Featured, Fotografie

Flaschist

Steife Uniformen geben Weicheiern Halt.

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Featured, Illustration

Als der Herzog in Herzegowina über Herzensangelegenheiten herzog

Oder: Warum der Herr Zegowina ein Rosenkavaliersdelikt begangen hatte.

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Featured, Literatur, Story

Thomas Mann in einem Zug

Heute im Zug bin ich Thomas Mann begegnet. Ich hab mich zu ihm gesetzt. Nicht einfach so, es war kein anderer Platz mehr frei und ich wollte die kommenden zwei Stunden

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Featured, Illustration

Rosenstacheldraht

Schlingpflanze mit großem Appetit.

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Featured, Illustration

Wellnessblech

Wellpapperlapapp: Well, well, die Hellnessbewegung.

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WidderSpruch. Roger Willemsen über die fehlende Kultur des Widerspruchs in der postmodernen Mediengesellschaft, über Uneigentlichkeit anstatt Streitbarkeit und Ironie als zweifelnde Doppeldeutigkeit anstatt Eindeutigkeit. Wer ein mündiger Bürger sein will, muss mündig kommunizieren, wer mündig kommuniziert, läßt Meinungen aufeinander prallen, kurz: der streitet sich. Und wer sich streitet, tut etwas für das gesellschaftliche Miteinander. Dafür, so Willemsen, muss man Sätze sprechen, für die man durchs Feuer geht, mit denen man anecken kann und für die man also einsteht. Er erzählt von einer Veranstaltung von Bertelsmann, wo Thomas Middelhoff, der damalige Bertelsmann-Manager, einem amerikanischen Medienmanager („Mr. Jones“) sagt, dass er, Willemsen, gerade gesprochen habe. Der Mann erkundigt sich bei Willemsen, worum es gegangen ei. Der antwortet: „Content“. Darauf der Manager: „Are you for or against?“ Gute Frage. ;-) Kommentieren.

WhiteWurf. Am Anfang steht die Leidenschaft. Zu Beginn seines großen Erfolges als Soulsänger war Barry White detaillierter, gefühlvoller, einfühlsamer seinem eigenen Werk gegenüber. Am Ende hatte man bei Live-Auftritten auch schon mal den Eindruck, dass er über die Bühne lief und sein Programm nur noch abspulte – der Preis dafür, wenn man ein Lied unendlich mal oft gesungen hat und es selbst nicht mehr hören kann. Wer zum Beispiel Elvis in Las Vegas live gesehen hatte, weiß was damit gemeint ist. Der King of Rock’n’Roll gab dort in den acht Jahren zwischen 1969 und 1977 635 Konzerte und rasselte sie oft genug im Eilverfahren herunter, weil es es selbst nicht mehr ertrug, in der Saison jeden Abend dasselbe zu singen. Zwischen der Überraschung über das eigene Können am Anfang der Karriere und der Langeweile am Ende, wenn nichts Neues mehr zu kommen scheint, liegt eine Zone der Professionalität, wo beides zusammenkommt: einerseits Frische und Dynamik der Anfangsjahre, andererseits die Akzentuierung des Gelernten in der reifen Endphase. Wenn man die eigenen Lieder einige Male gesungen und gespielt hat, hat man sie noch einmal anders verstanden und durchdrungen, man kennt sie und singt sie, gemäß des eigenen Lebensrhythmus’. Aus dieser Phase stammt die obige Aufnahme von Barry White, die noch einmal zeigt, wie sehr der Sänger seine Rhythmen verinnerlicht hatte. Fast schlafwandlerisch repetiert er seinen Song. Er singt ihn, als würde er ihn ein- und ausatmen. Kommentieren.

 

