Du hast weinend am Tisch gesessen.<br />
Ich habe gefragt „Was ist los?“<span id="more-18306"></span></strong></span></p>
<p><span style="color: #ff6600;">Du hast gesagt: <a title="Der Endoplast-Artikel zum Tod des Terrorführers: Osama bin Laden als Leiche: Der Kopf, der Körper und der Tod eines Traumas" href="http://www.endoplast.de/2011/05/02/osama-bin-laden-als-leiche-der-kopf-der-korper-und-der-tod-eines-traumas/" target="_blank">„Sie haben Osama bin Laden hingerichtet. Ohne Prozess.“</a></span><br />
<span style="color: #333399;">„Was?“ habe ich da gerufen. „Spinnst Du? Was ist denn schlimm daran?“<br />
</span>Du hast aufgehört zu weinen, hast hochgeschaut und jede Silbe betonend gesagt:<br />
<span style="color: #ff6600;">„Er &#8211; war &#8211; ein &#8211; Mensch!!“<br />
</span><span style="color: #333399;">„War er das? Ein Mensch, der Dich killen wollte!“, erwiderte ich höhnisch.</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Das weißt Du doch gar nicht“, hast Du mich angeschrieen.<br />
</span><span style="color: #333399;">„Ach“, hab ich gesagt, „aber Du weißt genau, dass ihm die Menschen wichtig waren?</span><br />
<span style="color: #333399;">Denk mal an den 11. September 2001, da hat er wahllos Tausende gekillt.“<br />
</span><span style="color: #ff6600;">„Trotzdem darf ein Staat nicht mit gleichen Mitteln zurückschlagen.<br />
Unrecht gegen Unrecht geht nicht“, hast Du gesagt.</span><br />
<span style="color: #333399;">„Ok“, beruhigte ich mich langsam wieder, „was hätten die denn anstatt dessen tun sollen?“<br />
</span><span style="color: #ff6600;">„Ihn vor ein Gericht stellen und gucken, ob sie ihn verurteilen können.<br />
Das haben sie mit Saddam Hussein ja auch gemacht.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Und Gaddhafi? Darf man den auch nicht bombardieren?“<br />
</span><span style="color: #ff6600;">„Nein, darf man nicht“, entgegnetest Du trotzig.<br />
</span><span style="color: #ff6600;">„Völkerrechtlich darf man nur das gequälte Volk schützen, nicht wahllos bombardieren.“<br />
</span><span style="color: #333399;">Ich schüttelte widerstrebend den Kopf: „Ich möchte Dich mal sehen, wenn einer von Deinen Freunden im TwinTower gesessen hätte&#8230;Ob Du dann auch noch so reden würdest. Du bist doch total verbildet, Theoretikerin!“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Verbildet, weil ich für die Menschenrechte bin?“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Hat Osama bin Laden sich denn um die Menschenrechte gescherrt?<br />
</span><span style="color: #333399;">Er würde, wenn er könnte, Dich, mich, unsere Familien, unsere Freunde und Nachbarn in die Luft jagen, weil er gemeint hat, dass sei sein religiöser Auftrag.“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Das ich auch nicht richtig, klar&#8230;</span><br />
<span style="color: #ff6600;">Ich meine ja nur, dass wir ein Rechtssystem haben, kein Faustrecht, keine Lynchjustiz.<br />
Wir haben ein Rechtssystem, die USA auch, und das wird politisch-militärisch ausgehebelt. Barack Obama hat den Friedensnobelpreis bekommen und killt einen Menschen. Er hat den Befehl gegeben, das ist so, als hätte er selbst abgedrückt. Ich spucke aus vor ihm.“</span></p>
<h2>Von den Kreuzzügen zu El Salvador, Nicaragua und Afghanistan</h2>
<p>Ich hatte mich inzwischen hingesetzt.<br />
