endoplast.de

Ausstellung: Tim Burton im Museum of Modern Art New York

Tim Burton im Museum und im Film: Wer ist irrer? Er selbst oder seine Figuren?

Ein Mann, viele Aktivitäten: Der 3D-Film „Alice im Wunderland“ des amerikanischen Regisseurs Tim Burton kam in die deutschen Kinos und ab dem 12. Mai wird er beim 63. Filmfestival in Cannes den Juryvorsitz übernehmen. Außerdem arbeitet er schon an der Neuverfilmung von „Dornröschen“ als kombiniertem Real- und Trickfilm. Als wäre das nicht genug, läuft bis zum 26. April im New Yorker „Museum of Modern Art“ eine Ausstellung von Burtons Werk. Zeichnung, Skulptur, Design und Fotografie kummulieren im filmischen Schaffen. Als Unikat im amerikanischen Film hat er wie kaum ein anderer Kinoerfolge gehabt, die in ihrer anarchistischen Abgedrehtheit ihresgleichen suchen.

Ob auf Papier oder im Film: Düster-witzig sind die visuellen Welten des Tim Burton. Zu sehen sind einige Figuren aus „Corpse Bride“. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, © Foto: Warner Bros. Pictures.)

Ich betrachte Tim Burton auf einigen Fotos. Im vorgerückten Alter trägt er nun eine Sonnenbrille, versteckt sich zusätzlich hinter einem Zauselbart. Ich imaginiere, wie er als Kind hätte sein können. Er könnte meiner Vorstellung gemäß in einer Schulklasse gesessen haben, die Lehrerin hält gerade einen Vortrag über das kleine 1×1, er hört nicht zu sondern blickt auf die Buntstifte in seinem Etui. Seine Stifte sind in seiner Phantasie langgestreckte Giacometti-Wesen, die sich zu einem Indianerstamm formieren. Sie tanzen um einen Kessel herum, den der runde Anspitzer bildet. Die Stifte malen in die Suppe das Gesicht der Klassenlehrerin, die jetzt gerade gekocht wird – eine nahrhafte weil lehrreiche Suppe, in der zusätzlich riesige Buchstabennudeln schwimmen. Als der Stiftestamm sich anschickt, zur Suppe zu gehen, um die zu probieren, wiederholt die Lehrerin zum dritten Mal Tim’s Namen. Er taucht aus seiner Fantasiewelt auf und bemerkt, dass er vom Unterricht nichts mitbekommen hat, aber vor seinem geistigen Auge geht die Geschichte mit den seltsamen Stiftmännern, die Suppe essen wollen, immer weiter. Jetzt ist Tim Burton 51 Jahre alt, aber wird er jemals erwachsen? Bestimmt nicht, er hat sich offenbar auf die Fahnen geschrieben, in Hollywood eine verschrobene Parallelwelt zu erzeugen, die das Potenzial der kindlichen Fantasie zu nutzen weiß.

Wahl der Waffen: Warum der Film als Medium des Ausdrucks?
Warum entscheidet sich ein Mensch dafür, sich über eine ganz bestimmte Kunstform auszudrücken? Warum wird ein Filmemacher ein Filmemacher, ein Zeichner ein Zeichner, ein Bildhauer ein Bildhauer? Es hängt natürlich mit seinen Befähigungen zusammen, aber ist Tim Burton überhaupt ein Filmemacher? Nein, Tim Burton ist ein Karikaturist, der anstatt des Zeichenstiftes eine Filmkamera in Händen hält, das sieht man in der Ausstellung des „Museum of Modern Art“ überdeutlich, weil zum Teil gezeichnete Charaktere zu sehen sind, die später zu Filmfiguren wurden. Tim Burton kann sich als Zeichner besonders gut den skurilen Seiten der Welt widmen und auf den Punkt bringen, was er ausdrücken möchte. Ein Karikaturist erzeugt Zerrbilder, dehnt und übertreibt sie ins Absurde, überzeichnet sie. Von Anfang an haben die Filme des Tim Burton den skurilen Witz in der Welt gestaltungsmächtig gesucht und gefunden. Sehr oft hat er das Absurde in Beziehung zum Tod gesetzt, um einen weitestmöglichen Bogen zwischen dem Tabu des Todes und dem Irrwitz des Lebens zu spannen.

