So sieht die KI ausWenn man umgangssprachlich darüber spricht, dass man etwas „weiß“ oder „Informationen“ über etwas hat, dann wird dies begrifflich oft gleichgesetzt. Aber warum ist der Unterschied zwischen „Daten“ und „Informationen“, sowie zwischen „Wissen“ und „Weisheit“ im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz überhaupt wichtig?

Um dies vorwegzunehmen: Die Unterschiede sind nicht unerheblich, und für das Funktionieren einer Künstlichen Intelligenz entscheidend. Fast könnte man aber zunächst meinen, dass dies eine philosophische Frage ohne großen Alltagsbezug ist.

Die Suche nach der „Wahrheit“

Würde es nicht genügen, etwa als Journalist oder Kriminalbeamter, auf dem Weg der Wahrheitssuche die simplen Fakten zu kennen? Und wenn man ein vollständiges Wissen etwa über den Ablauf eines Vorgangs oder eine Funktionsweise hätte, was darüber hinaus wäre wichtig und würde als „Weisheit“ bezeichnet werden?

Daten und Informationen

Was ist wichtiger: die grundlegenden Daten oder das „Drumherum“? Dieses Umfeld wäre etwa die Einordnung und der Kontext. Ein Beispiel: ein Kind kommt zur Welt und es wird der Mutter nur eine Zahl genannt: „3.520“. Mit Blick auf die Hebamme, die das Kind auf eine Waage gelegt hat, weiß die Mutter, dass diese Zahl als „3.520 Gramm“ einzuordnen ist. Rohe, nackte Zahlen sind Daten, die Einordnung dieser Zahl in eine Gewichtsklasse wäre die Information. Beides hängt voneinander ab und bezieht sich aufeinander.

Wissen als Datensammlung

Das Wissen über die Einordnung dieses Körpergewichtes gäbe zum Beispiel Auskunft darüber, ob dieser Wert normal, untergewichtig oder übergewichtig wäre.

  • Das durchschnittliche Körpergewicht liegt bei Babys über 3 Kilogramm und unter 4 Kilogramm.
  • Ein Untergewicht liegt bei unter ca. 2,5 Kilogramm vor.
  • Das Normgewicht pendelt sich zwischen 2,8 Kilogramm und 4 Kilogramm ein.

Diese Einordnungen stellen das Wissen über die Gewichtsklassen bei Babys dar. Ist also ein Kind zur Welt kommen und hat man dieses Wissen, zieht man Schlüsse daraus, etwa was Vorkehrungen für die Geburt betrifft oder ärztliche Nachversorgung etwa bei Frühchen, die zu früh auf die Welt gekommen und deshalb untergewichtig sind.

Die Unterschiede: von Daten zur Weisheit

Daten: Die Zahlen 3 oder 4 als Daten sind also neutrale und rohe Fakten ohne weitere Einordnung. In der Informatik oder Datenverarbeitung ist solch eine Zahl ein simpler Messwert. „Roh“ bedeutet hier „unstrukturiert“, also „nicht eingeordnet“ oder „nicht zugeordnet“. Man kennt die Zahl, weiß aber noch nicht, worauf sie sich bezieht.

Informationen: Den rohen Daten wird eine Eigenschaft zugewiesen, also 3 „Kilogramm“ oder 4 „Kilogramm“. In der Informatik wird der Messwert so um eine Eigenschaft angereichert. Nun weiß das System, worauf sich die Zahl bezieht, im oben genannten Fall ist die Bezugnahme das Gewicht. Informationen sind in der Informatik Roh-Daten, die innerhalb einer Daten- und Organisationsstruktur verarbeitet wurden.

Wissen: Erst das Wissen, ob das Gewicht der Norm entspricht oder das Gewicht zu niedrig oder zu hoch ist, erlaubt eine handlungsorientierte Einordnung. Das KI-System koppelt rohe Daten oder Fakten mit einem Kontext, der ihnen eine Bedeutung gibt. Im Beispiel wäre der Kontext die Gesundheit und gegebenenfalls die medizinische Versorgung des Kindes. Das System würde Standardwerte mit dem vorliegenden Gewichtswert abgleichen und ihn einordnen. Damit würde es einen übergreifenden Zusammenhang zwischen einem Messwert und seiner Bedeutsamkeit herstellen, das heißt, Relevanz für eine mögliche Bewertung liefern.

Weisheit: Wenn Wissen angereichert ist und sich verdichtet, das heißt, wenn man anhand vieler unterschiedlicher Daten Muster ermittelt hat, ergibt sich ein übergeordnetes Wissen. Auf dieser Metaebene kann man weitere Zusammenhänge herstellen und eine Wissensgruppe mit anderen vernetzen oder unter verschiedenen Blickwinkeln und Kontexten betrachten. Auch wenn man im Zusammenhang von Künstlicher Intelligenz kaum von „Weisheit“ spricht, sondern eher von einer „Allgemeinen Künstlichen Intelligenz“ (= Artificial General Intelligence/AGI), die zukünftig das Niveau des menschlichen Geistes übertreffen könnte, so ist dies dem Weisheitsbegriff verwandt.

Meinung und Meinungsmache

Ein Problem der KI-Evolution ist, dass auch Meinungen Daten bzw. Datensätze sind. Scannt also eine KI etwa eine Social-Media-App, in der rechtseXtreme Kommentare als unstrukturierte Daten oft vorkommen, müsste dies eingeordnet werden. Wenn dies, wie bei der KI „Grok“, nicht oder nicht ausreichend geschieht, kann die KI rechtsextremes Gedankengut vermitteln. Es kommt also darauf an, wie und von wem die jeweilige KI trainiert wird.

Fakten und Meinungen

Fakten sind belegbar oder nachweisbar. Vor allem aber: eine große soziale Gruppe erkennt sie als wahr an. Fakten haben also den Status von Tatsachen, wobei es Fakten gibt, die man als leicht zugänglich und konsensfähig bezeichnen kann, wie „der Himmel ist blau“ und solche, die von Einzelnen angezweifelt werden, wie „die Erde ist rund“ oder „die Amerikaner waren als erste auf dem Mond“. Beim Beispiel des blauen Himmels ist das Blau des Himmels für jeden sensorisch wahrnehmbar. Bei den beiden anderen Beispielen, gibt es zwar Beweise, sie werden aber von Menschen, die ihre Meinung mit Forschung gleichsetzen, negiert.

Trainingsdaten und Fakten

Eine richtig trainierte KI müsste dies entsprechend einordnen. Man weiß aber, dass zum Beispiel die KI „Grok“ das Faktum relativiert hatte, dass es einen Holocaust an den Juden durch die Nationalsozialisten im Nazi-Deutschland gegeben hat. Meinungen basieren nicht auf umfassender Recherche mit dem Ziel, einer möglichst objektiven Wahrheit nahe zu kommen, sie kommen aus dem eigenen Empfinden und sind deshalb subjektiv und nicht belegt. Vor allem Rechtsextreme nutzen diese Verwirrung, um Gesellschaften zu spalten. Wo also werden sich Künstliche Intelligenzen einordnen? Wie werden sie Fakten von Meinungen trennen können? Werden sie neutral und möglichst faktenorientiert sein oder so trainiert, dass verschiedenste Interessen ihrer Besitzer bedient werden? Von der Relativierung von Fakten (Grok), über die Ausblendung von Fakten (DeepSeek) bis zur Umdrehung von Fakten in die Unwahrheit ist alles denkbar.