DavidFosterWallaceiath. Das Büchlen von David Foster Wallace, „This is Water“/„Das hier ist Wasser“, gibt es auch in Deutschland zu kaufen, es ist dünn und die Kritiker hat es nicht so vom Hocker gehauen, weil es wohl eher als eine der Devotionalien gilt, die man posthum veröffentlicht, wenn ein überaus berühmter Autor gestorben ist. Man fleddert, was sein Archiv hergibt. Ob der Autor selbst das Werkchen für veröffentlichungswert gehalten hätte, darf speziell in seinem Fall bezweifelt werden. Als Beigabe zu einer Kurzgeschichtensammlung vielleicht, aber als eigenes Büchlein? Als Hörbuch? Als Film? Es ist noch nicht einmal ein von ihm geschriebenes Werk sondern genau genommen die Verschriftlichung einer Rede, die er 2005 gehalten hat. Was man wissen sollte: Es handelt sich um eine sogenannte „Commencement Speech“ oder auch „Commencement Address“, die an Universitäten gehalten werden, um Studenten, die graduieren, zu motivieren. Vor diesem Hintergrund ist die Rede dann doch wieder zumindest beachtenswert. Denn David Foster Wallace vermittelt den Studenten eher, wie schlimm der Alltag werden wird. Bruder und Schwester Matthew Freidell und Allison Freidell haben nun sogar den (kurz-)Film zum Buch zur Rede gedreht. Man kann das witzig finden, weil aus einer Rede über etwas relativ Unbedeutendes ein kleiner feiner Film geworden ist oder das als hemmungslose Aufplusterung empfinden: Ein Medien-Reizüberflutungs-Schicksal. Kommentieren.
BraveKnewWorld. Die neue Welt kann kommen. Gerade eben haben die Verkaufszahlen der Smartphones die der alten Old-School-Handys, mit denen am im wesentlichen nur telefonieren kann, zum ersten Mal überholt, da konkretisiert sich auch das Konzept der Google-Glass-Daten-Brille. Kann man sich vorstellen, dass zukünftig Menschen damit herumlaufen? Ja, aber ob sofort, das die Frage. Das Look & Feel jedenfalls, wie man es im Konzept-Video sehen kann, scheint nicht schlecht. „Augmented Reality“ nennt man sowas, eine Art erweiterte Realität, bei der man z.B. ein Gebäude von außen betrachtet, und Google Glass sagt einem, was das für ein Gebäude ist. Auch Wege kann es weisen und vielfältige weitere Informationen über das Gesehene geben – ein Augenaufschlag mag irgendwann genügen. Man kennt sowas ähnliches aus dem Museum: Früher per Casetten-Walkman heute per Handy und bald per Brille, könnte man durch eine Ausstellung schlendern und von der Brille näheres über die Exponate erfahren. Aber halt! Es gab schon mal eine Brille, die 3D-Brille, die trotz der fantastischen Seherlebnisse in den 1950er Jahren Schiffbruch erlebte und sich nicht durchsetzen konnte. Über ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis die 3D-Brille Akzeptanz fand und die Filmindustrie beflügelt hat. Wird Google Glass sofort ein Erfolg? Es ist folgerichtig, die Augen als unseren Hauptorientierungssinn technisch zu erweitern. Es kommt dann darauf an, wie gut die Umsetzung gelingt. Google Glassjedenfalls führt das, was Google anstrebt, konsequent weiter: Die Suchmaschine und die geolocation-basierten Dienste wie Google Maps und Google Local sollen vollends mobil werden und überall und in jeder Situation nutzbar sein. Ob am Handgelenk per Daten-Uhr, per Brille und sowieso per Smartphone (z.B. via Siri), Smartlet bzw. Phablet oder Tablet. Die kommunikativen technischen Möglichkeiten haben längst die heimischen vier Wände verlassen. Grundlage der neuen Datenwelt ist die kabellose Durchdringung der Gesellschaft durch das Internet. Politische Kurzsichtigkeit und Profitinteressen lassen die technikgeschwängerte Gesellschaft etwas sehr langsam kommen. Ist