Dem Karikaturisten aus der Feder der Gegenwelt geflossen. („Untitled“ aus dem Buch „The Melancholy Death of Oyster Boy and Other Stories“, 1982-1984, 25,4 x 22,9 cm, Füller, Tusche, Marker, Buntstifte auf Papier, Privat-Sammlung. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, © 2009 Tim Burton.)

Die hybride Welt: Brückenschlag zwischen Realität und Fiktion
Auffällig ist folgerichtig, dass die meisten seiner Filme hybrid sind: Oft sind dies Realfilme, die – lange bevor es Digital-Mode geworden war – verfremdet bzw. mit Animationen oder Stop-Motion-Sequenzen angereichert sind. Wenn in „Pee-Wees irre Abenteuer“ beispielsweise in einer langen Sequenz nur die skurile Küche und ihre Funktionen gezeigt werden, wenn sich „Beetlejuice“ metamorphosenmäßig in diverse Monströsitäten verwandelt oder in „Mars Attacks!“ die Außerirdischen erscheinen, denkt man manches Mal, man befinde in einem Puppenfilm. Wer wollte behaupten, „Edward mit den Scherenhänden“ sei ein herkömmlicher Realfilm? Bei all der skurilen Ausstattung, den übertriebenen Überschminkungen, den dramaturgischen Übertreibungen bleibt vom klassischen Realfilm kaum mehr übrig als die Verpackung. Burton schlägt in seinem filmischen Werk wie kein zweiter Regisseur eine Brücke zwischen Real- und Trickfilm. Wenn man alle Filme zusammennimmt, bei denen er Regie geführt hat oder auch nur Produzent war, spaltet sich sein Werk fast gleichwertig in Real- und Trickfilm.

Tim Burtons vielleicht schönster und zeitlosester Film war „Edward mit den Scherenhänden“ von 1990. Das Karikaturenhafte der Bewohner eines kleinen idyllischen Städtchens traf auf die Dunkelheit und märchenhafte Verwunschenheit des stylischen Helden „Edward“ und legte auch für Johnny Depp ein solides Karrierefundament. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, Foto: Zade Rosenthal, Twentieth Century Fox/Photofest, © Twentieth Century Fox.) Tim Burtons vielleicht schönster und zeitlosester Film war „Edward mit den Scherenhänden“ von 1990. Das Karikaturenhafte der Bewohner eines kleinen idyllischen Städtchens traf auf die Dunkelheit und märchenhafte Verwunschenheit des stylischen Helden „Edward“ und legte auch für Johnny Depp ein solides Karrierefundament. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, Foto: Zade Rosenthal, Twentieth Century Fox/Photofest, © Twentieth Century Fox.)

Das Zauberhafte in „Edward mit den Scherenhänden“ waren auch die kunstvoll geschnittenen Hecken und Sträucher, die im Film – wie man oben im Foto sehen kann -, die verblüffenden Kunstwerke des Helden waren. Der Hirsch aus dem Film stand lange im Privat-Garten von Tim Burton, hat dort aber ziemlich gelitten. So mußte ein neuer Hirsch nachgebaut werden, der nun vor dem „Museum of Modern Art“ auf die Ausstellung hinweist. („Replica of Deer Topiary in Edward Scissorhands“, 2009, vom Karen Atta Studio nachgebaut, Mixed Media, 353,1 x 256,5 x 152,4 cm, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, Foto: Tom Mikawa.)

Und so sah Tim Burtons Zeichnung von „Edward mit den Scherenhänden“ als Charakterstudie  aus. („Untitled“, 1990, Füller, Tusche und Bleistift auf Papier, 36,2 x 22,9 cm, Privatsammlung. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, © 2009 Tim Burton.)

