Tag Archive | "Irrwitz"

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Perspektivwechsel 17.5.2016: Megyn Kelly interviewt Donald Trump

Posted on 18 Mai 2016 by Ralf Wasselowski

Spiegel online sieht die Journalistin Megyn Kelly, die sich mit dem Anwärter auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur, Donald Trump, angelegt hatte, indem sie ihm kritische Fragen zu seinem Sexismus gegenüber Frauen vorgeworfen hatte, inzwischen als Verräterin am Journalismus. Das ist das übliche Medienschicksal: Vom größten Lob begleitet, kann der Sturz in der Medienwahrnehmung tief sein. Die Wahrheit ist aber etwas komplizierter. Trump hat sich in den Vorwahlen gegen alle seine Mitbewerber in der republikanischen Partei durchgesetzt. Er selbst, ein Unternehmer und Dollar-Milliardär, der noch nie politisch aufgetreten ist, war dem republikanischen Establishment unlieb, an seinen Erfolgen kann die Partei dennoch nicht vorbei. Der Hintergrund von Trumps Wahlerfolg muss im größeren Maßstab betrachtet werden. Bei den Republikanern ist in den letzten Jahren der Tea-Party-Flügel zur politischen Kraft geworden. Die Tea-Party-Bewegung ist durchschnittlich rechter als der Mainstream-Republikaner, radikaler und fügt in ihrem Wirken eine Mischung aus unpolitisch-dümmlich hinzu, weil dort absurde Forderungen aufgestellt und Weltbilder geteilt werden, die Verschwörungstheorien oft näher sind als diskutierbaren Realitäten. Die Tea Party kann von ihrem Niveau her mit der deutschen Pegida verglichen werden. Nur hat die republikanische Tea Party neben ihren Rechts-außen-Positionen noch eine andere Seite: Sie ist ein Sammelbecken der Unzufriedenen. Auch jener Unzufriedenen, die sich von der amerikanischen Demokratie nicht mehr oder nur unzureichend repräsentiert fühlen. Ein Dilemma alter Demokratieren auch in Europa, bei denen Parteien Entscheidungen gegen die Interessen der Gesamtbevölkerung fällen. Donald Trump hat durch einen emotionalisierenden und zugleich radikalisierenden Wahlkampf all jenen eine Stimme gegeben, die mit dem politischen Establishment der Republikaner nichts mehr anfangen können – und das sind sehr viele, offenbar sogar eine Mehrheit, zumindest im Vorwahlkampf. Obwohl Trump also gegen alles und jeden geschimpft hat, zum Beispiel gegen Muslime, Frauen, Schwarze oder Mexikaner, ist seine Rechnung aufgegangen. Zwar hat er noch nicht alle Stimmen im Vorwahlkampf erreicht, um nominiert zu werden aber jeder spricht davon, dass die republikanische Partei an seinem erdrutschartigen Sieg nicht mehr vorbei kommt. Innerhalb dieses Vorwahlkampfes hatte sich die selbstbewusste Journalistin Megyn Kelly eingeschaltet. Sie arbeitet für das Fernsehnetwork Fox als Nachrichtenmoderatorin bei Fox News und hat Trump zweimal sehr kritische Fragen gestellt. Neben seinem beleidigenden Umgang mit Frauen hat sie ihn auch als Unternehmer in Frage gestellt, als es um seinen umstrittenen Geschäftsbereich Trump University ging. Beides Mal hatte sie ihn kalt erwischt und der Kandidat Trump sah nicht gut aus. Er hat vor allem in seinen Twitter-Tweets gegen sie zurückgeschlagen und damit seine Befürworter gerade im Internet weiter angestachelt. Hier im Video beginnt das Interview, das Kelly gestern mit Trump geführt hat, ab Minute 6:05. Davor wird noch einmal der Kelly/Trump-Konflikt