<span style="color: #333399;">„Im Prinzip hast Du ja Recht. Es ist nur so, dass Osama bin Laden, ähnlich wie Hitler, durch die Schlaffheit des Systems groß geworden ist. Man hätte ihn richtig bekämpfen müssen, bevor er stark geworden war. “</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Nein, so ist es nicht. Geh doch mal zurück in den Geschehnissen. Im Krieg der Sowjets gegen Afghanistan in den 80er-Jahren haben die USA die Hardcore-Islamisten unterstützt, damit die gegen den roten Feind Sowjetunion kämpfen und die Drecksarbeit machen. Die CIA hat Osama bin Laden und viele andere nicht nur unterstützt, sie hat sie gestärkt, ausgebildet, strategisch unterwiesen, hat ihnen High-Tech-Morden beigebracht. Damals hat es politisch ins Kalkül gepasst. Es war sozusagen eine Win-Win-Situation. Die Terror-Islamisten profitierten, die USA auch.“</span><br />
Das wußte ich, klar. <span style="color: #ff6600;">„Später hat sich Osama bin Laden gegen den Imperialisten USA gewandt und gegen ihn gekämpft. Für ihn sind alle, die Russen, die USA, Ungläubige.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Und“, hab ich eingehakt, „er hat seinen Glauben so ausgelegt, dass alle Ungläubigen bekämpft werden müssen.“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Ja, das stimmt“, hast Du entgegnet, „aber die Geschichte fängt viel früher an.“<br />
</span><span style="color: #333399;">„Meinst Du am Ende zu Zeiten der Kreuzritter?“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Ja, genau, vor ziemlich genau tausend Jahren begannen die Kreuzzüge, angebliche Religionskriege.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Und in den Jahrhunderten vorher haben die Araber angegriffen.“<br />
</span><span style="color: #ff6600;">„Na gut“, hast Du Deinen Kopf abwägend geneigt, „vielleicht ein Unentschieden?“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Osama bin Laden war aber gar nicht mal so unentschieden.“<br />
</span><span style="color: #ff6600;">„Stimmt, und die CIA war in Lateinamerika auch nicht zögerlich, wieviel Hunderttausende sind denn da in faschistischen Kerkern gefoltert und getötet worden, unter der Protektion der USA?“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Man soll die Anzahl von Toten nicht aufrechnen, aber Du hast schon Recht, klar, so gesehn, sind die paar Tausend, die Osama bin Laden sich aufs Gewisssen geladen hat, nicht viel.“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Zumindest sind seine Opfer nicht die einzigen Opfer. Seine Morde werden schlimmer bewertet, weil er es sich gewagt hat, Amerika anzugreifen und dem ganzen mächtigen Kontinent Angst zu machen.“</span></p>
<h2>Von Kontinenten und Gesellschaftsmodellen: Wer ist der bessere Mensch?</h2>
<p>Es war spät geworden.<br />
<span style="color: #333399;">„Wie einigen wir uns jetzt“ fragte ich.<br />
</span><span style="color: #ff6600;">„Keine Ahnung!“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Du weinst auch gar nicht mehr.“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Ja. Ich habe aber nicht um Osama bin Laden geweint. Ich habe geweint, weil die Menschlichkeit unter die Räder gekommen ist.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Bei wem? Bei ihm?“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Nein, allgemein. Ich kenne ihn ja nicht. <a title="Der Endoplast-Artikel zu Osama bin Laden und seiner Flüchtigkeit: Tot, Lügen, Videotape: Osama-bin-Laden-Desinformation und mediale Unsterblichkeit" href="http://www.endoplast.de/2011/05/05/tot-lugen-videotape-osama-bin-laden-desinformation-und-mediale-unsterblichkeit/" target="_blank">Er ist eine Medienfigur, für mich irgendwie virtuell.</a> Ich weiß aber, dass, wenn man immer auf die Geschichte verweist und sagt, dort waren die Kreuzzüge und heute müssen wir uns wehren, dann ist das richtig und falsch.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Wieso beides?“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Ich kann verstehen, dass man sich total über das Großmachtgehabe der Amerikaner ärgern kann, dass man beginnt sie zu hassen, weil die Amerikaner Millionen Leichen zu verantworten haben. Wenn es nur ihren Interessen gedient hat, kannten die kein Pardon. Sie haben im sowjetischen Afghanistan-Krieg die Taliban und Al Kaida vorgeschickt und verheizt. Weil es ja so schön bequem war.