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Wikileaks: Quelle des Collateral Murder-Ballerspiels aufgefolgen?

Wikileaks-Pressesprecher Daniel Schmitt mit Wiki-Endoplast-Leaks-Brille, durch die er die Geheimnisse der Welt besser erkennt.Oben: Wikileaks-Pressesprecher Daniel Domscheit-Berg, der sich Daniel Schmitt nannte, und inzwischen ausgestiegen ist bei Wikileaks, mit Wiki-Endoplast-Leaks-Brille, durch die er die Geheimnisse der Welt besser erkennt.

Jeder fragt sich, wie es zu Amokläufen kommt. Medien-Konditionierung! Auch beim Militär. Wikileaks, die Plattform, die geheime Dokumente online stellt, hatte das so genannte „Collateral Murder“-Video veröffentlicht, das zeigt, wie am 12. Juli 2007 amerikanische Soldaten vom Hubschrauber aus 12 Zivilisten töten, ohne dass die militärisch aktiv gewesen wären.

Man kommt sich vor, wie in einem Ballerspiel. Die lebendigen Menschen wurden von den Soldaten abgeschossen als wären sie lediglich virtuelle Figuren und der Lohn für die Ballerei ein neuer High-Score. Dabei wurden selbst die herbeigeeilten Helfer ermordet. Die Entscheidungen, dies zu tun, waren gefühllos und kalkuliert – kein Versehen sondern ein bewusster Akt, wie man im Film sehen kann:

Verschleierung durchs Militär
Zwei der Opfer waren Journalisten: Saeed Chmagh und Namir Noor-Eldeen, die für die Nachrichtenagentur Reuters gearbeitet hatten. Die Militärs hatten das Massaker vertuschen wollen, hatten mitgeteilt, es sei zu einem Gefecht zwischen US-Militär und Aufständischen gekommen und die Zivilisten unbeabsichtigt getötet worden. Der Film zeigt, dass dies die Unwahrheit war. Das Militär hatte seinerzeit die Filmdaten als unauffindbar angegeben.

Ist die Quelle des Collateral-Murder-Videos aufgeflogen?
Nun soll laut amerikanischem Militär jener 22-jährige Soldat aufgeflogen und festgesetzt worden sein, der den Film weitergeben hat. Es handelt sich um Specialist Bradley Manning, einen militärischen Analytiker. Ob das stimmt, ist zur Zeit noch unklar, weil es sein könnte, dass das Militär, mit der Meldung den Quellenschutz, den Wikileaks sehr hoch hält, unterminieren will. Wenn die Nachricht doch stimmt, dann ist der Informant dem Vernehmen nach nicht durch ein Leck bei Wikileaks aufgefolgen, sondern weil er den Film und weitere Daten an den Hacker Adrian Lamo weitergegeben hatte, der ihn beim Militär angeschwärzt hat.

Wikileaks: Eine wichtige Stimme im Netz
„Wikileaks“ ist mit der Veröffentlichung des „Collateral Murder“-Videos weithin bekannt geworden. In Deutschland konnte die Web-Seite mit Veröffentlichungen zu den Toll-Collect Maut-Verträgen und den Geschäften des Bankhauses Julius Bär auf den Cayman-Inseln punkten. Das investigative Webprojekt „Wikileaks“ existiert seit 2006. Die Quellen von Geheimnissen aus Politik, Wirtschaft und Millitär sind bisher gut geschützt gewesen. Deshalb wird es interessant zu wissen, ob und wie die Quelle des „Collateral Murder“-Videos aufgefolgen ist – oder eben nicht. Ein Großteil der Macher ist weitestgehend unbekannt. Gegründet wurde die Seite von Journalist und Programmierer Julian Assage. „Wikileaks“ wird vor allem durch das zur Verfügungstellen von Rechtsanwaltsstunden aber auch durch Spenden von den etablierten Medien unterstützt. Seine Zukunft sieht die Website auch in der Kooperation mit diesen Medien.

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