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WM2010 (1): Südafrika, Mexiko; Uruguay, Frankreich oder warum das richtige Bier spielentscheidend ist

Franck Ribéry, Frankreichs Fußball-Superstar, wurde beim ersten französischen WM-Match gut geblockt. Es war nicht der Tag der großen Einzelspieler.

Beim Fußball zählen noch die typisch männlichen Eigenschaften: 1. Schnörkellose Entscheidungen treffen, unabhängig davon ob sie richtig oder falsch sind, 2. Kraft mit Schnelligkeit koppeln. Was liegt da näher, als die dritte große – und viel wichtigere – Eigenschaft zu kultivieren: Saufen?

Soziale Konflikte: Was die Fußball-Rahmenberichterstattung verschweigt
Ich tue gerade das, was ich besonders gut kann, ich würde sagen, viel besser als die meisten anderen, die ich kenne: Ich sitze vor dem Fernseher und konzentriere mich nicht nur auf dieses spezielle Bild, das dort zu sehen ist, sondern zusätzlich vor allem auf Neben-Aspekte. So ein Neben-Aspekt ist die Berichterstattung über das Land, in dem die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 stattfindet: Südafrika. Ein Land, in dem soziale Unterschiede himmelsschreiend sind, ein Land, das eine lange rassistische Tradition hat und nun seit langem versuchen muß, Schwarz und Weiß zu einem Zusammenleben zu bewegen. Riesige Townships, Papp- und Wellblechhütten, in denen Millionen arme schwarze Südafrikaner wohnen. Die Fußballweltmeisterschaft könnte in ihrer Randberichterstattung zumindest ein bißchen Sozialreportage durchschimmern lassen, um die Zustände dort zu beleuchten und Aufmerksamkeit dafür zu schaffen.

Franck Ribéry blickt auf eine schwächelnde französische Mannschaft.

Der Unterschied zwischen RTL und ARD
Klappt natürlich nicht. Wer hätte schon Lust, dem Fußballvolk die Laune zu verderben? Ist aber falsch gedacht. Franziska von Almsick jedenfalls wackelt durch die Gegend und zeigt Ausschnitte von Südafrika, hält auch ein paar nachdenklich-kritische Worte bereit. Aber letztlich geht es nicht um Sozialreportage sondern um Unterhaltung. Wie unmenschlich zu verschweigen, was es dort außer bunten Farben und andersartigem Essen zu sehen gibt. Später wird mir Rainer Calmund beweisen, dass es noch simpler geht. Er gibt in einer Reportage über Uruguay auf RTL den Über-Lustigen. Da sieht man schon den Unterschied zwischen ARD-Franzi und RTL-Calli. Oh Gott, oh Gott, kaum auszuhalten, kommen wir zum Fußball.

Das erste Spiel am 11. Juni 2010: Südafrika gegen Mexiko (1:1)
Die südamerikanischen Fußballer sind eine Liga für sich, sozusagen die „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“. Fußball hat in Südamerika eine lange Geschichte, hinzu kommt eine Auffassung von Fußball, die sicher vom Tanzen beeinflußt ist. Fußball-Kunst oder –Kunstfertigkeit. Nicht mehr so ausgeprägt wie früher aber immer noch da. Favorit mußte also Mexiko sein. Doch Südafrika gewann die Sympathien des Zuschauers. Es kommt immer drauf an, was ein vermeintlich Unterlegener aus seinem Schicksal macht. Ob er frühzeitig aufgibt oder sich gegen das stemmt, was unvermeidlich scheint. Südafrika hat’s getan und mit dazu beigetragen, dass die zweite Hälfte des Eröffnungsspiels spannend war. Ich trinke eigentlich gar nicht und bin zudem von der penetranten Bierwerbung abgeschreckt. Alkohol und Fußball – was soll das blöde Klischee. Es muß doch auch möglich sein, grünen Tee zum Fußball zu trinken. Ich halte inne und denke nach. Tee und Fußball? Klingt seltsam. Also gehe ich in den Keller, wo ein paar Flaschen eines Bieres lagern, das ich noch nie getrunken habe. Es kommt aus der „Schwelmer Biermanufaktur“. Ich habe ein Pils, ein Alt und ein „Bernstein“. Nachdem die Südafrikaner nicht aufgeben , greife ich nach dem Pils. Ich trinke eigentlich nie Pils, dieses aber ist herb, was ich mag, es ist eine 0,33 l-Flasche, eine überschaubare Menge. Ja, das passt, es schmeckt sehr gut. Ich trinke dieses Pils aus zwei Gründen: Erstens damit ich Franziska von Almsick nicht mehr ertragen muß, zweitens weil ich jetzt die Hitze und Leidenschaft des Fußball fühle. Die muß gekühlt werden. Sehr oft muß ich während der zweiten Halbzeit aufspringen und schreien. Fußballfieber. Schnell das Pils.