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Und andererseits?“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Andererseits kann man nicht immer nur im Gestern leben. Wenn man seine eigene Gewalt mit der Gewalt gegen die Großväter begründet, ist das eine unendliche Spirale, die sich ewig dreht.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Da stimme ich Dir zu. Die Kreuzzüge von vor tausend Jahren hatten offiziell das Ziel, das heilige Land zu befreien. Und die gleichen Worte hat auch Osama bin Laden gewählt. Er wollte nicht ruhen, bis Palästina befreit ist.“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Und so weiter und so fort. Es ist aber schon ein Trugschluß, aus einer Religion ableiten zu wollen, dass man alle anderen Menschen bzw. Menschen, die an einen anderen Gott glauben, per Maxime bekämpfen oder ausrotten darf.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Oder, wenn man glaubt, das sind alles Imperialisten, was die Amerikaner ja auch waren, sie müssen es aber nicht für immer bleiben.“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Tja, wir sind uns wahrscheinlich einig, dass Gewalt keine Lösung ist.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Theoretisch ja, aber Gewalt ist in der Welt. Was würdest Du denn denken, wenn Du weißt, dass viele Golfstaaten von Despoten regiert werden, die mehr oder weniger, direkt oder indirekt am Tropf der westlichen Welt hängen? Was könntest Du gewaltlos dagegen machen?“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Ja ich weiß, aber Du kannst das, was geschehn ist, halt nicht mehr rückgängig machen. Es ist wie es ist und jetzt bei den Revolutionen in Nordafrika und im nahen Osten scheinen sich die USA ja schon irgendwie auf die Seite der Menschenrechte zu schlagen.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Mag sein, aber das ist ein neues Thema. Ich wollte nur wissen, warum Du geweint hast. Es war also kein Weinen um den armen Osama bin Laden?“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Nein, ich habe geweint, weil ich es menschlich verwerflich fand, jemanden einfach so hinzurichten, ihm in den Kopf zu schießen. Für wen soll das denn ein Vorbild sein? Vielleicht für texanische Cowboys und für die Waffenindustrie, die jetzt sagen kann, unsere Präzisionswaffen töten jeden Terroristen. Die Menschheit kommt aber nur durch Kooperation weiter. Nicht durch Aggression.“</span><br />
<span style="color: #333399;">„Weise Worte. Lassen wir es so stehen, für heute.“</span><br />
<span style="color: #ff6600;">„Danke.“</span></p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.endoplast.de%2F2011%2F05%2F08%2Fein-dialog-warum-hast-du-uber-den-tod-osama-bin-ladens-geweint%2F&amp;title=Ein%20Dialog%3A%20Warum%20hast%20Du%20%C3%BCber%20den%20Tod%20Osama%20bin%20Ladens%20geweint%3F" id="wpa2a_14"><img src="http://www.endoplast.de/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kino: Philip K. Dick und Hollywood (2)</title>
		<link>http://www.endoplast.de/2011/04/08/kino-philip-k-dick-und-hollywood-2/</link>
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		<pubDate>Thu, 07 Apr 2011 23:19:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher Dröge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Der Plan]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturverfilmung]]></category>
		<category><![CDATA[Philip K. Dick]]></category>
		<category><![CDATA[Science Fiction]]></category>