dokumentiert. Bei Minute 5:02 werden stichprobenhaft in einer Grafik Begriffe aufgeführt, mit denen Megyn Kelly innerhalb von 24 Stunden in Twitter-Tweets tituliert wurde, nachdem Donald Trump sie verunglimpft hatte: 423x Bitch (Miststück), 404x Bimbo (Tussi), 128x Blonde (Blondchen), 88x Whore (Hure), 66x cheap (billig), 59x ugly (hässlich), 39x Skank (Hure), 34x C (für Cunt, Fotze), 27x Slut (Schlampe) und 13x Hooker (Nutte). (Das reine Interview ohne diese dokumentarische Einleitung ist in schlechterer Qualität übrigens hier zu sehen.) Trump selbst bezeichnet seine Art mit Gegnern umzugehen (Minute 19:22) als: It’s a modern day form of fighting back (übersetzt etwa: Das ist eine zeitgemäße Art zurückzuschlagen). Auf Kellys beharrliche Frage: You wanna stop that as president? (Übersetzt etwa: Würden Sie damit aufhören, wenn Sie President wären?) antwortet Trump eher ausweichend, gibt aber zu verstehen, dass er moderater wäre. Im Gespräch bezeichnet Trump seine aggressiven, polarisierenden Wahlkampf als Strategie, in dem er keine Schwäche zeigen durfte, um gewinnen zu können. Warum hat Kelly ihrerseits Trump die harten Fragen im Vorwahlkampf gestellt? Fox News gehört Medienunternehmer Rupert Murdoch, der Trump zunächst nicht über den Weg getraut hat. Chef bei Fox News ist Roger Ailes, ein im republikanischen Establishment gut verdrahteter und verankerter Republikaner. Mit dieser doppelten Rückendeckung war es für Megyn Kelly also recht einfach, zu versuchen, Donald Trump mit unangenehmen Fragen zu demontieren. Inzwischen ist auch Trump – nachdem er seine Wahlerfolge eingefahren hat und kein republikanischer Gegenkandidat mehr da ist – moderater, staatstragender und damit mainstreamiger geworden. Kelly saß im Interview einem Mann gegenüber, der wohl Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaft werden wird und der somit potentiell amerikanischer Präsident werden könnte. Unter diesen veränderten Vorzeichen, bei denen sich Trump und die republikanische Partei Stück für Stück angenähert haben, werden auch Ailes und Murdoch einen anderen Blick auf Trump werfen. Das Gespräch zwischen kelly und Trump jedenfalls ist nicht unkritisch aber hat einen generell versönlichen Unterton. So, als würde Megyn Kelly Trump ihren politischen Segen erteilen. Die bohrenden Fragen, die Trump herausgefordert und bloßgestellt hatten, sind passé. Selbstbewusst ist Kelly aber geblieben. Eine klassische Win-Win-Situation im Medienzirkus: Trump redet wieder mit Kelly, was ihr Quotenhochs bringt und Trump fühlt sich wohl in seiner Rolle, dass die harte Journalistin ihn um ein Interview bittet. Ihre Fragen zu beantworten, verleiht dem Kandidaten die nötige Seriosität. Nachdem Trump zugegeben hat, dass seine verbalradikalen Entgleisungen Strategie waren (um Wähler zu ködern), hat er damit einmal mehr den amerikanischen Vorwahlkampf als Entertainment-Eldorado offenbart. Und die Durchschnitts-Wähler als Stimmvieh, das auf medial verbreitete grobe Reize reagiert. So wie die früheren kritischen Fragen Kellys dem Publikum einen verunsicherten Trump zeigten, präsentiert sie ihm jetzt einen vermeintlichen Gewinner. Das eine wie das andere war und ist politisch gewollt. Drahtzieher hinter all dem ist Roger Ailes, der als ehemaliger Präsidentenberater dem republikamischen Establishment verpflichtet ist.

