Posted on 22 Juli 2011 by Der Barbara Streisand-Effekt
Geburtstags-Trauer. In 2 Tagen jährt sich die Katastrophe in Duisburg, bei der 21 Menschen ums Leben kamen, 500 verletzt und Tausende traumatisiert wurden. Neben dem Skandal, dass es soweit kommen konnte, schwelt seitdem ein politischer Skandal: Ober-Bürgermeister Adolf Sauerland klammerte sich an seinen Posten, niemand wollte verantwortlich sein. Dabei wurde schnell klar, dass die Großmanns-Sucht innerhalb einer Stadt im Kultur-Hauptstadtjahr mit dazu beigetragen hatte, dass bewilligt wurde, was nicht hätte bewilligt werden dürfen. Nun hat die Staatsanwaltschaft diverse Menschen, auch aus der Stadtverwaltung, im Visier – nicht aber den Ober-Bürgermeister, gegen den nun ein Volksbegehren läuft. Das Mahnmal, das im Film zu sehen ist und das der Opfer der Loveparade gedenkt, wurde ebenfalls nicht von der Stadt initiiert sondern von einer Bürgerinitiative. Kommentieren.
Künstler-Pech. Die Zielgruppe von Meese und seiner Galerien ist gar nicht „die Masse“ sondern es sind betuchte Kunden, die sich Kunst leisten können und in Ausstellungen und Performances auch erwarten, überrascht, unterhalten und verblüfft zu werden. Da kommt Performer Jonathan Meese gerade recht. Wo Künstler wie der Chinese Ai Weiwei tatsächlich gegen Mißstände protestieren und dafür drangsaliert und ins Gefängnis geworfen werden, betreibt Meese Schattenboxen – in der satten Mediengesellschaft und von der Wirkung her nicht viel mehr als ein bunter Harlekin. Kommentieren.
Beuys-Faktor. Jonathan Meeses Werk profitiert von seiner medial verbrämten Selbst-Stilisierung. So wie Josef Beuys theatralisch-pathetisch und medial wirksam in einem recht eitlen Akt der Selbststilisierung in einem Ruderboot über den Rhein übersetzen ließ, um aus seiner Entlassung aus der Düsseldorfer Kunstakademie ein Kunststück zu machen, so tritt Meese mit Vorliebe in Performances an die Öffentlichkeit, um zu beeindrucken und die langweilige Wiederholung in seinem Werk mit einer Dachmarkenstrategie zu überdecken. Nach dem Motto: „Ist der Künstler originell, muß es sein Werk auch sein.“ Ist es aber nicht durchgängig. Kommentieren.
Massen-Produktion. Das Feuilleton verbreitet sich darüber, dass Meese wie ein Kind sei. Tatsächlich agiert er wie ein solches, ergeht sich in einer infantilen Selbstdarstellung und sondert in seinen Performances nicht enden wollende Plattitüden ab. Seine vermeintlich naive Weltsicht als „Enfant terrible“, als schreckliches Kind, ist nicht das Problem, es sind eher die ökonomischen Begleiterscheinungen: Seine Bilder, die er oft in Sekunden oder Minuten runterschruppt, die allesamt Geburten des Augenblicks sind, werden zwischen 5.000-60.000 Euro verkauft. Meese hat Verträge mit Galerien, für die er massenweise produziert. Er muß ständig Nachschub liefern, weil die Nachfrage groß ist – und er kommt dem nach. Kommentieren.
Kunst-Messias. Jonathan Meese proklamiert eine Auferweckung der Kunst aus einem selbstgewählten Dornröschen-Schlaf, dabei produziert er fließbandmäßig Austauschbares, hat sich ein paar simple Reizthemen gegriffen, wie „Militarismus“ oder „Hitler“, die er permanent – sich selbst wiederholend – bearbeitet. Er agiert marketingmäßig, indem er sich selbst stilisiert und dabei von Beuys oder Gilbert & George gelernt hat, anstatt neue künstlerische Inhalte zu schaffen. Dabei changiert er zwischen Hofnarr, Entertainer, Medienguru und – man glaubt es kaum noch – Künstler. Dass Meese sehr schnell von den Medien, die seine Botschaften weitertragen, vereinnahmt und zum simplen Unterhaltungsfaktor wurde, der weniger ernst genommen wird, als er es sich wünscht, nimmt er in Kauf – ähnlich wie Josef Beuys, der neben allem anderen ein Künstler für die Medien war. Kommentieren.
Posted on 09 Juni 2011 by Der Barbara Streisand-Effekt
Urschrei. Die Musikerin Hanin Elias war Mitglied der Berliner Arnarcho-Mode-Krach-Punk-Band „Atari Teenage Riot“, die zwischen 1992 und 2000 Deutschland unsicher gemacht hatte. Die Band hat im letzten Jahr wieder zueinander gefunden und die Sängerin jetzt ein Soloalbum herausgebracht. „Get it Back“ heißt es. Kommentieren.