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		<description><![CDATA[In den Neunzigern war Philip K. Dick (zumindest hierzulande) noch ein Geheimtipp, weshalb es niemanden hinter dem Ofen hervorlockte, wenn Videothekenfutter wie &#8220;Screamers&#8221; mit seinem Namen Werbung machten. Das sollte sich jedoch ändern. Steven Spielberg verfilmte 2002 mit „Minority Report“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle wieder eine Kurzgeschichte um eine hellseherische Polizei-Einheit, die Morde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/04/endoplast_philip_k_dick_droege.gif"><img class="alignnone size-full wp-image-18013" title="endoplast_philip_k_dick_droege" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/04/endoplast_philip_k_dick_droege.gif" alt="Philip K. Dick und das Kino in Hollywood" width="553" height="312" /></a></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>In den Neunzigern war Philip K. Dick (zumindest hierzulande) noch ein Geheimtipp, weshalb es niemanden hinter dem Ofen hervorlockte, wenn<span id="more-17973"></span> Videothekenfutter wie &#8220;Screamers&#8221; mit seinem Namen Werbung machten. Das sollte sich jedoch ändern.</strong></span></p>
<p>Steven Spielberg verfilmte 2002 mit „Minority Report“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle wieder eine Kurzgeschichte um eine hellseherische Polizei-Einheit, die Morde in der Zukunft voraus sieht um diese zu verhindern. Ähnlich wie bei Blade Runner gab man sich hier viel Mühe eine glaubhafte Zukunftswelt zu gestalten und auch die Vorlage ist durchaus noch zu erkennen: allerdings wurde sie durch die übliche Schicht Spielbergschen Zuckergusses ziemlich verwässert.</p>
<p>Nach dem Erfolg von „Minority Report“ war der Damm gebrochen und es setzte ein wahrer Run auf Dick-Lizenzen ein. Es folgten die B-Produktion „Impostor“, „Paycheck“ von John Woo, und „Next“ von Lee Tamahori. Dabei zeigte sich die Schattenseite des Erfolgs, denn diese Filme benutzten ihre Vorlagen als Entschuldigung für glatte Action-Filme, die  nur noch wenig mit Dicks Werk zu tun hatten. John Woo entledigte sich in „Paycheck“ aller SF-Elemente und ließ Ben Affleck stylish aussehen – aber nicht viel mehr. „Next“  ist im Grunde ein ärgerlicher Etikettenschwindel denn an dem Nic Cage-Vehikel erinnert bis auf die Grundidee faktisch nichts mehr an die Vorlage „The Golden Man“.</p>
<p>Hier zeigte sich auch warum Dicks Kurzgeschichten bei Produzenten so beliebt sind. Denn diese sind meist recht einfach aufgebaut und um eine starke Grundidee herumkonzipiert. Diese lässt sich recht leicht herausschneiden um in jeden gewünschten Kontext eingesetzt zu werden. An Dicks Romane hingegen traute sich nach Blade Runner lange niemand heran.</p>
<p>Bis 2006 Richard Linklater „A Scanner Darkly“ verfilmte, einen stark autobiographisch gefärbten Roman aus Dicks Spät-Phase.  Das einzige SF-Element des Romans und des Films ist die fiktive Droge Substanz T, die schwere Hirnschäden hervorruft. Keanu Reeves spielte  hier den verdeckten Ermittler Bob Arctor, der im Milieu der Drogenabhängigen nach den Hintermänner fahnden soll. Arctor kommt jedoch kaum dazu zu ermitteln bei den Mengen an Pillen die er sich einschmeißt.</p>
<p>Die Situation wird komplizierter, als er von seinen Vorgesetzten – die seine eigentliche Identität nicht kennen – den Befehl bekommt, er solle Bob Arctor überwachen.  Er fängt also an, sich selbst am Bildschirm zu beschatten, bis sein von Drogen überlastetes Hirn nicht mehr in der Lage ist festzustellen, dass er es selbst ist, den er dort beobachtet.</p>
<p>Linklater hat mit „A Scanner darkly“  die bisher einzige weitgehend werkgetreue Dick-Adaption gedreht, die auch durch ihren einzigartigen Look der Rotoskopie heraussticht: Die Szenen wurden in real gedreht um später digital übermalt zu werden um einen entrückten Cartoon-Loock zu erreichen. Dies erwies sich als probates Mittel um etwa die bizarre Komik des Lebens und Sterbens als Junkie darzustellen.</p>
