Simulationen. Das Leben – ein Spiel? Moebius führt in seiner zwölften Folge der Abenteuer von Arzak vor, wie es sein kann, dass ein lächerlich schrill-buntes Wesen, das man sich so nur in einem Game vorstellen könnte, in der Realität lebt und dort ein PC-Spiel spielt, während sich umgekehrt die realistisch-seriöse Figur als ein Charakter in einem schnöden Spiel herausstellt. Dass alles weiterhin ganz anders kommen kann, ist hier auch noch sehen, es ist natürlich möglich, die Seiten zu wechseln: Der virtuelle Charakter wechselt in die Realität und der Spieler wird überrascht davon. Welch schöne Wendung. Alle „Arzak“-Folgen auf Endoplast im Überblick (bitte klicken): /1/2/3/4/5/6/7/8/9/10/11/13/14/Kommentieren.
Weltenbummeln. Der Surrealismus ist eine Kunstrichtung, die die Ratio beiseite läßt und das Unterbewußtsein hervorkehrt. Alles erscheint widersinnig und doch ergibt sich im Zusammenhang eines Textes oder Bildes etwas Neues, das einen – schrägen – Sinn macht. Gelerntes wird in einem neuen Zusammenhang wiedergegeben. Bei Moebius, der mit eben diesen Mitteln arbeitet, ist alles fremd und ergibt doch einen Sinn, wenn man sich auf seine Sinnlosigkeit einläßt. Es war sein Ziel, in seinen Augen überkommene Erzähltechniken und -Inhalte gegen eine intuitiv-surreale auszutauschen. Wenn es gut läuft für Moebius, den großen Comic-Künstler, erreicht er sein Ziel. Der Trickfilm-Arzak ist jedoch weniger ernsthaft als der Comic, dessen Humor eher staubtrocken ist und sich an der Grenze zu großem Ernst, der Nachdenklichkeit hinterläßt, bewegt, während der Humor der Trickfilme comichafter ist. Alle „Arzak“-Folgen auf Endoplast im Überblick (bitte klicken): /1/2/3/4/5/6/7/8/9/10/12/13/14/Kommentieren.
Assoziations-Fieber. Wer alles richtig machen will, plant und organisiert, um an’s Ziel zu kommen. Das setzt voraus, dass es ein Ziel gibt. Wer das Leben kennt, weiß aber, dass Ziele Fiktionen sind, denen man sich nicht hingeben sollte. Der Wunsch, Ziele zu erreichen, ist völlig hoffnungslos. Wer wirklich alles richtig machen will, plant und organisiert nicht, sondern improvisiert. Ein illustrativ tätiger Künstler sollte in jedem Fall assoziierend improvisieren. Im Falle eines Comic-Zeichners wie Moebius, von dem die Trickfilmreihe „Arzak“ stammt, die nach seinem gleichnamigen Comic-Held entstanden ist, ist verbrieft, dass er sich von Bild zu Bild imaginierte, anfänglich nur mit einem schwarzen Filzstift ausgerüstet. So ist sein Buch „40 jours dans le desert B“ entstanden, das als die seltsamste realistische Bildgeschichte aller Zeiten gelten kann, sozusagen ein psychedelischer Wilhem Busch. Die Trickfilme, die auf dieser assoziativen Grundlage einer völlig freien und losgelösten Autorenschaft beruhen, profitieren von dieser Vorgehnsweise. Moebius hatte am Anfang seines Werdegangs postuliert, dass im Prinzip jede denkbare Handlung bereits geschrieben wurde. Also hat er sich als Moebius der überkommenen Erzählweise entledigt, während er als „GIR“/Jean Giraud herkömmlich erzählte Comics zeichnet. Alle „Arzak“-Folgen auf Endoplast im Überblick (bitte klicken): /1/2/3/4/5/6/7/8/9/11/12/13/14/Kommentieren.
Silencio. Die Original Arzak-Comic-Geschichten kommen gänzlich ohne Worte aus, was ihren besonderen Charme ausmacht. Die Trickfilm-Umsetzung ist vollgepropft mit Sprache, obwohl die surrealen Storys auch ohne Text auskommen würden. Alle „Arzak“-Folgen auf Endoplast im Überblick (bitte klicken): /1/2/3/4/5/6/7/9/10/11/12/13/14/Kommentieren.
Welten-Bummler. Arzak in einer gefährlichen Kunstausstellung und in einer Medien-Wirklichkeit. Comic-Künstler Moebius schuf im Jahr 2003 Zeichnungen und Drehbuch für den Fernsehsender „France 2“. Realisiert wurden die Filme in Flash, mit dem man leicht Zeichentrick-Filme entwickeln kann. Die Zeichnungen wurden ökonomisch und geschickt animiert, sodass Aufwand und Ergebnis in einem guten verhältnis zueinander stehen. Alle „Arzak“-Folgen auf Endoplast im Überblick (bitte klicken): /1/2/3/4/5/6/8/9/10/11/12/13/14/Kommentieren.