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Megyn Kelly über ihr Treffen mit Donald Trump

Posted on 17 April 2016 by Ralf Wasselowski

Zoten-Quotenmatch. Am 13.04.2016, also kurz nachdem sie sich mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten-Anwärter Donald Trump getroffen hatte, konnte die Journalistin Megyn Kelly mit ihrer Sendung die beste Einschaltquote des Tages im amerikanischen Fernsehen erreichen. Nach ihrer lang anhaltenden medienträchtigen Kontroverse mit Trump hatte sie zum Treffen aber nichts Substantielles zu sagen. Dass es ein klärendes Gespräch gewesen sei und auf ihre Initiative hin stattgefunden habe. Trump habe sie freundlich empfangen. Sie hatte Trump in der ersten republikanischen Debatte der Vorwahlkandidaten im August 2015 hart mit dem Thema Frauenfeindlichkeit erwischt. Trump war wütend, auch ihre klaren Fragen zur Trump-University hatten den Kandidaten ins schwitzen gebracht. Die Trump University hatte, ohne eine reguläre Universität zu sein, ab 2005 Kurse im Bereich Immobilien, Wirtschaft und Finanzen angeboten, wobei die Kursgebühren bis zu 35.000 Dollar betrugen. Das New York State Education Department prangerte die Eigenbezeichnung als Universität an, weshalb sich die Trump University 2010 in The Trump Entrepreneur Initiative umbenennen musste. Schließlich ermittelte die New Yorker Staatsanwaltschaft wegen illegaler Geschäftspraktiken. Es kam ab 2013 zum Prozess, der auch bei den Vorwahlen thematisiert wurde. In eine von Kelly moderierte Sendung wollte Trump danach nicht mehr kommen. Inzwischen war Kelly in den Medien zur Vorzeige-Journalistin geworden, die auch in den Fox-fremden Zuschauergruppen Anteile hinzu gewinnen konnte. Dann stellte sich Fox-News-Chef Roger Alies im Konflikt mit Trump vor Megyn Kelly, wohl auch weil sie deutlich vernehmbar über ihre berufliche Zukunft nachgedacht hatte. Alies traf sich außerdem mit Trump, weil er noch im Mai 2016 ein Interview mit ihm will, das Kelly führen soll. Ein solches Interview zwischen den beiden Medienstars wäre der Quotenhit schlechthin. Es ist anzunehmen, dass Alies hinter den Kulissen weiter zwischen beiden vermittelt hat, weshalb Kelly schließlich zu Trump gefahren ist, um die Wogen zu glätten. Man kann dieses Gespräch politisch deuten oder als einen Marketing- und Wirtschaft-Coup. Denn Fox ist auf Megyn Kelly als Quotenbringer angewiesen und einen Medienevent des genannten Zuschnitts könnte der Sender ebenfalls gut vertragen. So vermischt sich im Amerika des Jahres 2016 alles miteinander: Trump als irrwitzig anmutender republikanischer Kandidat, der den Politiker gibt und der die eigene Partei, die ihn nicht haben will, in Verlegenheit bringt; sein Populismus, der mit ernst gemeinter Politik nichts zu tun hat, ihn aber von Wahlerfolg zu Wahlerfolg katapultiert; der Konflikt mit Kelly, die sie in ungeahnte Einschaltquoten-Höhen brachte, sie wohl sehr reich machen wird – man spricht darüber, dass über ein Jahresgehalt von 20 Millionen US-Dollar verhandelt wird – und sie zum Thema der öffentlichen Aufmerksamkeit macht; der Konflikt zwischen dem angehenden Politiker und der für europäische Verhältnisse schwer einzuordnenden, in jedem Fall aber mutigen Journalistin/Moderatorin, die für ihre Wertvorstellungen eintritt, der Konflikt also, der zum unterhaltsamen Thema des Vorwahlkampfes wird und so neben Trumps verbalen Provokationen Spannung in die Politik bringt; und nicht zuletzt die Unzufriedenheit der republikanischen Wählerschaft mit der etablierten Klientelpolitik, die die Interessen der Bevölkerung nicht genügend berücksichtigt. In gewisser Weise geht es bei diesem Wahlkampf nicht um konkrete politische Themen, sondern nur um den Umstand dass der republikanische Bewerber für den Präsidentschaftswahlkampf, Trump, ausspricht, was zwar politisch unrealistisch ist, wie eine generelle Einreisesperre von Moslems oder den Mauerbau zu Mexiko, aber damit zu verstehen gibt, dass er weiß, was viele Amerikaner fühlen. Das hat nichts mit Wahlversprechen zu tun, die tatsächlich realisiert werden, es ist mehr eine massenkollektive Triebabfuhr. Negativ ausgedrückt ist das zutiefst populistisch und Trump kommt einem vor wie der Rattenfänger von Hameln. Positiv ausgedrückt, ist er ein Politiker, bei dem sich viele Wähler atmosphärisch wiederfinden, weil er eine Antipolitik verkörpert. Hier geht es zu einem Hintergrundbericht zu dem Konflikt. Bitte klicken. Kommentieren.

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Leben ohne Marga (3): Jagdfieber

Posted on 13 Oktober 2015 by Charlotte Palme

Gustav Gans

Der schmierige Dorfgigolo, Toussaint Paque, war ebenfalls zum Leichenschmaus erschienen. Dabei hatte Jean-Pierre ihn gar nicht eingeladen. Weiterlesen

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Bob Dylan und die Schubladenkunst

Posted on 14 August 2015 by Der Barbara Streisand-Effekt


Wie schön wäre es, man könnte Kunst bzw. das Werk eines Künstlers von der Wahrnehmung durch die Medien trennen. Bob Dylan wollte in jungen Jahren nur seine Musik machen und konnte den ganzen (Medien-)Zirkus um seine Person nicht wirklich ernst nehmen. Hier sieht man ihn bei einer Pressekonferenz, die Fragen der Journalisten unterlaufen. In anderen Dokumentationen kann man oft sehen, wie er sich über die Überhöhung seiner Person lustig macht und wie er sich über Journalisten lustig macht, die ihn in eine Ecke drängen wollen. Damit Personen als Stars medial verwertbar sind, werden sie von Medien in Schubladen gesteckt. Nicht jede Schublade ist für einen Künstler bequem.