<p>Auf der anderen Seite gelang es Linklater auch, Bilder für die Schwermut zu finden, die in Arctors fortschreitender Isolation und dem Zerfall der Wirklichkeit liegen. Denn auch im Roman hatte Dick trotz einer schonungslosen Demontage der Gegenkultur seiner Tage deutliches Mitgefühl für seine Figuren die alle auf persönlichen Freundschaften basierten.</p>
<p>Mit „Der Plan“ ist dieser Tage wieder eine Adaption einer Kurzgeschichte im Kino angelaufen. Dieses Mal wurde die Dicksche Grundidee in eine romantische Dramödie injiziert, was nun wirklich eine recht wunderliche Kombination ist.  Mögen da die Hardcore-Fans auch Zetern und Toben, den Produzenten ficht es nicht an, er studiert lieber die Ergebnisse des Startwochenendes.</p>
<p>Doch es gibt Hoffnung  dass aus dem Dickschen  Werk  noch mehr entstehen könnte als fade Kassenseife. Denn Michel Gondry hat angekündigt, eines der zentralen Werke Dicks verfilmen zu wollen, nämlich „Ubik“. Dem Regisseurs des inoffiziellen Dick-Films „Eternal sunshine of the spotless mind“ ist eine ambitionierte Umsetzung dieses vertrackten Romans durchaus zuzutrauen.</p>
<p>Was der Meister selbst zu den verschiedenen Interpretationen gesagt hätte, werden wir nicht mehr erfahren: Er hat seinen späten Erfolg nicht mehr miterlebt.  Wenige Wochen vor der Premiere von Blade Runner starb er an den Folgen eines Schlaganfalls,  einer Altlast aus der Zeit seiner Drogeneskapaden. Ihm zu Ehren haben Fans seinen Kopf als Animatronic modelliert, der für eine Ausstellung gedacht war, inzwischen jedoch auf mysteriös Weise verschwunden ist. Vielleicht hätte er uns ja sagen können, ob er jetzt von elektrischen Schafen träumt.</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.endoplast.de%2F2011%2F04%2F08%2Fkino-philip-k-dick-und-hollywood-2%2F&amp;title=Kino%3A%20Philip%20K.%20Dick%20und%20Hollywood%20%282%29" id="wpa2a_16"><img src="http://www.endoplast.de/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kino: Philip K. Dick und Hollywood (1)</title>
		<link>http://www.endoplast.de/2011/04/08/kino-philip-k-dick-und-hollywood-1/</link>
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		<pubDate>Thu, 07 Apr 2011 23:12:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher Dröge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Science Fiction]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man in Hollywoods Genre-Kino neben Sequels und Prequels, Remakes und Reboots noch etwas finanziert bekommt, dann sind es Verfilmungen von Werken aus der Feder des Science Fiction-Autoren Philip K. Dick. Das ist ein wenig seltsam, denn im Grunde  haben  die 40 Romane und an die 120 Kurzgeschichten des Schriftstellers wenig mit dem durchschnittlichen Ausstoß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/03/Dickoplast.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-17746" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/03/Dickoplast.jpg" alt="" width="553" height="310" /></a></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>Wenn man in Hollywoods Genre-Kino neben Sequels und Prequels, Remakes und Reboots noch etwas finanziert bekommt, dann sind es Verfilmungen von Werken aus der Feder des Science Fiction-Autoren Philip K. Dick. <span id="more-17745"></span>Das ist ein wenig seltsam, denn im Grunde  haben  die 40 Romane und an die 120 Kurzgeschichten des Schriftstellers wenig mit dem durchschnittlichen Ausstoß der Traumfabrik gemein. Grund genug dem ein wenig auf Grund zu gehen. </strong></span></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Philip_K._Dick">Philip K. Dick</a> begann seine Karriere im