Real-Fantasien. Was ist wichtiger: Zu träumen, Visionen zu haben oder der Realität verpflichtet zu sein? Anders ausgedrückt: Wer ist wichtiger für die Welt, der Buchhalter oder der Künstler? Fragen, die so ähnlich klingen wie jene, ob zuerst das Ei oder die Henne da war. Der Comic-Künstler Moebius gibt eine ganz eigene Antwort, auch in seinen „Arzak“-Filmen. Er zeichnet seit Jahrzehnten unter seinem eigenen Namen „Jean Giraud“ einen ganz klassischen Western-Comic, die Abenteuer um „Leutnant Blueberry“, die einer schmutzigen Western-Realität verpflichtet sind. Parallel dazu hat er unter dem Pseudonym „Moebius“ abgedrehte Comics zwischen Science Fiction und Fantasy gezeichnet, die andere Wirklichkeiten und Philosophien eröffnen. Wie sagte Oskar Wilde so schön: „Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert“. Jean Giraud/Moebius hat beides getan – und damit beide Welten bereichert. In seinen Trickfilmen jedoch frönt er hemmungslos seinen Parallel-Welten, die er stoisch als vorhandene oder zumindest denkbare Wirklichkeiten auszugeben scheint. Auch eine Möglichkeit. Alle „Arzak“-Folgen auf Endoplast im Überblick (bitte klicken): /1/2/3/4/5/7/8/9/10/11/12/13/14/Kommentieren.
Traum-Bewusstsein. Als 1899 Sigmund Freuds erstes Werk „Die Traumdeutung“ erschien, war damit nicht nur die Grundlage für die Psycho-Analyse gelegt sondern es begann eine Umwälzung im (kulturellen) Denken überhaupt. Freud offenbarte Abgründe hinter den Fassaden der Menschen. Analog dazu kamen die Naturwissenschaften zu Erkenntnissen, die die Mikrowelten der Teilchen-Physik und der Quanten-Mechanik zeigten. Wieder taten sich hinter glatten Oberflächen der Verständlichkeit unglaublich komplexe Welten auf. Auch die Bildende Kunst tat das ihrige dazu, eine neue Welt zu formen, die ihre Unschuld verloren hatte. Ab 1975 erschien in Frankreich das Comic-Magazin „Metal Hurlant“, dessen Ableger in Deutschland „Schwermetall“ hieß. Vor allem der Comic-Zeichner und -Autor Moebius revolutionierte in diesem Magazin die herkömmliche Comic-Welt, öffnete Horizonte und hinterließ einen Leser als Sehenden. Eine Form war geboren, die einem infantilen Medium eine neue erwachsene Perspektive gab. In der Zeichentrick-Reihe „Arzak“ kumulieren zahlreiche Ideen des Moebius-Comic-Kosmos. Alle „Arzak“-Folgen auf Endoplast im Überblick (bitte klicken): /1/2/3/4/6/7/8/9/10/11/12/13/14/Kommentieren.
Heimleuchtung. Im Comic-Klassiker „Little Nemo in Slumberland“ erwacht der Protagonist Nemo im letzten Bild jeweils aus einem Traum und fällt öfters aus dem Bett – sozusagen hinein in die Niederungen der Wirklichkeit. Überhaupt scheint vielerorts die Hölle, der Hades oder das Böse stets „unten“, im Untergrund, zu lauern. In den Trickfilmen der Reihe „Arzak Rhapsody“ hat der Held viel Ungemach zu erleiden, wird aber immer von seinem Vogel gerettet oder am Ende jeder Episode hoch hinaus in den Himmel getragen – ein Symbol für die Welten-Offenheit der Gedanken von Moebius, dem Schöpfer der Reihe. Was auch passieren mag, Arzak und sein Vogel fliegen immer weiter, dem Himmel und einer leuchtenden Strahlkraft entgegen. Alle „Arzak“-Folgen auf Endoplast im Überblick (bitte klicken): /1/2/3/5/6/7/8/9/10/11/12/13/14/Kommentieren.
Doppeldeutig. Als der traditionelle Comic-Schöpfer Jean Giraud Ende der 1960er Jahre eine Kurz-Geschichte für ein Magazin zeichnete, legte er damit den Grundstein für eine zweite Existenz. Ein paar Jahre später sollte er zweigleisig fahren: Noch viele Jahre weiter zeichnete er ganz klassisch die Abenteuer des „Leutnant Blueberry“ unter dem Namen GIR (für Giraud) und in einem völlig anderen Stil experimentell erzählte und improvisierte Surreal- und Science Fiction-Geschichten. In Teil 3 seiner diesen Comics nachempfundenen „Arzak“-Trick-Filmen lernt man einmal mehr das Wunder der Fantasie kennen. Alle „Arzak“-Folgen auf Endoplast im Überblick (bitte klicken): /1/2/4/5/6/7/8/9/10/11/12/13/14/kommentieren.