Schattz

Im Sonnenland, in dem Glück und Zuversicht herrschten, hatten die Schatten im Laufe der Jahrhunderte offenbar an Intensität zugenommen und schienen ihren sie werfenden Ursprüngen näher gekommen zu sein.

Die Theorie besagte, dass, wenn die Schatten ihrem Ursprung zu nahe kämen, die Sonnenwelt Gefahr liefe, erst an Strahlkraft einzubüßen, dann jeglichen Optimismus zu verlieren und schließlich ins endgültig unabwendbare Unglück zu verfallen. Die Wissenschaftler hatten begonnen zu forschen, um einen Schattenbild-Entfernungsmesser zu entwickeln, zu konstruieren und zur Serienreife zu führen – bis das Gerät in den Handel kam und den Weg in jedermanns Tasche gefunden hatte.

Niemand hatte geahnt, dass erst das Vorhandensein dieses Gerätes das Schicksal der Sonnenwelt besiegeln würde. Denn die Mutmaßung, dass die Schatten stärker würden – was sein konnte oder auch nicht sein konnte, weil niemand es wahrnehmen konnte – war durch das Vorhandensein der Maschine zu einer Tatsache geworden. Selbst wenn es keinerlei Schatten gegeben hätte: angesichts der Schattenbild-Entfernungsmesser waren die Schatten als Bedrohung Wirklichkeit geworden, weil der Glaube an die Schatten plötzlich stärker war, als die Freude am Sonnenlicht.

So starb das Licht an der Angst vor der Dunkelheit, obwohl es das tiefe Schwarz niemals gegeben hatte.