ClosedDoor. Ray Manzarek, einer der Mitbegründer der legendären Rockmusik-Gruppe The Doors (1965 gegründet, 1973 aufgelöst), ist gestern im deutschen Rosenheim im Alter von 74 Jahren an Gallenkrebs gestorben. Die Doors wurden in der Außenwahrnehmung immer von Sänger Jim Morrison und dessen Performances dominiert. Die anderen drei waren musikalisch aber nicht minder für den Erfolg der Band in den 1960er Jahren verantwortlich, die bis heute über 100 Millionen Alben verkauft hat. Vor allem Organist und Keyboarder Ray Manzarek prägte den Sound der Band. Nachdem Jim Morrison 1971 gestorben war, versuchten Manzarek und seine Kollegen Robby Krieger (Gitarre) und John Densmore (Schlagzeug) als Doors ohne Morrison weiterzumachen, wobei Manzarek und Krieger die Lead-Vocals übernahmen, eine wenig glückliche Entscheidung. Noch im Todesjahr Morrisons veröffentlichten die drei das Album Other Voices, ein Jahr später Full Circle. Beide Alben galten als zum Teil musikalisch brilliant, nur konnten sie kommerziell nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen. Der Song „Mosquito“ hier im Video stammt aus dieser Zeit. 1978 erschien das Album An American Prayer, das Lyrik aus dem gleichnamigen Gedichtband von Jim Morrison einfühlsam vertonte. Hier zeigten sich die Doors mit zurückhaltender Instrumentierung noch einmal von ihrer musikalisch beeindruckenden Seite. Die drei ehemaligen Doors hielten ansonsten jahrzehntelang den Mythos vom genialischen Morrison aufrecht, der aber tatsächlich relativ traurig als ausgebrannter Junkie gestorben war. Bis zum heutigen Tag erscheinen Live-Alben unterschiedlicher Qualität, mit denen die Doors-Industrie aufrecht gehalten wird. Auch zahlreiche Bücher und ein Hollywoodfilm ergehen sich in unreflektierter Heldenverehrung. Morrison wird neben dem Faktum, dass er ein großartiger Sänger und Performer war, als Lyriker und Schriftsteller stilisiert, was so recht niemand glauben mag, der sich mit Literatur beschäftigt. Manzarek hat über die Jahre weiter Musik gemacht, er, Krieger und Desmore lebten dabei in ihren Tätigkeiten im übermächtigen alles erdrückenden Schatten der alten Doors. Kommentieren.
Papierrazzia. In diesem Beitrag sieht man, wie der Papierkünstler Li Hongbo seine Skulpturen, von denen hier schon die Rede war, herstellt. Es sind große Blöcke aus gefaltetem Papier, die er wie ein Bildhauer bearbeitet. Er fräst das Papier maschinell in Form. Kommentieren.
PapeerGroup. China und Japan haben lange Traditionen in Sachen Papier-Falttechnik, mittels derer beispielsweise Papier-Lampions hergestellt werden. Dieselbe gewebeartige und Papierblätter verbindende Klebe- und Falttechnik kommt in der Kunst des Chinesen Li-Hongbo zum Einsatz. Seine Papierskulpturen sind aus tausenden Blatt Papier zusammengesetzt und lassen sich in sich leicht verschieben, auseinanderziehen, auffächern und strecken. Die flexiblen Skulpturen sind auf der Grundlage seiner Liebe zum Papier entstanden, die er als Designer und Buchgestalter entwickelt hat. Kein Künstler je scheint sich so sehr dem Papier verbunden gefühlt zu haben wie er. Kommentieren.
Trashtronaut. Haben die Jungs in ihren Raumschiffen nichts mehr zu tun? Scheint so. Hier ist der kanadische Astronaut Chris Hadfield auf der Raumstation ISS zu sehen. Er steht socialmedia-mässig stets mit seinem Heimatplaneten in Kontakt. Nun hat er ein Video gedreht und zur Erde gesandt. Er singt darin David Bowie’s Klassiker „Space Oddity“ nach. Irgendwie abgedreht und surreal. Kommentieren.