Golden Age der Science Fiction, den Fünfziger Jahren. Die ersten zehn Jahre verbrachte er als unbeachteter Vielschreiber von  Short Storys für Dutzende schmuddeliger Monatshefte, und verbrachte dabei mehr Zeit unter als ober der Armutsgrenze. Dies sollte sich zwar nie entscheidend ändern, doch machte er mit seinem Roman „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Orakel_vom_Berge">Das Orakel vom Berge</a>“ 1961 erstmals auch außerhalb der Kreise lichtscheuer SF-Fans von sich reden. Der Roman erzählt von einer alternativen Welt, in der die Nazis und Japan den 2. Weltkrieg gewonnen und die USA unter sich aufgeteilt haben. Beflügelt von diesem Erfolg, erhöhte Dick seinen ohnehin schon erstaunlichen Ausstoß: in den 60er Jahren schrieb er  jedes Jahr 2 Romane und entwickelte ein ausgeprägtes Interesse an Drogen aller Art. Das liest man vielen Arbeiten aus dieser Zeit auch an, gleichzeitig gehören Romane wie „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ubik">Ubik</a>“ „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_drei_Stigmata_des_Palmer_Eldritch">Die 3 Stigmata des Palmer Eldritch</a>“ und „Warte auf das letzte Jahr“ zum Besten was er je geschrieben hatte. In diesen genresprengenden Texten irren die Figuren hilflos durch die Labyrinthe vorgegaukelter Scheinrealitäten, ohne Aussicht jemals den Ausgang zu finden. Dicks Kernthema kam hier zur vollen Entfaltung: Das Unbehagen und das Misstrauen gegenüber der Realität, und eine  Absage an den einen allgemeingültigen Wahrheitsbegriff.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" width="553" height="350" src="http://www.youtube.com/embed/4fCeH-WnJYM" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Lange Zeit schienen seine multiperspektivischen Geschichten zu sperrig für Hollywood. Erst Anfang der 80er machte sich ein junger Filmemacher namens Ridley Scott daran, den Roman „Träumen Roboter von elektrischen Schafen?“ in eine filmische Form zu bringen. Das Ergebnis erblickte im Jahr 1982 unter dem Titel „Blade Runner“ das Licht der Leinwand. Hier spielte Harrison Ford den Kopfgeldjäger Deckard, der Replikanten genannte künstliche Menschen jagt, die sich illegal auf der Erde aufhalten.</p>
<p>Scott veränderte die Handlung des Romans stark, strich die religiösen Untertöne heraus und fügte eine schwülstige Love-Story hinzu. Trotzdessen  atmet der Film den Geist der Vorlage, denn die Grenzen zwischen Mensch und Roboter verschwimmen zusehends: Künstliche Erinnerungen gaukeln den Androiden ein Leben vor, das sie nie geführt haben,  und wer kann schon sagen ob die eigenen Erinnerungen echt sind?  Ist eine falsche Erinnerung weniger wert als eine richtige? Deckard hat am Ende des Films jedenfalls einigen Grund, an der eigenen Menschlichkeit zu zweifeln.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" width="553" height="350" src="http://www.youtube.com/embed/CByDaEcs5yo" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>„Blade Runner“  gilt heute als Klassiker nicht nur des Genres, was vor allem an seinem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=6VPT-Ug-gF4">visionären Design </a>einer trostlosen, in der Gegenwart verwurzelten Zukunft liegt, die für Jahrzehnte den Maßstab im Genre setzen sollte.  Damals jedoch ging er  an der Kasse und der Kritik ziemlich unter, und es sollte acht Jahre dauern, bis sich wieder jemand an einen Stoff des Autors wagen sollte.</p>
