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Film-Streaming: Kino-Zukunft vor der Glotze?

Kino – das ist die große Leinwand, konzentrierte Dunkelheit beim Anschauen und vor allem ist es der Akt des Verlassen des häuslichen Umfeldes. Man geht hinaus, trifft sich mit jemandem, isst etwas und betritt dann den Kinosaal – als unterhaltendes oder kulturelles Erlebnis. Doch durch die Corona-Pandemie ändert sich das. Ist das das Ende der großen Gefühle auf der großen Leinwand?

Die Zeichen der Zeit deuteten bereits darauf hin. So hatte der Hoffnungsträger „Tenet“, ein Film von Meisterregisseur Christopher Nolan, der vorher einige niveauvolle Kassenschlager gedreht hatte, lediglich 357,8 Millionen US-Dollar eingespielt. Gut gewesen wäre er in Nicht-Corona-Zeiten für mehr als das Doppelte. Denn bei Produktionskosten von 200 Millionen US-Dollar gilt der Film nun als nicht rentabel, auch wenn sich durch andere Verwertungen noch zusätzlicher Gewinn erzielen lässt.

Disneys Mulan als Streaming-Appetizer

Disney hatte bereits für Aufsehen gesorgt, als es seine „Mulan“-Real-Neuverfilmung nicht im Kino zeigte sondern exklusiv auf Disney+. Zuerst war das ab September 2020 möglich, allerdings zunächst sonderkostenpflichtig, also nicht im regulären Abonnement enthalten. 21,99 Euro musste man für das unbegrenzte Streaming des Filmes zahlen. Erst ab heute ist es für Abonnenten von Disney+ in der monatlichen Abogebühr enthalten. Zwischendurch ermöglichte auch Amazon Prime das kostenpflichtige Anschauen. Der Profit, den die Kinos über ihre Eintrittspreise erzielt hätten, geht in diesen Fällen ohne Umwege an die Streamingplattformen. Als Film hätte die neue „Mulan“-Verfilmung bereits im März 2020 in die Kinos kommen sollen.

James Bond zwischen allen Stühlen

Der aktuelle James Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ hängt mehrfach verschoben seit längerem in den Seilen. 2021 soll er im April angeblich nun doch in die Kinos kommen. Allerdings: Was ist, wenn es dann immer noch Ausgangs-Beschränkungen oder -Sperren gibt? Vorausgegangen war dem in diesem Jahr ein Bieterwettbewerb um den Film von Streamingdiensten wie Netflix, Amazon Prime und Apple TV+. Summen von einer halben Milliarde US-Dollar waren zu lesen, bei einem allerdings prognostizierten Kino-Einspielergebnis von 1 Milliarde US-Dollar in Nicht-Corona-Zeiten. Die Produktionsfirma MGM hat bisher der Versuchung widerstanden, den Film exklusiv an einen Streaminganbieter zu geben. Aber wie lange hält sie das durch?

Kaufen Netflix oder Apple MGM?

Auch wenn die Verhältnisse kompliziert sind, weil andere Geldgeber außer MGM befriedigt werden müssten, steht im Raum, dass die pandemiebedingten Einschränkungen und Ausgangssperren dem Kino, wie wir es bisher kennen, den Garaus machen könnten. Das ging soweit, dass etwa Netflix und Apple sogar ein Interesse daran hatten, MGM, das finaziell in unsichere Fahrwasser geraten war, in Gänze zu kaufen. Das lag nicht nur am aktuellen James-Bond-Film oder der Bond-Reihe insgesamt und mehr am Filmarchiv des Unternehmens bestehend aus zahlreichen Filmklassikern wie zum Beispiel „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968) von Stanley Kubrick oder „Doktor Schiwago“ (1965) von David Lean. Würde ein Streamingdienst so ein Archiv erwerben, wäre allerdings weniger das Mainstream-Kino geschädigt, weil die meisten dieser Filme eher im DVD/Bluray-Markt verwertet werden. Wohl aber kleinere Programm-Kinos würden leiden. Dennoch wäre fraglich, ob in einem solchen Fall zukünftig etwa Bond-Filme nur noch gestreamt werden würden.

Warner Bros.: Streamen und Kino zugleich

Aktuell hat eine andere große Hollywood-Produktions-Fima, Warner Brothers, verkündet, dass 17 seiner Filmpremieren im nächsten Jahr zeitgleich im Kino und gestreamt stattfinden werden. Denn Warner betreibt in den USA seine eigene Streaminplatform „HBO Max“, die für Europa oder Deutschland noch nicht zur Verfügung steht. Folgende Filme werden nächstes Jahr auf diesem parallelem Vertriebsweg veröffentlicht:

Universal reduziert Exklusivitäts-Frist

Ein anderes Studio, Universal Pictures, hatte die Schutzfrist für Kinos, in denen die Universal-Filme dort exklusiv gezeigt werden dürfen, von einem Monat auf die Hälfte halbiert. Es wird eng für das Kino. Einerseits ist verständlich, dass die Studios Einnahmen brauchen und die Kinos diese wegen Corona nicht einbringen. Andererseits ist Streaming nicht dasselbe wie Kino, und dem Kino wird zunehmend das Wasser abgegraben. Streaming ist nicht mehr als Fernsehen mit neuen Mitteln. Wird das Kino eine Antwort darauf finden?

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