MiChaeild. Michael Jackson, am 29. August 1958 geboren und mit 50 Jahren am 25. Juni 2009 in Los Angeles gestorben. Er war erst 13, als er 1971 seine Solokarriere begann, da hatte er mit den Jackson Five allerdings schon lange ein paar Welterfolge feiern können. Michael Jackson hatte als Kinderstar begonnen, lebte quasi ab seiner Kindheit auf der Bühne und mit dem Showbusiness und konnte bei seinem frühen Tod dennoch auf eine über 40jährige Karriere zurückblicken. Ein Novum. Dass so jemand kaum Möglichkeiten hatte, zu reifen und erwachsen zu werden, scheint klar. Der Popmusik bescherte das einen Mann, der musikalisch keine Grenzen kannte und sich immer weiter neu erfand und entwickelte. Sein Werk ist eine furiose Fahrt durch eine der faszinierendsten Soundlandschaften, die es in der Popmusik gibt. Überhaupt übertrat er gerne Grenzen, veränderte sein Aussehen, feilte ein Leben lang an seinem Image wie an seinem Sound, setzte selbst das Label „King of Pop“ in die Welt und ging immer wieder auf die Bühne. Um Geld zu machen ließ er sich zuletzt auf eine Konzertreihe ein, die aber nie stattfand, weil er vorher starb: einerseits noch viel zu jung für den Tod, andererseits in seinem Kosmos des Nicht-Alterns steinalt und ausgebrannt – ein Mann, der ewig Kind bleiben, der immer offen für Neues sein wollte und sich zum Schluss betäuben musste, um sich darüber hinwegzutäuschen, dass er schon lange kein Kind mehr war und dennoch nie ein Erwachsener sein würde. Ein Mann in einem Zwischenreich, aus dem er nicht mehr entkam. Kommentieren.


HoundBird. Man glaubt es kaum aber manchmal werden Wesen, die nicht auf den ersten Blick zusammengehören, Freunde für’s Leben. Schön anzusehen. Kommentieren.


WhiteWedding. In den ausgehenden 1970er-Jahren – eigentlich dem Jahrzehnt des „Prog-Rock“, des durchdacht-langweilenden Progressive Rock oder Art Rock – bekam Disco-Musik, die bis dahin als niveaulose Tanzmusik imagemässig gleich auf mit Schlager und Trallala rangierte, völlig neue Impulse. Auf Endoplast war darüber ausgiebig nachzulesen. Die kurze Blüte anspruchsvoller Discomusik mit Gruppen wie Chic hielt als Massenphänomen jedoch nicht lange, als Disco in den 1980er-Jahren vor allem in Amerika angefeindet wurde bzw. zunächst sein Dasein auf den Tanzflächen der Welt fristete bzw. in anderen Musikstilen aufging. Zu Unrecht, wie sich später herausstellt. Denn Discomusik stand in der Tradition der ursprünglichen Soulmusik, die bald ein Revival mit modernen Mittel erleben sollte und heute aus der aktuellen Popmusik nicht mehr wegzudenken ist. Einer der Protagonisten des Vorläufers der Discomusik – des Phillysound – war der schwergewichtige Barry White, namensmäßig und auf der Bühne das genaue Gegenstück zu Soulstar James Brown. Seine tiefe Bassstimme, zu der es mit zehn Jahren nach einem zweiten Stimmbruch gekommen sein soll, wurde unverwechselbar – wie auch sein streicherbasierter Sound, der zwar seicht erschien aber letztlich stilbildend war und von großem Musikverständnis kündete. Barry White wurde eine Ikone neuer Tanzmusik vor allem durch sein Wirken in den 1970er-Jahren und auch noch in die 1980er-Jahre hinein. Später wurde er von einer jüngeren Generation Soul-enthusiastischer Musiker wiederentdeckt und stand für einige Duette zur Verfügung. Hier zu sehen ist Lisa Stansfield mit ihrem internationalen Hit All Around the World, in dem man sieht, wie präsent und rhythmisch stimmig Barry White nur durch kleine Rufe und angedeutete Dialoge den Song bereichert. Er muss gar nicht viel machen und zeigt doch in seinem gefühlsbasierten und zugleich professionellen Minimalismus, was er an exaktem Timing drauf hat. Die Musik von Lisa Stansfield und ihrem Produzenten-Duo Coltcut war stark beeinflusst vom Soul à la Barry White, der in seinen besten Tagen Sänger, Instrumentalist, Komponist, Arrangeur und Produzent seiner Musik war und damit so etwas wie Motown’s Norman Whitfield’s Nachfolger im Geiste wurde. Ähnlich kunstvoll und effekvoll arrangierte er die Streicher und ließ seine Stimme die mit Finesse instrumentierte Musik kontrastieren. 1989 schaffte White ein Comeback mit dem Album The Man Is Back!, es folgten die überzeugenden Alben The Icon Is Love (1994) und Staying Power (1999), die aber einen veränderten, modernisierten Sound ohne die alten Streicherkaskaden brachten. Anstelle des Schmeichelsound war eine Mischung aus Funk und Soul getreten, auch die Kompositionen waren nicht mehr so zwingend eingängig wie früher. Erkennungszeichen blieben aber seine unverwechselbare, tiefe Stimme und seine geschliffenen Produktionen. Kommentieren.

