Kein Musik-Langvideo im klassischen Sinne war der Kurzfilm „Captain EO“, in dem Michael Jackson genauso wie in seinen eigenen Videos die Hauptrolle spielte, sang und tanzte. Zwei Stücke gab er in dem für die Walt-Disney-Vergnügungsparks exklusiv gedrehtem Film zu besten: „We are here to change the world“, außerdem „Another part of me“, das erst 1987 auf dem Album „Bad“ erschien und 1988 als Single ausgekoppelt wurde.

„Captain EO“ war ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches filmisches Werk und im Film-Oeuvre Michal Jacksons ein Unikat. Zwar fielen die Tanzszenen diesmal eher lahm aus, dafür war der Film in echtem aufwändigen 3D-Verfahren gedreht und es gab für Disney-Park-Besucher, die etwas Exklusives sehen wollten, greifbar nah und dreidimensional viel zu schauen.

Popkulturperle mit großem Budget

„Captain EO“ ist die Quersumme verschiedener popkultureller Phänomene: Der Kurzfilm erinnert von Genre und Ausstattung her zunächst an „Star Wars“. „Star-Wars“-Macher George Lucas hat denn auch am Drehbuch mitgearbeitet und den Film mitproduziert. Dessen erste drei „Star Wars“-Filme waren 1977, 1980 und 1983 erschienen und zählten zu den Filmen mit der weltweit größten Fan-Gemeinde. Dementsprechend wichtig war ihr Einfluss für einen Unterhaltungs-Konzern wie Walt Disney, der einen Medien-Event als Publikumsmagnet für seine Vergnügungsparks schaffen wollte. Michael Jackson war ebenfalls ein Garant für Massenbegeisterung. Er hatte im Jahr zuvor mit „Thriller“ das kommerziell erfolgreichste Musikalbum der Popgeschichte veröffentlicht. Der Film „Captain EO“ selbst war rekordverdächtig: Er verfügte mit 23,7 Millionen US-Dollar Produktionskosten über ein überaus üppiges Budget. Als Hauptdarstellerin neben Michael Jackson trat übrigens Oscarpreisträgerin Anjelica Huston auf.

Regie: Francis Ford Coppola

Und nicht zuletzt führte Francis Ford Coppola Regie, der neben Martin Scorsese, der nachfolgend Jacksons „Bad“-Video drehen sollte, einer der prominenten Hauptvertreter des „New Hollywood“ gewesen war, das die alte Filmstadt mit neuen Ideen und Ansätzen umgekrempelt hatte. Coppola hatte als Regisseur Filmgeschichte geschrieben und mit einigen seiner Filme Publikum und Kritiker gleichermaßen begeistert. In den zurückliegenden Jahren vor „Captain EO“ hatte er 1972 „Der Pate“ gedreht, 1974 „Der Dialog“, einen ernsthaften und heute wieder aktuellen Film mit Gene Hackman als Abhörspezialisten, im gleichen Jahr „Der Pate II“, 1979 das Antikriegs-Epos „Apocalypse Now“, 1983 erschienen mit „Die Outsider“ (mit Matt Dillon, Patrick Swayze, Rob Lowe, Emilio Estevez, Tom Cruise und Diane Lane) und „Rumble Fish“ (mit Mickey Rourke und Matt Dillon in den Hauptrollen, sowie Diane Lane, Dennis Hopper, Nicolas Cage und Laurence Fishburne) zwei Filme in einem Jahr, schließlich 1984 „Cotton Club“ Mit Richard Gere. Coppola hatte zum Zeitpunkt der Dreharbeiten von „Captain EO“ seinen Zenit als Regisseur überschritten, galt aber als Regie-Papst.

„Captain EO“ im Zentrum der Popkultur

Die Ästhetik und Ausstattung des Kurzfilms „Captain EO“ hatte wiederum Einfluß etwa auf die Darstellung etwa der Borg-Spezies in der Serie „Raumschiff Enterprise Next Generation“, die von 1987 bis 1994 lief, bzw. auf die entsprechenden Kinofilme zur Serie. Jackson konnte sich mit seiner Mitwirkung ins Zentrum der popkulturellen Wichtigkeiten stellen: „Star Wars“, Walt Disney, George Lucas, das E-Kultur-Schwergewicht Francis Ford Copolla – all das roch nach anspruchsvoller Popkultur. Copolla war für das leichtfüßige Unterhaltungs-Projekt aber wohl nur zu gewinnen gewesen, weil er mit seinem eigenen Studio lange vorher in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und kommerziellere Auftragsarbeiten annehmen musste, um die Schulden zu tilgen. Davon abgesehen, war er aber sehr technikaffin, und somit konnte er die anspruchsvolle technische Seite des Films in Zusammenarbeit mit Prouzent George Lucas sicherstellen.

WellnessWalt Disney und „Captain EO“

Michael Jackson verewigte sich mit seinem Engagement bei „Captain EO“ in der heilen Disney-Welt und war über ein Jahrzehnt in dieser Rolle in den Disney-Parks auch dort in seiner Zielgruppe verankert. Neben den permanent produzierten Musikvideos und seinem Wirken in seinem Musik-Kinofilm „Moonwalker“ stärkte „Captain EO“ die visuelle Präsenz Jacksons in der Popwelt. Übrigens wurde der Film in den Disney-Parks nach langer Laufzeit zunächst abgesetzt, Jahre später wieder ins Programm genommen und läuft zum Teil bis heute. Da „Captain EO“ bis dahin nie in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen war, übte er gerade auf Michael-Jackson-Fans eine magnetische Anziehungskraft aus – zumal die Plastizität der 3D-Effekte tatsächlich hervorragend war. Heute wirkt der Film wie ein Querschnitt durch alle Erfolgsfaktoren jener Zeit.