<p>1990 war es dann soweit: Der Niederländer Paul Verhoeven brachte „Total Recall“  in die Kinos, der auf der Kurzgeschichte „We can remember it for you wholesale“ basierte. Auf dem Höhepunkt von Arnies Popularität wurde der Film vor allem als greller Actionreißer rezipiert, doch unter der ganzen Ballerei und den markigen One-Linern verbirgt sich auch hier die Dicksche Weltsicht:  Der angebliche Bauarbeiter Quaid erfährt, dass er in Wirklichkeit der Geheimagent Hauser ist, der in einen Skandal um Sauerstoffrationierungen in den Marskolonien verwickelt ist. Auch hier ist den eigenen Erinnerungen, dem eigenen Urteilsvermögen nicht zu trauen und mehr als einmal muss Quaid das was er für die Wahrheit hält korrigieren.</p>
<p>„Total Recall“ ließ im Gegensatz zu Blade Runner die Kasse klingeln und Hollywoods Bluthunde begannen, die Fährte aufzunehmen. Denn Verhoevens Film hatte auch gezeigt, dass man in den Dickschen Geschichten herumfuhrwerken konnte, ohne dass sich jemand allzu laut beschwerte. Trotzdem war man in den 1990ern noch vorsichtig, die einzige offizielle Dick-Verfilmung war das B-Movie  „Screamers“ von 1995,  nach der Kurzgeschichte „Variante zwei“. Hier sind es sich selbst reproduzierende Killermaschinen, die gelernt haben, das Äußere der Menschen täuschend echt zu imitieren. Ob James Cameron die Geschichte wohl kannte, als er 1984  den „Terminator“ drehte? Ein Schelm wer böses dabei denkt…</p>
<p>Zum Ende des Jahrzehnts hin begannen Dicks Themen und Motive endgültig in das Bewusstsein vieler Filmemacher einzusickern. Die „Matrix“  der Wachofski-Brüder  mit ihrer titelgebenden Scheinwelt war ein astreines Surrogat der Dickschen Idee von den dunklen Kräften, die hinter den Kulissen der Realität die Fäden ziehen; ebenso „<a href="http://www.youtube.com/watch?v=moW17YHl6B8&amp;feature=related">Dark City</a>“ von Alex Proyas. David Cronenberg verneigte sich mit „ExistenZ“ ganz offen vor dem Altmeister der Paranoia. Doch erst 2001 sollte mit „Minority Report“ wieder eine offizielle-Dick-Adaption  produziert werden.</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.endoplast.de%2F2011%2F04%2F08%2Fkino-philip-k-dick-und-hollywood-1%2F&amp;title=Kino%3A%20Philip%20K.%20Dick%20und%20Hollywood%20%281%29" id="wpa2a_18"><img src="http://www.endoplast.de/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hitler&#8217;s Android</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 13:32:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nelly Kratt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[Tagebuch]]></category>
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		<category><![CDATA[Monster]]></category>
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		<description><![CDATA[Mir träumte, der Führer war wiedererstanden. Nur war er in seinen jungen Jahren nicht ein verkrachter Künstler sondern ein Hacker in einem Computer-Club, der davon lebte, die Positionsdaten aller Menschen, derer er habhaft werden konnte, mit ihren Facebook-, Twitter- und Email-Konten und hundertten anderen persönlichen Daten zusammenzubringen, um virtuelle gläserne Abbilder aller Individuen der gesamten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/03/endoplast_hitler_android_wasselowski.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-17857" title="endoplast_hitler_android_wasselowski" src="http://www.endoplast.de/wp-content/uploads/2011/03/endoplast_hitler_android_wasselowski.jpg" alt="Adolf Hitler schreibt ein neues Betriebssystem" width="553" height="312" /></a></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>Mir träumte, der Führer war wiedererstanden. Nur war er in seinen jungen Jahren nicht ein verkrachter Künstler sondern ein Hacker in einem Computer-Club<span id="more-17856"></span></strong></span><span style="color: #ff0000;"><strong>, der davon lebte, die Positionsdaten aller Menschen, derer er habhaft werden konnte, mit ihren Facebook-, Twitter- und Email-Konten und hundertten anderen persönlichen Daten zusammenzubringen, um virtuelle gläserne Abbilder aller Individuen der gesamten Menschheit zu schaffen und diese letztlich mit ihren individuellen Gen-Profilen zu koppeln. </strong></span></p>