FrauenrechtAusleger. Deceptacon von Le Tigre, das ist ElectroPunk-AufschreiFemminismusMusik. Und ein artfiziell-krachendes Video dazu kann auch nicht schaden. Sie zelebrierten ihre politischen Ansprüche multimedial und sahen ihr Wirken als künstlerische Lebensäußerung. Jedes Bandmitglied soll übrigens jedes der Instrumente spielen können. Ein Ausdruck von Gleichberechtigung. Seit 2007 verharrt das Trio in Nicht-Präsenz. Kommentieren.
ReisSack. Die Einschläge kommen näher. Hier der erste Trailer des am 1. August 2013 in unsere Kinos kommenden Metzelfilms. Nach dem Megaerfolg des Kinofilms „300“ sucht uns nun das Sequel heim: „300 – Rise of the Empire“. Es ist eine Verfilmung nach Frank Miller’s Comic „Xerxes“, das lange angekündigt war, von dem ich aber immer noch nichts gesehen habe. Miller war vor ein paar Jahren hoch gehandelt in Hollywood. Neben „300“ hatte sein „Sin-City“-Film für Aufsehen gesorgt. Beide Filme hatten eine völlig neue Bildsprache geschaffen, die zwischen Trick- und Realfilm angesiedelt war und alle Möglichkeiten zeitgemäßer CGI-Technik nutzte. Beides waren Umsetzungen von Comics von Frank Miller, der früher als der berühmteste und erfolgreichste amerikanische Comicschaffende galt. Als Frank Miller noch brav seine Comics gezeichnet und geschrieben hat, war ich ein großer Fan seines Wirkens. Seine ersten längeren Serien waren „DareDevil/Der Dämon“, „Spiderman“ und einige wenige andere Superheldenfiguren. Superhelden sind alle etwas dümmmlich, sie hauen drauf, anstatt richtige Lösungen zu finden. Aber daran gewöhnt man sich. Damals fiel es gar nicht auf, wie rückwärtsgewand und chauvinistisch viele Comicschöpfer sind. Irgendwann, als ich die Comic-Geschichte „300“ in einer oppulenten Buchversion in Händen hielt, die zigfach ausgezeichnet worden und ein großer Verkaufserfolg gewesen war (wie alles von Frank Miller) und ich dazu las, dass Miller gesagt habe, sein Leben lang wollte er diese Geschichte erzählen, fiel mir alles aus dem Gesicht. Denn „300“ als Geschichte ist einfach nur eine simple Vergeltungsgeschichte, wie sie einfältiger kaum sein kann. Sie zelebriert den amerikanischen Mythos von einer kleinen Gruppe, die sich bis in den Tod gegen eine erdrückende Übermacht wehrt. Das Comic war hervorragend gezeichnet und erzählt, der Film dazu war technisch eine Glanzleistung. Über das spannende Erzählen und die blendenden Bilder vergisst man aber manchmal die Inhalte. Frank Miller offenbarte sich, je unabhängiger und erfolgreicher er beim Film geworden war, als ein reaktionärer Geschichtenerzähler. Der Erfolg seines „300“- und seines „Sin-City“-Filmes war ihm offenbar zu Kopf gestiegen. Ab da schimpfte er gegen die Occupy-Bewegung, brachte den Comic-Band „Holy Terror“ heraus, mit dem er den Hass gegen Moslems schürte. Seit Miller seinen selbst inszenierten Spirit-Film herausgebracht hatte, der an den Kinokassen kolossal floppte, war er in Hollywood auch nicht mehr so wohl gelitten. Als Regisseur jedenfalls durfte er mehrere geplante Projekte nicht mehr umsetzen. Seine Geschichten werden aber gerne genommen, weil sie die Bedürfnisse der Masse befriedigen. So führt Noam Murro hier Regie und das Drehbuch kommt von Zack Snyder (der auch „300“ inszeniert hatte) sowie Kurt Johnstad nach dem Comic „Xerxes“ von Frank Miller, der zugleich Co-Produzent ist. Zack Snyder übrigens war an den Kinokassen mit der technisch aufwändigen Comic-Adaption von Alan Moore’s „Watchmen“ und mit der Game-Ästhetik von „Sucker Punch“ nicht erfolgreich. Im Falle von „Watchmen“ schade, denn dessen Inhalt sollte Amerika zu denken geben. Aber das ist ja das Problem. Kommentieren.
