Archive | Rezensionen

Sprache: Deutschland, eine Wortmacht

Posted on 08 Oktober 2009 by Ralf Wasselowski

Brigitte Kronauer: Im Tiefgang der Sprache ist sie die Kapitänin

Brigitte Kronauer: Im Tiefgang der Sprache ist sie die Kapitänin

Möchte man einen Autor als im Besitz der Fähigkeit beschreiben, mit seinem Handwerkszeug – der Sprache, den Worten – Continue Reading

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Im KoSim killed: Lost in Translation

Posted on 22 September 2009 by Thomas

Wird die virtuelle Welt zur Wirklichkeit?

Wird die virtuelle Welt zur Wirklichkeit?

Kennt Ihr Konfliktsimulations-Spiele? KoSims? Nein? Ihr habt in der realen Welt schon genug Ärger am Hals? Continue Reading

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Roman “Infinite Jest”: Rezension in der FAZ von heute

Posted on 22 August 2009 by Ralf Wasselowski

David Foster Wallace: Der große Autor im Spiegel der Medien.

David Foster Wallace: Der große Autor im Spiegel der Medien.

Über das neue Buch von David Foster Wallace, das offiziell am 24.08. mit großer Spannung in der deutschen Literaturszene erwartet wird, Continue Reading

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“Inherent Vice”: Thomas Pynchon strikes again

Posted on 31 Juli 2009 by Rolf

Er ist der große Unbekannte, der B. Traven der Litaratur: Thomas Pynchon. Außer Michael Naumann weiß niemand wie er aussieht und was er eigentlich tut, außer babysitten.

Der Schweiger spricht schon wieder. Er ist der große Unbekannte, der B. Traven der Litaratur: Thomas Pynchon. Außer Michael Naumann weiß niemand wie er aussieht und was er eigentlich tut, außer babysitten.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Thomas Pynchon, exzentrischer, notorisch öffentlichkeitsscheuer Autor, legt nach “Gegen den Tag” mit “Inherent Vice” bereits den nächsten Roman vor – und das nach nur 3 Jahren.

Die Gerüchteküche brodelt – wie immer wenn es um Thomas Pynchon geht. So soll sein neuer Roman so zugänglich geschrieben sein, nachdem die letzten beiden “Mason & Dixon” und “Gegen den Tag” dermaßen schwergewichtig und langatmig daherkamen, dass sie als praktisch unverdaulich galten. Eine Verfilmung von Inherent Vice werde geprüft. Von Pynchon aber hatte man inzwischen alles andere als Zugänglichkeit und Kompromisse erwartet.

Der Mann ist ein Mysterium, weil ihn niemand kennt. Die Öffentlichkeit weiß nicht, wie er aussieht, wo er wohnt, wer er ist. Man kennt nur seine Bücher. Die aber sind bekannt. Unter den großen Autoren des postmodernen, intellektuellen Romans ist er eigentlich der einzige, der nichts zu befürchten hat. Er ist eine eigene Kategorie für sich. Unvergleichlich, unnahbar. Die Kritiker haben vor allem seinen letzten Roman teils abgestraft. Es geht trotzdem nie darum, ob er mit einem Werk gescheitert ist, es geht nur darum, inwiefern er seinen eigenen Ansprüchen, die aber niemand kennt und über die  eher Vermutungen anstellt werden, gerecht wird.

Dabei wechselt  der Autor von “Die Enden der Parabel” – das vielen Kritikern als Inbegriff des intellektuellen Komplexitäts-Romanes gilt – zwischen herkömmlicher, verständlicher Darstellung (wie in den Romanen “Die Versteigerung von Nr. 49″ und “Vineland”) und schwer verständlichen Szenarien. Dies wird aber bereits in seinen Kurzgeschichten deutlich, die ebenfalls im Spannungsfeld zwischen herkömmlicher Darstellung und postmodernen Experimenten schwanken.

Auch wenn es bereits einen Versuch von Robert Bramkamp gab, sich auf “Die Enden der Parabel” filmisch zu beziehen – sogar mit Genehmigung Pynchons – wäre eine Verfilmung des psychedelisch angehauchten Detektivstoffes aus “Inherent Vice” eine kleine Sensation. Angeblich sind ja die Filmrechte schon verkauft. Thomas Pynchon ist jetzt 72, wird er am Ende altersmilde?

Alle Fotos und Bilder, die hier exklusiv veröffentlicht werden, können als Poster, auf T-Shirts, oder als Ausdrucke (auch in Großformaten) über uns bezogen werden. Wer Interesse hat, schreibt uns einen Kommentar, später veröffentlichen wir dazu eine E-Mail-Bestelladresse.