<p>Er ist dabei auf der Suche nach dem „Links“-Gen und gründet eine Partei, die auf dieser Grundlage alle Andersdenkenden auslöschen will.</p>
<h2>Start your Day „Right“</h2>
<p>Adolf Hitler programmiert als Avatar „Adolid“ ein neues gefaktes Betriebssystem, es heißt „Weißbroodt“. Es enthält im Wesentlichen Tools, die auf GPS-ermittelten Positions-Bestimmungsdaten des Nutzers basieren, damit ultrazielgruppengerechte Werbung seiner Faschisten-Partei sehr genau auf die Echtzeit-Lebensumstände der Menschen eingehen kann &#8211; sozusagen Ortsgruppen-GAU-genau. Gleichzeitig dient die Software der lückenlosen Überwachung. Hitler enteignet den Google-Maschinen-Park und überwacht damit die gesamte Menschheit total. Er weiß zu jedem beliebigen Zeitpunkt, was jeder beliebige Mensch auf der Welt gerade macht. Wie einer der verrückten Wissenschaftler von Jack Kirby steht er mit einem vom Wahnsinn übermäßig aufgerissenen Auge vor einer gigantischen Überwachungsmaschinerie und guckt auf zahllose Monitore.</p>
<h2>Lord Schinken-Speaker und Lady Pomerscheroy helfen aus</h2>
<p>Hitler schreit heraus, dass ein Nachteil des bestehenden riesigen Softwareangebotes die schlampige Programmierung sei. Der junge Politiker, den seine Bekannten wegen seines Haarschnitts und Bärtchens verhöhnen, ist exaltierter Bestandteil der hiesigen Programmier-Szene. Er schreit mit krächzender Stimme nur noch herum, wie scheiße und nachlässig alles programmiert sei. Man müsse sich jetzt mal zusammennehmen, verdammt nochmal, und stramm gestanden. Verdammte Scheiße. Der Mann tritt an, um alles perfekt zu programmieren. Völlig fehlerlos und klar. Die Leute glaubens ihm zunächst. Und er schafft es, alle anderen Betriebssysteme auf der Welt zu eleminieren.</p>
<h2>De Power to do more</h2>
<p>Alle scheinen begeistert, es bildet sich ein Kult, weil der Code, den er schreibt, offenbar so perfekt und schön ist, dass jedem Programmierer, der ihn liesst, vor Verehrung Tränen kommen. Bald schon hat Adolf Hitler einen Großteil der aktuellen Apps programmiert und stellt auch Hardware her. Er und seine verkulteten Produkte werden histerisch verehrt. Jedesmal, wenn ein neues Update herauskommt, zelten die Leute tagelang vorher vor seiner Burg. Niemand ahnt, dass er in seiner Software, die mit nichts kompatibel ist, ein Selbstzerstörungs-Virus implementiert hat, das auf Knopfdruck nicht nur die Software sondern auch alle Daten, die daraus generiert werden, löschen und die gesamte Hardware vernichten kann. Und das, obwohl doch die Hauptkunden Hitlers Regierung und Militärs sind. Mit seiner Software werden inzwischen die Atombomben und alle Kernkraftwerke der Welt gesteuert.</p>
<h2>Ronald Bush, der wahnsinnige Wissenschaftler</h2>
<p>Doch dann stellt sich heraus, dass Hitler kein Mensch sondern ein synthetisches Wesen ist, ein Android, der von einem größenwahnsinnigen Wissenschafter geschaffen wurde, der durch die Entwicklungsarbeit  für Kernkraftanlagen zum Multimilliardär geworden war und eines Tages alle Kraftwerke der Welt zeitgleich hochgehen lassen will, um die Zivilisation zu vernichten.</p>
<h2>Vorhang. Software&#8217;s Traum</h2>
<p>Ich wache auf. Der Fernseher läuft, aha, daher wohl die Zwischenüberschriften. Was für einen Dreck habe ich denn da geträumt? Bin ich von den Endlossendungen des Privatfernsehens und der Werbung umprogrammiert worden? Ich entdecke einen USB-Stick unter meinem Kopfkissen. Ich stecke den Stick in die USB-Buchse meines Net-Books. Aha, eine Audiodatei. Ich gehe auf „play“ und höre das irre Lachen Adolf Hitlers. Ich denke benommen nach: Doch kein Traum?</p>
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