Immer für einen ungewohnten Seitenweg gut: Tim Burton, Architekt der Fantasie
„Beetlejuice“, Burtons abendfüllender zweiter Film, gespickt mit abgedrehten Animationssequenzen und durchdrungen von schrägem Humor, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man eine Figur soweit verfremden kann, dass nur noch ein roter Faden für den nächsten schrägen Lacher heraus kommt. „Mars Attacks!“ zeichnet selbst bis in die Dramaturgie und in die Story hinein die Karikatur der herkömmlichen Science Fiction-Klischees und verulkt das Genre selbst unter Zuhilfenahme von Trash-Elementen und immer am Rande des simplen Slapsticks dahertaumelnd – fast wie eine leibhaftige „Mad“-Verfilmung. „Mars Attacks!“ hat damit einen Plot, der wie die Zusammenfassung der amerikanischen Trivial-Pulps wirkt, so als hätte ihn sein Vorgängerfilm „Ed Wood“, der sich mit dem vermutlich schlechtesten Filmemacher aller Zeiten befasste, dazu inspiriert.

Die Zukunft liegt im Mix: Szene aus „Mars Attacks!“ von 1996 mit Jack Nicholson als amerikanischer Präsident in einer der Hauptrollen – ein Film, der alle denkbaren Trivialitäten aneinanderreihte und dies mit einer politischen Botschaft koppelte. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, Foto: Warner Bros./Photofest, © Warner Bros.)

So sah Tim Burtons Skizze zu den Außerirdischen in „Mars Attacks!“ aus – und war damit schon ziemlich nah dran an der filmischen Umsetzung. („Untitled“, 1995, Wasserfarbe und Pastel auf Papier, 43,2 x 35,6 cm, Privatsammlung. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York. Mars Attacks © Warner Bros., © 2009 Tim Burton.)

Mission Absudistan: Die verfremdete Welt
Bereits im ersten eigenen Kino-Langfilm „Pee-Wees irre Abenteuer“, einem Slapstick-Realfilm, arbeitet Burton mit kleinen Trick-Sequenzen, die hin und wieder Gesichter in animierte Karikaturen verwandeln. Aber auch der restliche „reale“ Humor ist völlig absurd. So absurd, dass der ganze Film wirkt, als hätte man einen Zeichentrickfilm mit realen Schauspielern nachgedreht. Das war so bei Burtons erstem Spielfilm und mit nur einer Ausnahme in seinem gesamten filmischen Schaffen. Die Ausnahme ist das eher uninspiriert abgespulte und zu sehr paraphrasierende Remake von „Planet der Affen“, auf das die Welt hätte verzichten können. Burton wird als ein Regisseur in die Filmgeschichte eingehen, der sich darum verdient gemacht hat, dem Realfilm völlig neue Seiten abzugewinnen. Das, was vor Jahren „Roger Rabbit“ versucht hat – die perfekte Synthese zwischen klassischem Trick- und Realfilm – ist für Burton auf seine Weise Tagesgeschäft und grundlegende Mission.

Der skurile Humor von Tm Burton zeigt sich in Figuren aber auch in der Ausstattung und dem Design des Filmes: Pee-Wee’s Küche in „Pee-Wee‘s Big Adventure“ von 1985 toppt alles Dagewesene, selbst die voll automatische Küche aus „Zurück in die Zukunft“. Zu sehen ist hier Paul Reubens als Pee-Wee Herman. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York. Foto: Warner Bros./Photofest, © Warner Bros.)

Die Schattenseite der Abgedrehtheit: Wo bleibt die Story?
Tim Burton genügt es in seinen Filmen oft, Absurditäten zu zeigen, manchmal hapert es aber an einer guten Story, wenn wenig mehr als die Aneinanderreihung skuriler Szenen zum besten gegeben wird. Am beeindruckendsten sind seine Filme, wenn eine seltsame Geschichte die Gesetze der spannenden Erzählung berücksichtigt. Zu den kurzweiligsten Arbeiten zählen so „Edward mit den Scherenhänden“ (1990), „Sleepy Hollow“ (1999), die beiden ersten Batman-Filme (1989 und 1992) und „Corpse Bride“ (2005).

Das Motiv des Monsters als Teil eines Hauses oder einer Landschaft zieht sich leitmotivisch durch das Werk Tim Burtons. („Untitled“, Black Cauldron, 1983, Füller und Tusche, Marker, and Wasserfarben auf Papier, 27,9 x 38,1 cm, Privatsammlung, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, © 2009 Tim Burton.)