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2001-Verlag: 40 Jahre aus der Reihe tanzen

Posted on 31 Juli 2009 by Rolf

Verlegerische Großtaten, niedrige Preise, ein gut geschütteltes und gerührtes Verlagsprogramm - vierzig Jahre lang. Wenn das nichts ist...

Verlegerische Großtaten, niedrige Preise, ein gut geschütteltes und gerührtes Verlagsprogramm - vierzig Jahre lang. Wenn das nichts ist...

1969 war 2001 für jemanden, der sich selbstständig macht, die unvorstellbar weit entfernte Zukunft. Den Kubrick-Film im Kopf war die Jahreszahl reinste Science-Fiction – vor allem wenn man als kleiner, quasi noch nicht existenter Verlag und Versandhändler seine Päckchen “in der Kantine von Bärmeier & Nikel” packt.

“Bärmeier & Nikel”, das war der Verlag, der die Satirezeitschrift “Pardon” herausgebracht hatte – und im Grunde so etwas wie der Vorläufer von “Titanic”, auch mit personeller Kontinuität. Lutz Reinecke (der sich später nach seiner Heirat in Lutz Kroth umbenannte) war Assistent des Pardon-Chefs Nikel und gründete zunächst einen Versandhandel, aus dem später ein richtiger Verlag wurde: der 2001-Verlag.

Der sorgte für Furore durch günstigste Preise vor allem für LPs, heute für CDs, DVDs und Hörbücher. Aber auch für “normale” Bücher. Bis heute kauft 2001 von renommierten Verlagen Restposten auf und verhökert die günstig. Ebenso vertreiben Haffmanns und Rogner & Bernhard ihre Bücher nicht mehr über den Buchhandel sondern exklusiv über 2001. Der Verlag hat darüber hinaus ein eigenes Programm. Er druckt Klassiker in oppulenten dicken Paperbacks nach aber hat sich in den Jahrzehnten auch hervorgetan durch verlegerische Großtaten vor allem im Bereich der hohen Literatur.

So hat er William Gaddis mit seinem Roman “Die Fälschung der Welt” zum seltsamen und späten Durchbruch verholfen. William Gaddis war bis dahin eine eher traurige Figur. Als junger Mann hatte er bereits 1955 den komplexen Roman veröffentlicht, der aber von der Kritik verrissen worden war. Offenbar spielte dabei auch eine Rolle, dass er eine persönliche Fehde mit Anatole Broyard, dem später einflußreichen Kritiker der New York Times, ausfocht. In seinem Buch “Die Fälschung der Welt” spielte er offensichtlich auf Broyard als Person an, der Zeit seines Lebens seinen afroamerikanischen familiären Hintergrund verheimlicht hatte. Jedenfalls war die Publikation ders 1.000-Seiten-Werkes ein verlegerischer Paukenschlag, der Gaddis als Autor über Umwege in der Folge sogar international rehabilitierte.

(Vergleichbar waren das damalige Medienecho und die positiven Reaktionen des Feuilletons eigentlich nur mit Ereignissen wie der Publikation von Jonathan Littels “Die Wohlgesinnten”, das im letzten Jahr im Berlin-Verlag erschienen war und gerade eben wieder als “verbilligte Studienausgabe” in den Buchhandel gelangt ist. Immerhin hatte sich hierbei die FAZ stark gemacht mit einer ausführlichen Berichterstattung und einem eigenen Themenblog.)

Jedenfalls war Gaddis’ “Die Fälschung der Welt” nicht nur ein literarischer Erfolg und das literarische Ereignis des Jahres 1998 sondern 2001 machte aus einem Werk der Hochliteratur, wie es kaum ein zweites gibt, natürlich auch einen Verkaufserfolg. Schon “JR”, zwei Jahre vorher publiziert, war erfolgreich gewesen. Wieder ein über 1.000 Seiten umfangreiches Werk. Übrigens ist “JR” vermutlich das Buch, das uns die augenblickliche ökonomische Krise aus einer zutiefst menschlichen Perspektive am besten nahe bringen kann.

Der Verlag hatte mit kleverem Marketing und einem Mix aus Hoch- und Unterhaltungskultur ein geschicktes Händchen dafür, schier Unverkäufliches einer Alt-68er-Hippy-und-Lehrer-Käuferschicht schmackhaft zu machen.

