ZeichnerherzWer in Amerika Superhelden-Comics zeichnet, wird daran gemessen, was er zu welchen Heft-Serien, den sogenannten „Comic-Books“, beigetragen hat. Vor allem, was man bei den beiden größten Verlagen Marvel und DC veröffentlicht hat, kann Reichweite und Erfolg bringen. Berühmte Zeichner wie John Byrne (X-Men), John Buscema (Silver Surfer), Jack Kirby (Fantastic Four) oder Todd McFarlane (Spiderman, Spawn) hatten lange Läufe in Serien, konnten sich dadurch verbessern und zeigen, was sie können. Das Oeuvre von Barry Windsor-Smith ist gemessen daran schmal.

Barry Windsor-Smith, einer der wichtigsten Künstler des Mediums „Comic“ in Amerika hat nur einmal einen langen Lauf in einer Serie gehabt. Das war „Conan the Barbarian“, der ihn gleich zu Anfang seiner Karriere mustergültig berühmt machen sollte – nicht nur berühmt bei Lesern sondern auch bei Kennern des Mediums. Jeder hätte sich gewünscht, es wäre weiter gegangen mit Barry Windsor-Smith bei Marvel, doch der zog sich auf dem frühen Höhepunkt seines Schaffens nach nur drei Jahren zurück, um sich von Zwängen zu befreien und Künstler zu werden.

Wichtige Heftserien der 1970er-Jahre

„Conan the Barbarian“: Kontinuierlich und qualitativ interessant bis hochwertig hat Barry Windsor-Smith seriell nur an „Conan the Barbarian“ (Nummer 1–16 und 19–24 zwischen 1970 und 1973) für Marvel gearbeitet. Der Heftzyklus endete mit dem „Song of Red Sonja“. In diesem letzten Heft der Serie zeigte sich spätestens sein großes Können und vor allem ein zeichnerischer Anspruch, der sich vom meisten, was damals veröffentlicht wurde, positiv abhob.
Dabei ist hervorzuheben, dass die ersten Conan-Hefte die Hefte eines jungen Anfängers waren und als solche nicht gut gezeichnet sind. Hinzu kam, dass der Innenteil der Hefte zunächst ausschließlich von anderen Zeichnern auf der Grundlage der Barry-Windsor-Smith-Bleistift-Vorzeichnungen getuscht wurde, was die Einschätzbarkeit seines zeichnerischen Fortschritts erschwerte. Je länger er an der Heftserie gearbeitet hatte, desto mehr hatte er auch selbst getuscht. Die meisten Titelblätter etwa hatte er komplett vorgezeichnet und getuscht und daran konnte man seine Entwicklung als Zeichner augenfälliger beurteilen. Auffällig sind schon früh die vielen kleinen Details, die oft von der schrillen wenig differenzierten Farbgebung überdeckt wurden oder dem schlechten Druck im Zusammenspiel mit der minderwertigen Papierqualität zum Opfer fielen.
Bei Conan konnte sich Barry Windsor Smith freischwimmen und nach und nach seine Vorstellungen weiter umsetzen. Nur hier war er hoch motiviert, etwas Besonderes zu schaffen.
„Savage Tales“: Zwischen 1971-1974 zeichnete Barry Windsor-Smith die Nummern 1-4 von „Savage Tales“, einem schwarz-weiß gedruckten Magazin, um die Figuren des Conan-Schöpfers Robert E. Howard. Die Storys, die hier erschienen, sind seine besten Arbeiten für Marvel. Gleiches gilt für nachfolgende Hefte.
„Savage Sword of Conan“: In den Jahren 1974-1976 zeichnete Barry Windsor-Smith noch die Nummern 3 und 16 des Magazins „Savage Sword of Conan“. Beide Heft-Serien zeigten einen innovativen Zeichner auf der Höhe seiner Möglichkeiten.
„Avengers“: Parallel zu „Conan the Barbarian“ hat Barry Windsor-Smith zwischen 1969 und 1972 an fünf Heften der „Avengers“ gearbeitet (Nummer 66, 67, 98, 99 und 100), die aber hier nicht als wesentlich angeführt werden sollen, weil sie zeichnerisch nicht gut genug waren, obwohl einzelne Illustrationen herausragten.
Fazit zu den 1970er-Jahren: Von den 1970er-Jahren wird nur „Conan“ als Figur mit Kultstatus in 3 Heftserien in Erinnerung bleiben. Nie wieder hat man einen Zeichner sich so schnell vom unerfahrenen Anfänger, der erst gezeichnet hat wie sein Vorbild Jack Kirby, zum Zeichner-Superstar mit eigenständigem Stil entwickeln sehen.

