Oft steht im Vordergrund einer Neuerung wie zum Beispiel einer Kryptowährung ihr augenblickliches Funktionieren und nicht etwa das Potenzial des Konzeptes, das dahinter steht. Mitunter ist diese oberflächliche Wahrnehmung des Neuen fatal. Denn wenn die Innovation scheitert und die dahinter liegende Idee zunächst aus dem Blickfeld gerät, könnte man meinen, dass diese Idee weitere Überlegungen nicht wert ist. Das stimmt aber nicht. Die Blockchain hinter Bitcoin etwa hat eine andere Relevanz für die Zukunft, als im Moment diskutiert wird.

Ein Beispiel dafür, dass vorschnelles Abschreiben einer Idee verkehrt ist, mag das Unternehmen Apple sein. Das hatte in den Zeiten, als man nur als Informatiker mit Computern umgehen konnte, die Idee, die Benutzerführung der EDV-Einheit so zu vereinfachen, dass jeder damit klar kam. Dieses Konzept war zwar zuerst ein Erfolg und setzte sich zunehmend durch, Apple als Unternehmen jedoch geriet ins straucheln, bis es ein Sanierungsfall wurde. Zu diesem Zeitpunkt hätte man meinen können, dass die Grundidee zwar gut gewesen war, da sie jedoch vor allem von Microsoft adaptiert worden war, war für ein vergleichsweise kleines Unternehmen wie Apple nicht mehr viel Gewinn daraus zu schöpfen.

Apples Prinzip der vereinfachten Benutzerführung als Beispiel

Doch dann wandte Apple seine Prinzipien auf neue Generationen von Desktoprechnern und Laptops an sowie danach vor allem auf persönliche Assistenten wie:

  • den iPod als persönliches Musik-Abspielgerät als Nachfolger des Musik-Kassetten-„Walkmans“ von Sony, was äußerst erfolgreich funktionierte
  • das iPhone, das Apple in kürzester Zeit immer reicher machte und schließlich zum teuersten Unternehmen der Welt werden ließ
  • das iPad, das die Sparte der Tablet-Computer begründete, wirtschaftlich jedoch weit weniger Bedeutung erlangte als das iPhone

Die alte Idee von der Vereinfachung der Bedienkonzepte bis hin zum Sprachassistenten Siri war also, wie man sehen konnte, als Rückgrat eines Wirtschaftskonzeptes, dass sich „menschliche Computer“ auf die Fahnen geschrieben hatte, durchaus dafür geschaffen, auf Dauer viele Milliarden zu erwirtschaften.

Bulle

Ist Bitcoin mehr als virtuelles bzw. virtuell verwaltetes Geld?

Sieht man sich nun die Diskussion über Bitcoins und andere Kryptowährungen an, fällt das gleiche Prinzip auf, nämlich die Grundidee dieses virtuell verwalteten Geldes zu unterschätzen. Denn es wird im Moment darüber diskutiert, ob diese Währungen erfolgreich bleiben oder etwa als Spekulationsobjekte, die sie zur Zeit sind, hoffnungslos abstürzen werden. Dass dahinter allerdings eine revolutionäre Idee steckt, die mit größter Wahrscheinlichkeit einen beträchtlichen Teil unserer zukünftigen Wirtschaftswirklichkeit ausmachen wird, geht in den Diskussionen erst einmal unter.

Was ist die Grundidee von Bitcoin und anderen Kryptowährungen?

Die Bitcoin-Grundidee ist es nur in zweiter Linie, eine werthaltige virtuelle Währung einzuführen. In erster Linie besteht die Idee darin, eine Notenbank durch eine sich selbst regulierende und vollständig transparente Datenbank zu ersetzen, die sogenannte „Blockchain“. Man bedenke: Die Zentralbank eines Landes (=Notenbank) ist dafür zuständig, dass die Währung verlässlich ist, dass der Wert, den sie repräsentiert, in einem gewissen Rahmen, der sich entwickelt, am besten erhalten bleibt oder fortschreitet. Eine Notenbank treibt also im Sinne einer nationalen Währungspolitik oder bezüglich der Währungspolitik eines Währungsraumes, wie beispielsweise der Eurozone, einen erheblichen Aufwand, um die Zuverlässigkeit dieser Währung stabil zu halten. In Deutschland ist die Zentralbank die „Deutsche Bundesbank“ und beschäftigt etwa 10.000 Mitarbeiter. Die Blockchain soll bezogen auf die Funktion der Verwaltung des Geldes solch eine Bundesbank und zuende gedacht jede andere Zentralbank weltweit ersetzen können. Die Blockchain ist also so betrachtet eine kreative Idee, wie sich Geld selbst reguliert. Da Zentralbanken jedoch noch weitere Funktionen haben, die auf Preis- und Währungsstabilität eines Landes abzielen, kann die Blockchain nicht eine ganze Zentralbank ersetzen. Dennoch ist ihre eigentliche Idee eine regulatorische Selbstverwaltung der Mittel, damit würde sie einen Teil der Notenbankfunktionen übernehmen und entsprechene Arbeitsplätze vernichten.

Modell „Selbstregulierung“: Die Blockchain als Zukunftssoftware

In einer Zeit, in der von „Künstlicher Intelligenz“ die Rede ist, die zukünftig in einem nie gesehenen Ausmaß menschliche Arbeit übernehmen und damit vermutlich den Großteil der heutigen Arbeitsplätze ersetzen wird, zeigt die Blockchain, wie höchst sensible Abläufe einer Volkswirtschaft neu reguliert werden können: mit Hilfe neuartiger Software inform des Blockchain-Datenbank-Systems. Selbst wenn die Kryptowährungen scheiterten oder an Bedeutung verlören, selbst wenn sie als Spekulationsobjekt in Verruf geraten sollten: die Idee dahinter bleibt erhalten und skizziert die Auswirkungen einer technologischen Zukunft, die zugleich fasziniert und beängstigt. Was neuartige intelligente Software vermag, zeigt sich so bereits jetzt an Bitcoin und ihrer Verwaltungssoftware „Blockchain“. Dabei ist dies nur ein Vorgeschmack darauf, wie zukünftige selbstlernende und sich selbst optimierende Systeme mit durch Menschenkraft nicht zu überbietender Effizienz Aufgaben lösen und Prozesse regulieren. Prozess-Regulierung ist aber ein Bereich, der bis zu dem Punkt reicht, an dem das menschliche Leben in seinen Systemen verwaltet wird – ob dies nun das Finanz- und Wirtschaftssystem ist oder das Sozialsystem. An den Bestrebungen in China im Moment sieht man, dass selbst rechnergesteuerte Sozialregulation nicht ein Thema aus einem Science-Fiction-Roman ist, sondern bereits erprobte Wirklichkeit.