Als weitere mutige verlegerische Tat gilt die Publikation von Moby Dick in der Übersetzung von Friedhelm Rathjen. Der hatte jahrelang im Auftrag des Hanser-Verlages an einer amibitionierten, ungeschliffenen Neuübersetzung des Schlüsselwerks der Weltliteratur gearbeitet. Dem Verlag war das Ergebnis aber offensichtlich zu extrem. Er lehnte ab und beauftragte Matthias Jendis mit einer Überarbeitung der rauen Übersetzung. Der Vorwurf stand im Raum, es gehe dem Verlag nicht mehr um eine möglichst werkgetreue Übersetzung. Norbert Wehr nahm sich des Falles in seinem Schreibheft an und veröffentlichte dort Auszüge der Übersetzung von Rathjen und Gegenüberstellungen der Übersetzungsvarianten. Bis der 2001-Verlag das Werk in der Rathjen-Übersetung, in einer auf 3.400 Exemplare angelegten Auflage 2004 veröffentlichte – versehen mit den 269 Illustrationen der Originalausgabe von Rockwell Kent, zudem in bibliophiler Ausstattung, nummeriert und im Schuber.

Viele weitere Beispiele wären zu nennen. Dem bibliophilen Bücherfreund treiben einige Werkreihen Freudentränen in die Augen: Ob die vierbändige William S. Burroughs-Edition oder die nicht zuende geführte Werkausgabe Nelson Algrens – beide Reihen wurden gestaltet von Franz Greno, viele Jahre bevor er “Die Andere Bibliothek” realisierte. Übrigens können die beiden genannten Reihen zusammen mit den Skizzenbüchern von Robert Crumb als dessen gestalterische unf produktionstechnische Blütezeit gelten. Zu nennen wäre darüber hinaus die Werkkomplettausgabe von Boris Vian, mit Titelillustrationen von Art Spiegelman. Unvergesslich auch “Das Leben – Gebrauchsanweisung” von Georges Perec, geliefert mit beigelegtem Puzzle und Marginalienband in einer Pappschatulle. Oder die vollständige Edition der Werke Max Herrmann Neißes Viele weitere Projekte ließen sich nennen, in denen der Verlag, der ursprünglich mit Undergroundcomix und Tonträgern groß geworden war, literarischen und verlegerischen Wagemut bewiesen hat.

Als letztes Beispiel mag Arno Schmidt taugen. Der 2001-Verlag hielt dem Avantgardisten jahrzehntelang die Stange mit bibliophilen teils unglaublich aufwändig produzierten Bänden wie z.B “Julia”.

Inzwischen ist Lutz Kroth, der für das ambitionierte Verlagsprogramm verantwortlich zeichnete, im Ruhestand. Sein Nachfolger Till Tolkemitt setzt einen anderen Schwerpunkt: Auf Multimedia und DVDs. Da schliesst sich der Kreis: Der Versandhandel hatte von 4 Jahrzehnten damit begonnen, Computer zu verkaufen – was aber nicht von Erfolg gekrönt gewesen war.

In diesem Jahr hat der Verlag als kleine Festschrift ein Taschenbuch zum 40jährigen vorgelegt: “Zweitausendeins. Der Versand. 40 Jahre danach”. Es ist mit 3,90 EUR zwar unverschämt teuer, erfreulicher wären z.B. 99 Cent gewesen und hätten auch zum witzigen Image des Verlages viel besser gepasst. In diesem Büchlein wird von Mathias Bröckers aufs Wesentliche konzentriert herausgearbeitet, was den Verlag ausmacht. Darin enthalten ist auch ein (seltenes) Interview mit Lutz Kroth. Empfehlenswert.

Der Verlag wird sich vermutlich nach dem Ausscheiden Kroths anders ausrichten. Ob die Literatur den Stellenwert vergangener Tage bei 2001 auch zukünftig einnehmen wird, ist zu bezweifeln. Wir werden es sehen. Bis dahin empfehlen wir aber noch aus dem aktuellen Programm “Finnegans Wehg”: Der definitiv unlesbarste Roman, von James Joyce, als Paperback mit 1.256 Seiten für sagenhafte 7,99. Das Werk als Paperback zu publizieren ist auch schon wieder eine dieser guten und witzigen Ideen.

Alle Fotos und Bilder, die hier exklusiv veröffentlicht werden, können als Poster, auf T-Shirts, oder als Ausdrucke (auch in Großformaten) über uns bezogen werden. Wer Interesse hat, schreibt uns einen Kommentar, später veröffentlichen wir dazu eine E-Mail-Bestelladresse.

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