Wichtige Heftserien der 1980er-Jahre

„Machine Man“: Die Miniserie „Machine Man“ (Nummer 1–4 zwischen 1984 und 1985) kann nicht vollständig überzeugen, auch weil sie im Wesentlichen von Herb Trimbe vorgezeichnet wurde. Barry Windsor-Smith hat nur das vierte Heft komplett in Eigenregie gezeichnet. Allerdings sorgten hier die Titelblätter und ihr Konzept für Aufsehen. „Machine Man“ war der Wiedereintritt von Barry Windsor-Smith in die Comic-Szene. Eigentlich hatte er sich wohl geschworen, nie wieder für Marvel zu arbeiten – aber es kam anders.
„Uncanny X-Men“: Zwischen 1984 und 1987 hat Barry Windsor-Smith vier nicht zusammenhängende Hefte der Serie „Uncanny X-Men“ gezeichnet, von denen zwei hervorragend gezeichnet waren. Nummer 186 (1984) wurde von Terry Austin getuscht, der nicht optimal zum Stil von Barry Windsor-Smith passte. Nur einzelne Bilder aus dem Heft blieben im Gedächtnis. Nummer 198 (1985) und Nummer 205 (1986) wurden beide von Barry Windsor-Smith vorgezeichnet, getuscht und coloriert und zeigten sein Können. Nummer 214 (1987) war schlecht von Bob Wiacek getuscht worden.
„Iron Man“: Erwähnenswert sind noch zwei Ausgaben von „Iron Man“ (Nummer 232 aus 1988 und Nummer 243 aus 1989).
Fazit zu den 1980er-Jahren: Seriell werden nur die beiden Hefte 198 und 205 der „Uncanny X-Men“ als High-Light der 1980er-Jahre im Gedächtnis bleiben, die aber nicht den Anspruch einer fortlaufender Serie einlösen und deshalb als Einzelhefte zu betrachten wären, ebenso wie die „Iron Man“-Arbeiten.

Wichtige Heftserien der 1990er-Jahre

„Weapon X“: Viele jüngere Comic-Enthusiasten verbinden mit dem Namen „Barry Windsor-Smith“ nicht „Conan“, weil dessen Veröffentlichung zu lange zurück liegt, sondern die Miniserie „Weapon X“ in der Reihe „Marvel Comics Presents” (Nummer 72–84 in 1991). Hier hat Barry Windsor-Smith nicht mehr so strichkontrolliert gezeichnet wie in vergangenen Tagen sondern meist expressiv-improvisiert. Sowohl als Geschichten-Erzähler wie auch als Zeichner wusste er dabei zu überzeugen und hat wieder gezeigt, was für ein aufregender Zeichner und visueller Erzähler er sein kann. Die Serie wird stellvertretend für das Wirken von Barry Windsor-Smith in den 1990er-Jahren in Erinnerung bleiben und zeigt sein Können sowohl als Narrator von spannenden, actionbasierten Stoffen als auch sein Können als Autor, der die Entstehung des Superhelden Wolverine neu erzählt, was in der Folgezeit in vielen Comics, im Film und auch in seiner Graphiv Novel „Monsters“ aufgegriffen wurde.
„Archer & Armstrong“: Für Valiant Comics hat er zwischen 1992 und 1993 11 Ausgaben von „Archer & Armstrong“ (Nummer 0, 1–6, 8, 10–12) gezeichnet.
„Storyteller“: Bei Dark Horse erschienen zwischen 1996 und 1997 neun Ausgaben von „Storyteller“. Bei beiden Projekten konnten Windsor-Smith zeichnerisch nicht überzeugen. Ausnahmen bildeten einzelne Zeichnungen etwa für diverse Cover der Hefte. Allerdings war die Farbgebung von Storyteller interessant und z.T. innovativ, ebenso die teils augenzwinkernde Erzählweise.
„Rune“: Zwischen 1994-1995 erschien bei Malibu die „Rune“-Serie in sieben Heften (Nummer 0-6) und einer Giant-Size-Ausgabe (Nummer 1). Außerdem gab es das Heft „Conan vs. Rune“ No. 1 (1995). Bei „Rune“ lief Barry Windsor-Smith zu neuer Form auf, insbesondere die Giant-Size-Ausgabe war beeindruckend gezeichnet.
Fazit zu den 1990er-Jahren: Mit „Weapon X“ und „Rune“ hat Barry Windsor-Smith in den 1990er-Jahren zwei Highlight-Serien veröffentlicht.

Zusammenfassung zu den wichtigen Comicbooks

Von Barry Windsor-Smith gab es über die Jahre 3 Serien, die sein seriell-erzählerisches Geschick abbilden:

  • „Conan“ aus den 1970er-Jahren,
  • „Weapon-X“ aus den 1980er-Jahren und
  • „Rune“ aus den 1990er-Jahren.

Seinen Höhepunkt als Zeichner hatte er aber nicht imit den Comic-Books/Heftserien sondern bei seinen Kunstdrucken sowie in der Comic-Kurzgeschichte „The Beguiling“ (übersetzt etwa: Das/Der Betörende). Ein Ausnahme bilden die letzten Conan-Geschichten. Dennoch konnte Barry Windsor-Smith bei seinen Kunstdrucken ohne Einflussnahme von außen und ohne zeitliche Einschränkungen das machen, was er machen wollte.