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Gesichtsentsprengung

Posted on 12 August 2015 by Der Barbara Streisand-Effekt

Gesichtslinien

Faltenverkettung mit Gesichtseinengung

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Sechs Jahre Endoplast: Das Endoplasmatische Reticulum und sein inneres Äußeres

Posted on 31 Juli 2015 by Der Barbara Streisand-Effekt

Harte Schale, weicher Kern: Ein endopsychotischesplasmatisches Reticulum ist innerhalb des Zellkörper eine vielseitige Membranstruktur im Spannungsfeld zwischen Rauheit und Weichhheit. Anders ausgedrückt, besteht es aus Hohlräumen, in denen permanent hauchdünne transparente Wände erschaffen werden. (Es könnten zum Beispiel Projektionswände für eine Filmvorführung sein). In der Zelle hat das endoplasmatische Reticulum einen wesentlichen Anteil an der Signaltransduktion, das heißt, es trägt zur innerzellulären Kommunikation mit dem Ziel der Umwandlung äußerer Reize und Signale in Handlungen im Zellinneren bei. Die Signalübersetzung spielt auch in unserer codierten Welt eine große Rolle. Wie groß mag in unserer Welt in Schräglage der Abstand zwischen echter Bedeutsamkeit, Bedeutungsträchtigkeit und Bedeutungslosigkeit sein? In unseren Zeiten werden im Spannungsfeld zwischen Politik und dem großen Geld Begriffe, ihre Bedeutungen sowie ihre Inhalte gebeugt und in ihr Gegenteil verkehrt. Da wird ein Krieg zur Friedensmission hochstilisiert, Konsumwahn wird zum „Sich-reich-kaufen“ oder Massenbevormundung zur Terrorismusbekämpfung. So ermittelt der Generalbundesanwalt gerade gegen die, die zur Aufklärung beitragen, und er ermittelt nicht gegen die, die das Gesetz gebrochen haben. Aus Unrecht wird Recht, aus Böse Gut, aus Krieg Frieden. Mit dem Aufkommen der großen Medienwirklichkeiten, die sich verselbständigt haben, versucht Endoplast etwas von dem Irrwitz deutlich zu machen, Medienrealitäten zu hinterfragen, virtuelle Welten zu offenbaren und dabei nebenbei auch etwas schrägen Spaß zu haben.

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Copy & Taste

Posted on 26 Juli 2015 by Der Barbara Streisand-Effekt

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Malerei der Erbauung: Evan Wilson

Posted on 21 Juli 2015 by Rolf

Der Maler Evan Wilson ist so retro, dass man es kaum glauben mag. Sein Ziel scheint zu sein, den Augenblick dekorativer Schönheit festzuhalten, wie in der Salonmalerei des 19. Jahrhunderts oder davor im Akademizismus. Dabei hat Evan Wilson, der 1953 in Tuscaloosa, im US-Bundesstaat Alabama, geboren wurde, erst im Laufe der Jahre zu seiner technischen Perfektion gefunden. Sein Ansatz ist hemmungslos konservativ, die Schönheit seiner Bilder erscheint erschreckend in der postmodernen Welt. ;-) Nicht nur seine Motive verstören auch das Video, dass dem Freund moderner Kunst stellenweise wie eine Persiflage vorkommen mag. Ein hoch jedenfalls auf den Ernst der Unbekümmertheit. Wilson lebt in Hoosick, New York, in einem Haus aus dem 19. Jahrhundert, dass ihm in Interieur und Exterieur Motive für seine Malerei bietet.

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Warum es uns nicht gibt

Posted on 20 Juli 2015 by Ralf Wasselowski

Dimensionskomprimierung

Das Problem eines selbstreflektorischen Systems wie der Mensch eines ist, ist, dass es sich in Frage stellen kann, was in eine Frage wie „Warum bin ich so?“ Weiterlesen

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Der Begriff “Zeit” und die Wirklichkeit

Posted on 18 Juli 2015 by Ralf Wasselowski

Zeitfuge

Ich habe eine Armbanduhr, die die Zeit in digitalen Ziffern anzeigt. Eigentlich habe ich eine analoge Uhr mit Ziffernblatt lieber. Weiterlesen

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