Google Glass zu schnell? Berechtigte Frage, man kann zu innovativ sein, nämlich dann, wenn man zu früh ist. Natürlich ist das hier Geschriebene nur ein Teil der augenblicklichen Umwälzungen. Die Revolution bei der dreidimmentionalen Visualisierung im Kinofilm, bei Ballerspielen, in der Medizin oder anderen wissenschaftlichen Bereichen führt im Zusammenspiel mit 3D-Druckern, die Gegenstände erzeugen können, zu völlig neuen Möglichkeiten. Bisher hat die digitale Welt des Internet die echte Welt imitiert. Nun wirft das Imitat eine eigene neue Welt aus. Ob in Form von Gegenständen, in Form von Daten und Informationen wie bei Google Glass, in Form des Smartphones als ständig präsenter Kommunikationszentrale in der Hosentasche – die virtuelle Welt hat die echte überholt. Hoffen wir, dass wir zukünftig noch wissen, wo wir gerade sind. Ob Google Glass dabei helfen kann? Oder im Gegenteil? Kommentieren.
WhoMen. Steve Jobs, Jahrgang 1955, war deshalb legendär, weil er als Apple-Chef im Laufe von drei Jahrzehnten gleich mehrere Produktlinien innerhalb der Computer- und Gadget-Industrie entwickelt hat, die Maßstäbe gesetzt haben: Personal Computer, MP3-Player, Smartphone, Tablet. Apple war oft einen Schritt schneller und innovativer und hat damit die Konkurrenz gezwungen, nachzuziehen. Ob Microsoft mit Windows, ob Samsung mit der Galaxy-Smartphone- und -Tabletproduktlinie, immer liefen alle Apple hinterher. Eigentlich resultiert der Ausnahmestatus Job’s aber daraus, dass er sich selbst stilisieren konnte: Mal als unerreicht überzeugender Verkäufer, mal als Multi-Milliardär-Business-Mann, bei dem (letztlich) alles zu Gold wird, was er anfasst, mal schlicht als Universal-Genie und mal als Revoluzzer. Revoluzzer? Die eigentliche Basis seines Ruhm stammt aus der Zeit, als Computer unansehlich und die Benutzeroberflächen für Computerfremde abschreckend waren, weil man überall Kommandozeilen eigeben musste. Microsoft’s DOS ist so groß geworden. Jobs hat sich und Apple damals als jemand dargestellt, der sich gegen den menschenfeindlichen Einheitsbrei in der PC-Branche auflehnt. Er und Microsoft’s Bill Gates wurden so zu publikumswirksamen Kontrahenten, was sich für Apple als Image gut verkaufen ließ. Apple wurde zur stilvollen Alltime-Alternative. Viele seiner Fans haben wohl nicht gesehen, dass Jobs zwar immer über Bill Gates hergezogen hatte, dass er bei Talkshows aber durchaus freudlich und konstruktiv mit dem ehemaligen Geschäftspartner umging. Da konnte man den Eindruck gewinnen, dass all das Gegeneinander zu einem Gutteil eben doch nur Fassade war, wie in einem Stadard-Drehbuch für einen Standard-Hollywoodfilm. Zumal Microsoft zwischenzeitlich Appleaktien erworben und damit Apple vor Schlimmeren bewahrt hatte. Ja, Apple gehört zu einem kleinen Teil seit langem auch Microsoft. Natürlich bleibt einer breiten Öffentlichkeit hinter all dem der wahre Steve Jobs als Mensch verborgen. Er sei ein Perfektionist, ein Ästhet, in seinen Wurzeln ein Hippie, ein anspruchsvoller, ein harter Mensch. Einer, der den Ansprüchen und ihrer Erfüllung alles andere unterordnet. Einer, dem gute Ideen immer wichtig waren. Der Schlüsselbegriff für ihn war geschäftlich wohl “reinvent”, also “neu erfinden”. Sein Privatleben hat er vor der Öffentlichkeit so weit er konnte unter Verschluß gehalten. Die Dokumentation, die man hier oben sehen kann, beleuchtet so auch einmal mehr den Business-Mann Steve Jobs und die Geschichte Apples. Am Ende bekommt man aber auch ein paar Einblicke in das Leben des Menschen Steve Jobs. Aber besser man liest eine der Biografien. Kommentieren.