ToriStory. Tori Amos zählt zu den Musikerinnen in der Pop-Branche, die lange ihren Weg gesucht, ihn schließlich gefunden und dabei äußerst kreative, konzeptionell interessante Musik zu Tage gefördert haben. Am Anfang wollte ihre Plattenfirma sie als Rochmusikerin positionieren und stülpte ihr etwas über, was sie nicht war, dann klang sie lange Zeit wie die kleine Schwester von Kate Bush, bis sie ihren eigenen Weg gefunden hat. Am Video sieht man, wie ambitioniert nicht nur ihre Musik ist. Einen schöneres Ausdruck für die Liebe und das Zusammenwachsen zwischen zwei Menschen kann man schwerlich finden. Kommentieren.
AlmondUltra. Marc Almond hat als Teil des Duos „Soft Cell“ und mit dem Song „Tainted Love“ 1981 einen klassischen Popsong geschaffen, der auch heute noch Gültigkeit hat. Marc Almond und David Ball waren damit das erste angesagte Elektro-Duo. Typisch für Almond ist, dass er als Musiker in sehr unterschiedlichen Musikgenres tätig war: Zwischen Industrial und schwülstiger Pop-Musik hat er hin und wieder nicht nur unglaublich schöne Lieder geschrieben sondern auch Impulse gesetzt hat. In „Tears Run Rings“, das so ein Lied ist, singt er: „The angels sighed/A little girl cried/The tears run rings around my eyes“ [...] „Don’t look at me/With your innocent smile/When the bed is burning/Around my head/When a war breaks out/It’ll be no surprise/Your unforgettable smile/Your unforgettable lies“ [...] „And I’ve got to stop running/To make my start/We’ve got to get together/Before we fall apart“. Kommentieren.
Soulo. Blickt man zurück in vergangene Zeiten, kann man manchmal gar nicht fassen, wie unfreiwillig komisch manches ist, was man da sieht. Insbesondere die Schnittstelle zwischen 1960er- und 1970er-Jahren bot einiges hoch Interessantes. Zum Beispiel den Lime-Dance, bei dem Pärchen einen tänzerischen Weg beschritten, der auch schon mal wie ein Vorläufer des Breakdance wirkte. Kommentieren.
CayManInsel. Winsor McCay, der Comic- und Trickfilmzeichner, der um die Jahrhundertwende mit seinem Zeitungscomic „Little Nemo in Slumberland“ Maßstäbe gesetzt hat, war ein Extrem-Vielzeichner. Hier im Film ist er zu sehen, wie er eine Wette anschließt, innerhalb eines Monats 4.000 Zeichnungen für einen Zeichentrickfilm fertigzustellen. Immer wieder schön, wie McCay mit den Medien, in denen er tätig ist, spielt. Aus dem schwarz-weißen Realfilm von 1911, in dem er im übrigen beim Zeichnen zu beobachten ist, wird gegen Ende ein farbiger handcolorierter Zeichentrickfilm. Die Personen strecken und dehnen sich und einmal wird ein Körper wie ein Puzzle aus vielen Teilen zusammengesetzt. Zeichnerisch ist das sehr schwierig umzusetzen, bei McCay wirkt das wie ein Klacks. Und wenn er sich selbst zeigt, wie er Fässer mit Tinte und riesige Stapel Zeichenpapier in Empfang nimmt, dann wird klar, das McCay ein begnadeter und witziger Selbstdarsteller und Showman war. Getreu dem Motto „The show must go on“. Kommentieren.