Kunst meisterlich

Wer sein Handwerk technisch perfekt beherrscht, ob nun Gitarre spielen oder mit Ölfarbe malen, ist in der Lage das vollkommen umzusetzen, was er ausdrücken will. Aber ist das wichtig? Man ist versucht, diese Frage sofort mit einem „Ja“ zu beantworten.

Denn was wäre eine Gottfried Helnwein ohne seinen Fotorealismus? Was ein Alphons Mucha oder ein Gustav Klimt ohne seine Formvollendung, die immer auch auf der meistenhaften Beherrschung der Technik, also auch auf handwerklichem Vermögen basiert? Was anderes als Unvermögen gekoppelt mit Langeweile und ermüdender Vorhersehbareit wäre die Alternative?

Technik und Nicht-Technik

Die Alternative als Idealbild wäre ein technisch versierter Künstler, der aber beileibe nicht perfekt ist. Oder ein Künstler, der sein technisches Geschick immer mal wieder vergisst. Ein Maler, der Rechtshänder ist und phasenweise mit Links malt, um einen neuen unverbrauchten Strich zu entwickeln und zu führen, der den Pfad des Gewohnten verlässt.

Die Kunst vergessen

Erfahrene, technisch perfekte Maler haben die Tendenz, ins Nichtssagende abzugleiten oder sich formal wie inhaltlich nur noch zu paraphrasieren. Nichtskönnern steht die Himmelsforte der Unzulänglichkeit offen. Denn ihr Unvermögen müssen sie durch Tiefsinn ausgleichen. Kunst ist die Kompensation der menschlichen Mängel. Ein perfekter Maler wäre nach kurzer Zeit die Langeweile schlechthin. Ein Künstler, der an permanentem Gedächtnisverlust litte, müsste sich jeden Tag neu erfinden und würde so immer neue Perspektiven für sein Werk finden. Vielleicht ist das die Erklärung dafür, warum viele Künstler ein Leben im Rausch geführt haben. ;-)

Kunsthandwerker

Weitere Kunsttagebücher:

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  15. Der Kunsst
  16. Was ist Kunst?
  17. Künstler-Selbstbild: Skizze eines zufallsgesteuerten Lebens ohne anarchistische Romantik
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  23. Offenheit, Inspiration, Assoziation – über den Wert von Einflüssen in der Kunst
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  26. Über das Vorläufige und das Endgültige in der Kunst
  27. Warum Kunst ein Virus ist
  28. Kreieren und wiederholen: Warum Kunst nicht kreativ ist
  29. Das Unverwechselbare in der Kunst als Ausdruck der eigenen Unfähigkeit
  30. Das Ungefähre als das nicht Greifbare
  31. Offenheit, Inspiration, Assoziation – über den Wert von Einflüssen in der Kunst
  32. Der blinde Fleck und die Kunst der Betrachtung
  33. Kompetenz und Versagen als sich selbst bedingende Gleichzeitigkeit
  34. Kunst als Selbstdialog
  35. Ordnung und Chaos als Polaritätskonzept künstlerischen Wirkens
  36. Die Überforderung
  37. Eindeutigkeit und Wahrnehmung in der Kunst
  38. Kunst als Sprache
  39. Der Mangel als Ansporn
  40. Bedeutung und Orientierung als Ziele der Kunst
  41. Selbstbild und Seins-Inszenierung
  42. Kunst als Chiffre der Notwendigkeit
  43. Kunst als fortgesetzter Traum
  44. Idealismus oder Materialismus – Geld oder Leben!?
  45. Die Maslow-Bedürfnis-Pyramide oder fühlen und durchleben in der Kunst
  46. Jenseits der Worte
  47. Wahrheit und Verdrängung
  48. Das Gefühl für die Dinge oder von der Schwierigkeit, Kunst zu definieren
  49. Zwischen Selbsttransformation und Fremdwahrnehmung
  50. Die Absolutheit der Ich-Perspektive
  51. Fehler machen als „Sesam-öffne-dich“
  52. Kunst und die Visualisierung des Nie-Gesehenen
  53. Jede Regel will gebrochen sein
  54. Die Intrinsik als Wesenszug