Frankreichs Thierry Henry wurde spät eingewechselt und konnte auch nix gegen ein torloses Unentschieden machen.

Das zweite Spiel am 11. Juni 2010: Uruguay gegen Frankreich (0:0)
Was macht ein Spiel spannend? Oft die Erwartungshaltung. Frankreich war mal sehr gut. Zwei Mannschaften, die Superstars haben, wie werden die sich verhalten? Uruguay – wieder Südamerikaner mit langer Fußballgeschichte im Hintergrund. Ich wähle ein Alt. Auch lecker. Und dann kann man sich die Mannschaften eingehend angucken und sie zusätzlich ins Verhältnis setzen zur deutschen Mannschaft. Auch dieses Spiel wird ein sehr spannendes werden. Uruguays Superstar Forlan hat ein paar gute Aktionen. Frankreichs Ribéry kommt nicht so recht zum Zug, wird gut geblockt. Der spät eingewechselte Henry wird auch nicht zur Lichtgestalt. Nach diesem ersten Tag bin ich zufrieden. Keine Mannschaft hat sich hängen lassen, das ist das Wichtigste. Und jede Mannschaft hat versucht, ihre Stärken auszuspielen, wer zu wenig virtuose Spieler hatte, hat versucht als Mannschaft zusammenzuhalten und zu funktionieren. Das hat zwei Spiele ergeben, die spannend und damit unterhaltsam waren. Natürlich haben die Journalisten und Kommentatoren nur gemeckert. Schwaches Frankreich und zwei Unentschieden. Ich fand gerade gut, dass Ribéry oder Henry nicht die erfolgreichen Überflieger waren.

Erhöhte Temperatur wegen Bernsteinfieber
Ich lehne mich zufrieden zurück und greife zur letzten Flasche aus der Schwelmer Brauerei, ein untergäriges „Bernstein“. Zusammen haben die drei Flaschen ebenfalls eine Art Mannschaft gebildet, die zusammengehalten hat. Ich habe Bernstein-Fieber und blicke interessiert, was der morgige Tag bringen wird.

(Text: 2Step)

Weitere Spielberichte zur Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika
21. Tag: Deutschland gegen Argentinien, Spanien gegen Paraguay
20. Tag: Niederlande gegen Brasilien, Ghana gegen Uruguay
19. Tag: Paraguay gegen Japan, Spanien gegen Portugal
18. Tag: Niederlande gegen Slowakei, Brasilien gegen Chile
17. Tag: Deutschland gegen England, Argentinien gegen Mexiko
16. Tag: Uruguay gegen Südkorea, USA gegen Ghana
15. Tag: Portugal, Brasilien; Nordkorea, Elfenbeinküste; Chile, Spanien; Schweiz, Honduras
13. Tag: England, Slowenien; USA, Algerien; Deutschland, Ghana; Australien, Serbien
12. Tag: Mexiko/Uruguay; Frankreich/Südafrika; Nigeria/Südkorea; Griechenland/Argentinien
11. Tag: Portugal, Nordkorea, Chile, Schweiz, Spanien, Honduras
10. Tag: Slowakei, Paraguay; Italien, Neuseeland; Brasilien, Elfenbeinküste
9. Tag: Niederlande, Japan; Australien, Ghana; Kamerun, Dänemark
8. Tag: Deutschland, Serbien; Slowenien, USA; England, Algerien
7. Tag: Südkorea, Argentinien; Griechenland, Nigeria; Frankreich, Mexiko
6. Tag: Honduras, Chile; Spanien, Schweiz; Südafrika, Uruguay
5. Tag: Neuseeland, Slowakei; Elfenbeinküste, Portugal; Brasilien, Nordkorea
3. Tag: Slovenien, Algerien; Ghana, Serbien; Deutschland, Australien
2. Tag: Südkorea, Griechenland; Argentinien, Nigeria; USA, England

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