Anders als andere abgedrehte Filmemacher
Wer die Filme von Tim Burton schon einmal gesehen hat, merkt, dass sie anders sind als andere schräge Filme. Sie sind weniger erwachsen und ernsthaft als die von David Lynch. Sie sind weniger hintergründig, weniger verschachtelt als die der Coen-Brüder – aber viel absurder. Burton ist andererseits nicht so brutal und horroraffin wie David Cronenberg, seine Filme sind Zerrbilder von Kinderfantasien. Sie neigen von der weitwinkligen Einstellung bis zur Schminke der Schauspielerin zur Überzeichnung. Denn Burton ist gelernter Trickfilmer, der seine ersten Arbeiten in den Disney Studios realisiert hat. Tim Burton ist aber noch mehr, ein Zeichner und Karikaturist, der seine Leidenschaft der Formgebung durch die Filmarbeit zum Leben erweckt hat. Als Karikaturist muß er das Typische einer Figur dramatisierend überhöhen. Karikieren ist die Kunst, Eigenschaften so zu übertreiben, dass das sowohl typisch als auch lustig wirkt.

Puppenkarikaturen von Helena Bonham Carter und Johnny Depp aus dem Film „Corpse Bride“ von Tim Burton und Mike Johnson. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, © Warner Bros. Pictures.)

So sieht der Eingang zur Sonder-Ausstellungs-Galerie aus, in der die Tim Burton-Ausstellung im „Museum of Modern Art“ zu sehen ist. Der Eingang wurde nach Tim Burtons Figuren von TwoSeven Inc. gestaltet. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, Photo: Michael Locasiano.)

Und auch so sieht die kreative Welt des Zeichners aus: In nur einem Bild erzählt er die kleine Geschichte vom ängstlichen Kegelbruder. („Untitled“ aus „The World of Stainboy“, 2000, Füller und Tusche, Wasserfarbe und Buntstifte auf Papier, 22,9 x 30,5 cm, Privatsammlung. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, © 2009 Tim Burton.)

Die Batman-Filme: Dem Geist der Original-Comics nahe
Sieht man sich in Burtons Batman-Verfilmungen Figuren wie den „Joker“ oder den „Pinguin“ an, dann sind das Umsetzungen einer zügellos-infantilen Fantasie, bevölkert von wandelnden, Fleisch gewordene Comic-Figuren. Er kommt damit den ursprünglichen Batman-Comics, die ebenfalls zeichnerisch mit Karikaturen arbeiteten, wieder sehr nah. Der „Joker“ in der „The Dark Knight“-Verfilmung (2008) von Christopher Nolan, gespielt von Heath Ledger, mag abgründiger sein, gefährlicher anmuten und dem Wahnsinn näher sein, der „Joker“ aber, der die Eigenschaft der Original-Comicfigur besser herausarbeitet und ins Irrwitzige übertreibt, ist der von Jack Nicholson dargestellte unter der Regie von Tim Burton. Der hat nach dem ersten Batmanfilm, bei dem er nur Regie geführt hatte, „Edward mit den Scherenhänden“ gedreht, bei dem er als Autor, Regisseur und Produzent die maximale künstlerische Kontrolle übernehmen konnte – in jeder Hinsicht und auch kommerziell mit Erfolg.

Die personifizierte Karikatur: Jack Nicholson als „Der Joker“ in „Batman“ von 1989. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, Photo: Warner Bros./Photofest, © Warner Bros.)

Tim Burton, der Karikaturist: Stopp auf halbem Wege
Das Besondere also an Burton als Filmemacher ist sein Hang zur mal witzigen, mal gothisch-düsteren Übertreibung, die daher kommt, dass er gelernt hat, die Welt mit den Augen eines feixenden Karikaturisten zu sehen, der aber auch ernstmachen kann. Was aber nun, wenn solch ein Filmemacher zu seinen Ursprüngen zurückkehrt, den Zeichenstift in die Hand nimmt – was er zwischenzeitlich immer mal wieder für Filmprojekte bezüglich der Vorskizzen, Charakterzeichnungen und Storyboards getan hat – und diese Zeichnungen ausstellt? Nein, nicht irgendwo, sondern im „Museum of Modern Art“ in New York, einer ganz guten Adresse für Kunst. Dann stellt sich die Frage, ob Burton als Zeichner auch so besonders ist – was man verneinen muß. Zweifelsohne ist Burton, der Zeichner, eigenständig, aber lange nicht so sehr wie mit seinen Filmen. Er hat seine Kraft investiert, seine Fantasien über das Medium Film lebendig werden zu lassen. Hätte er diese Kraft von Anfang an in seine Zeichnungen gelegt, vielleicht wäre er der visuellen Durchschlagskraft eines Ralph Steadman nahe gekommen. So aber haben seine Zeichnungen eher den Stellenwert eines Ideenvehikels für seine Filmarbeit.