Jobs-Center. (Achtung, leider hat das Video am Anfang zwei kleine Wiederholungsaussetzer. Lohnt sich aber trotzdem sehr. Innerhalb des weltweiten digitalen Lebens ist das vielleicht der wichtigste historische Moment.) Zu sehen ist hier einer der legendären Vorträge des noch legendäreren damaligen Apple-CEO Steve Jobs, (der am 5. Oktober 2011 gestorben war). Wie immer ging es in der Veranstaltung um viel Eigenlob und quasireligiöse Hingabe an die Segnungen der Technik. Der perfekt organisierte Vortrags-Event stellte nicht nur das iPhone vor sondern transportierte unter permanenter Selbst-Belobigung die komplette Apple-Philosophie und alle ihre Leistungen. Aus der Luft gegriffen ist das alles jedoch nicht – erste grafische Benutzeroberfläche für den Massenmarkt, Erfindung des Desktop-Publishing, erster PC mit Maussteuerung, der iPod mit Trackwheel und weitere Design- und Benutzerinnovationen, man denke nur an das Transparent-Design des damaligen iMac, der das Produktdesign weltweit revolutionierte oder überhaupt an die All-in-One-Produktlinie dieses edlen Desktop-Computers bis zum heutigen Tage. 2007 also hat Jobs in San Francisco das erste iPhone vorstellt. Damit sollte er die digitale Welt noch einmal viel mehr als vorher umkrempeln. Bis dahin waren Smartphones mit recht kleinen Bildschirmen und physikalischen Tastaturen vorhanden, ein Klapphandy von Nokia z.B. vor allem aber der Black Berry. Jobs stellte das erste ausgereifte Smartphone mit Gestensteuerung vor, mit einem großen formatfüllenden Bildschirm, mit virtueller Tastatur und mit ganz neuen kommunikativen Möglichkeiten. In der Präsentation verkauft Jobs das iPhone als Dreifachgerät: Als Telefon, als Widescreen-iPod und als Internet Kommunikationsmaschine. Vor allem wurde damit das App-Konzept eingeführt, das softwaremäßig alles verändern sollte und in gewisser Weise heute das ganze Internet umgekrempelt hat. Das Smartphone ist inzwischen das weltweit weit verbreitsteste Kommunikationsmaschinchen und Vorläufer der Tablets. Es dient als universeller Taschencomputer der den persönlichen Freiheiten genauso dient wie der persönlichen Permanentüberwachung. Das Smartphone hat ganz neue ökonomische Modelle möglich gemacht und viele alte enden lassen. Es ist der Inbegriff der orwellschen Überwachung und übertrifft diese bei weitem und es hat den Menschen bezüglich der Erweiterung seiner Möglichkeiten noch enger mit der Technologie verschmolzen. Mal sehen, wer am Ende übrig bleibt. Kommentieren.
QuenGeist. Teil 2 des langen Doppel-Interviews Pitt/Tarantino. Quentin Tarantino hat in seinen Filmen das konsequent umgesetzt, was andere mainstreammässig nur versucht haben: Nach dem DJ-Prinzip des Ineinandermixens verschiedener Quellen hat er Genres und ihre Klischees miteinander kombiniert. Das ist eine neue Ästhetik, die den Trash einmal mehr adelt und salonfähig macht. Hier geht’s zu Teil 1 des Interviews. Und Teil 2 ist hier zu sehen. Kommentieren.