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Medien-Realitäten: Warum Daniela Katzenberger sich nicht mehr selbst im Spiegel sehen kann

Daniela Katzenberger: Das fleischgewordene Klischeebild in der medialen Öffentlichkeit.

Die Medien bilden unsere Wirklichkeit ab. Zumindest sollten sie es versuchen. Was geschieht, wenn die Medien selbst Wirklichkeit erzeugen, über die sie berichten können? Was, wenn diese scheinbare Wirklichkeit wichtiger wird als die tatsächliche Wirklichkeit?

Eine 23jährige Frau, die Daniela Katzenberger heißt, ist so ein Medien-Produkt, das angetreten ist, die Gesetzmäßigkeiten des Show-Bizz für sich zu nutzen. So weit nichts Besonderes. Der Erfolg scheint ihr, wie man so schön sagt, Recht zu geben. Im letzten Jahr fing sie im Fernsehen in der Doku-Soap „Auf und davon – Mein Auslandstagebuch“ an. Der Inhalt der Serie war eine Reise in die USA, wo sie Nacktmodell für den Playboy werden wollte – was nicht klappte. Vorher war Daniela Katzenberger Nacktmodel für die Werbung eines Auto-Tuners. In der Doku-Soap bekam sie hingegen Skrupel, sich für den Playboy oder eine Fotografin auszuziehen. Wirklichkeit und Schein. Ab Anfang 2010 war Katzenberger Protagonistin der Doku-Soap „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer.“ Hier wurde berichtet, wie sie ein Restaurant auf Mallorca einrichtete und eröffnete. Die Sendung zur Eröffnung des Restaurants erreichte in der Publikumsgunst eine Traumquote.

Wikipedia: Katzenberger löschen oder nicht löschen?

Sie hat sich vor der Kamera von einem Millionär anmachen lassen. Sich die Brüste vergrößern lassen. Die Führerscheinprüfung gemacht. Und jetzt will sie Popstar werden. Eine Kamera, die all das festhält, ist immer mit dabei. Jüngst bescherte ihr eine Kontroverse um die Löschung ihres Wikipedia-Eintrages wegen mangelnder Relevanz Aufmerksamkeit im Web. Doch es ist nichts geworden. Der Eintrag bleibt.

Vom Sprungbrett „Trash“ hinein in den Mainstream

Von all den Berufsbildern, in denen sie sich versucht, kann sie eigentlich keines richtig ausfüllen. Da aber ihr Erscheinen auf der Fernseh-Bild(ober)fläche gute Quoten gebracht hat und es deshalb aus Sicht des Privatfernsehens Sinn macht, ihr die Kamera Schritt auf Tritt folgen zu lassen, ist ihr Beruf jetzt die Selbstdarstellung. Das hat etwas Prototypisches und ist gar nicht nur Trash, wie das die Rheinische Post nennt. Da Trash im Mainstream aufgegangen ist, ist Katzenberger nicht nur trashig sondern mainstreamig.

Quereinsteiger als Erfrischungstuch im Profi-Show-Business

Im Show-Business ist Professionalität ein Muss. Wer professionell ist, ist aber unter Umständen auch schnell wieder langweilig. Wer nichts kann, wer sich ins Show-Bizz erst hineintasten muss und das Publikum an seiner Suche teilhaben läßt, wirkt erfrischend. Das ist das Modellhafte der Katzenbergerschen Medien-Wirkung. Sie repräsentiert eine breite gesellschaftliche Bewegung, in der Menschen unterschiedlichster Provenienz das Amateur- und Autodidaktentum auf eine neue Art kultivieren. Der Künstlichkeit des Professionalismus setzen sie die Unmittelbarkeit des Nichtskönnertums entgegen. So ist das in modernen Zeiten:  Oberfläche anstatt Tiefgang. Schönheit anstatt Wahrheit. Schein statt Sein. Katzenberger anstatt Rothenberger.

Ganz nah dran: Mitgelitten bei der Brust-OP

Es gibt Naturtalente in Sachen Selbstdarstellung – egal ob professionell oder amateurhaft; denn bei der Selbstverliebtheit vor der Kamera verschwimmen die Grenzen. Der naive Amateur wird plötzlich durch seine Unverstelltheit zum besten Botschafter in Sachen Selbstvermarktung. Daniela Katzenberger ist so ein Fall. Das Besondere an ihr muss gar nicht sein, dass sie alles richtig kann, was sie macht. Wichtig an ihrem Erscheinen in den Medien ist das Gegenteil. Das ist genau so lange ganz witzig, bis sie sich aber tatsächlich die Brüste operieren läßt und das Fernsehen darüber berichtet. Dann hat sie dem medienbedingten Zwang zur Selbstdarstellung, in dem sie und ihr Selbstbild stecken, nachgegeben. Sie mag sich nun im Spiegel betrachten und schöner finden, sich selbst sieht sie jedoch ein Stück weniger als vorher und ihr Image ein Stück mehr. Bald guckt sie erschrocken hinter den Spiegel, um nachzusehen, ob sie selbst noch da ist.

Sehen und gesehen werden, zeigen und zeigen lassen

Sie baut ein Image von sich auf, dem gemäß sie unterschätzt wird und sich darüber freut, weil sie aus dieser Außenperspektive der Unterbewertung am effektivsten und überraschendsten agieren kann. Ein Medien-Subjekt, das dermaßen exhibitionistisch agiert, degradiert den Fernsehkonsumenten zum Voyeur. Das übliche Schlüssel-Schloss-Prinzip: Wer viel zeigt, wird viel gesehen und will immer mehr von sich zeigen. Wer viel sieht, will immer mehr sehen. Der, der viel gezeigt hat, muss immer mehr und mehr zeigen, um interessant zu sein. Im Fernsehen heißt das, ein scheinbares Leben zu zeigen, das aber tatsächlich nach einem Drehbuch funktioniert. Bald gilt das Drehbuch übergangslos auch für das wirkliche Leben. Man muß es nur merken.

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