Storyboardzeichnung für den Film „The Nightmare before Christmas“ von 1993. (Füller und Tusche, Marker und Buntstifte auf Papier, 12,7 x 17,8 cm, Privatsammlung. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, © 2009 Tim Burton.)

Kunst und Populärkultur: Die zwei Abteilungen im Museum of Modern Art
Es ist außerdem nicht so, dass die Ausstellung im „Museum of Modern Art“ den Unterhalter Tim Burton automatisch zum bildenden Künstler adelt. Denn tatsächlich richtet das „MoMa“ innerhalb eines erweiterten Kunst- und Kulturbegriffes sowohl Künstlern als auch Designern, Medienschaffenden, Architekten oder eben Theater- und Filmschaffenden Ausstellungen aus. Das „MoMa“ stellt neben reiner Kunst auch populärkulturelle Werke aus, wobei man Burton einen künstlerischen Ansatz nicht absprechen kann. Da er weniger ernsthaft – eben witzig-verzerrend – mit seinen Stoffen umgeht, hat er es schwerer nicht nur als Unterhaltungskünstler anerkannt zu werden als beispielsweise ein David Lynch. Klar ist, dass Tim Burton einige filmische Meisterwerke geschaffen hat und innerhalb des Mainstreamkinos schillert wie kaum ein anderer. Er ist von der Basis des Unterhaltungskinos aus gestartet und in einer sehr schrägen Dimension angelangt. In diesem Marktsegment der unvergleichlichen Komödie hat er sich eine eigene Nische eingerichtet.

Ein Polaroidfoto aus der Kamera des Künstlers. („Untitled“, Blue Girl with Skull, 1992–1999, Polaroid, 83,8 x 55,9 cm, Privatsammlung. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, © 2009 Tim Burton.)

Und so malt Tim Burton in Öl. („Blue Girl with Wine“, 1997, Öl auf Leinwand, 71,1 x 55,9 cm, Privatsammlung, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Museum of Modern Art, New York, © 2009 Tim Burton.)

Wo ist die Spannung? Originalität alleine reicht nicht
Fast allem, was Burton anfasst, wohnt ein Höchstmaß an Eigenständigkeit und Originalität inne. Aber das ist kein Selbstläufer. Hat man ein Dutzend Burtons gesehen, reicht pure Originlität nicht mehr allein, weil man inzwischen den Burtonschen Standard kennt und sich daran gewöhnt hat. Ab hier geht es also immer wieder um gutes Handwerk, um ein gutes Drehbuch, um Ideen für die Regie. Bei einem der letzten Filme, „Sweeney Todd“, hat er sich zu sehr auf seine Manierismen verlassen. Zwar hat der Film völlig zu Recht einen Oskar für die Art-Direction erhalten, aber insgesamt war er erzählerisch eher fade. Es reicht nicht, skuril zu sein, wenn die Geschichte nicht spannend erzählt ist. Aktuell profitiert Burton wie manch anderer in die Jahre gekommener Regisseur, dem die Ideen nicht mehr so flüssig aus der Feder fließen wollen wie in jungen Jahren, von den Neuerungen der digitalen Zeichentrick- und 3D-Technik. In der nämlich hat er „Alice im Wunderland“ für den „Walt Disney“-Konzern neu interpretiert bzw. aufbauend auf der Original-Geschichte von Lewis Carroll weitergeführt. Dem Kartenverkauf in den Staaten wird es nicht geschadet haben, dass das „Museum of Modern Art“ ihm initiierend eine Ausstellung gewidmet hat. Die Welt der Fantasie, die dort zu entdecken ist, ist einmalig, die erzählerische Umsetzung im Film aber problematisch.

Hier ist über einen Besuch im Moma zu lesen.

Die mobile Version verlassen