Der superschlimme Life is Short-Film. Wer kennt Daniel Kleinman? Wahrscheinlich kaum jemand. Daniel Kleinman ist ein Regisseur meist kleiner filmischer Werke aus der Werbung, vor allem aber für Musikvideos. Über 100 davon hat er gedreht, darunter auch etwas Längeres wie für die Madonna-Live-Tour The Virgin Tour oder damals Bekanntes wie Don’t you für die Simple Minds. Er hat aber auch die Vorspänne der letzten James-Bond-Filme gedreht. Für sein kommerziell-filmisches Wirken wurde als Commercial Director of the Decade gekürt, gemeint ist das erste Jahrzehnt in unserem Jahrhundert. Und auch seine Produktionsfirma Rattling Stick wurde entsprechend mit Lob überschüttet. Tatsächlich innovativ ist der Spot für Microsofts X-Box Champagne geraten, der hier oben zu sehen ist. „Life is Short“ heißt der. Und um die Zeit optimal zu nutzen, so die tiefgreifende Botschaft dahinter, soll man möglichst viel mit der Spielkonsole rumballern. Die Idee zum Werbefilmchen hatte Bartle Bogle Hegarty (BHH) aus London, eine der damaligen Top-Kreativagenturen in der weiten Werbewelt. Schließlich bekam der Spot 2002 sogar einen Gold Cannes Lions Award. Zu Recht? Denn der Film hat andernorts hohe Wellen geschlagen, weil die BBC sich weigerte, ihn auszustrahlen. Die Independent Television Commission (ITC) fand ihn aggressiv, schockierend und geschmacklos. Vor allem wohl, weil der fliegende Protagonist am Ende blasphemisch-gewalttätig landet und so sehr unsanft und unelegant aus dem Leben scheidet. (Wie eigentlich jeder von uns.) Und was ist da zu sehen? Ein Leben von der Geburt bis zum Sterben in unter 30 Sekunden. Ein Video, das zwischen Surrealismus und hartem Realismus schwankt. Auch in gewisser Weise eine Special-Effects-Orgie, weil nichts von dem, was da zu sehen ist und dabei irgendwie real wirkt, so irgendwo in der realen Welt zu sehen wäre. Ein Werbespot auch, wie er wohl nur für ganz wenige Kunden zu realisieren ist. Eigentlich macht er alles falsch, was man falsch machen kann: Er ist völlig geschmacklos, hat keine Story, macht sogar Angst, ist pessimistisch bis zur Endlos-Depression und der Slogan kann es auch nicht mehr rausreißen. Denn man müsste eigentlich sagen: Life is too short for playing. Eigentlich ist der Kürzestfilm keine Werbung mehr, sondern eine bittere Aussage über das Leben und seine Unabwendbarkeiten. Solche Spots machen Mut und sind der Beweis dafür, dass Werbung in Ausnahmefällen gar nicht so oberflächlich sein muss, auch wenn es in der Regel nur um des Effekts willen geschieht. Das Ergebnis zählt. Interessant zu sehen übrigens, wie die immer gleiche Mechanik funktioniert: Die einer zensieren und verbieten, die anderen preiskrönen und die Dritten reiben sich ob des medialen Effekts die microsoftigen Hände. Kommentieren.

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Das Übermüdungsherz

Posted on 06 Oktober 2014

Schlägt — bettet sich zur Ruh’ — deckt sich zu — und überlegt — schläft — träumt und tastet nach dem anderen. Continue Reading

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Das Neuste aus der Metallverarbeitung: Der Erzengel

Posted on 05 Oktober 2014

Unbekannte Legierung. Nicht zu kopieren. Gussform abhanden gekommen. Unglaublich hart und strapazierfähig. Continue Reading

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Illustration, Tagebuch

Herzstillstand

Posted on 04 Oktober 2014

Als der Herzkammerdiener einmal auf Pump gelebt hatte. Continue Reading

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Graues Starren

Posted on 03 Oktober 2014

Freisinn. StarSinn. Stardunst. Starrstaub. Continue Reading

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Warum der Gottesbeweis ein Liebesbeweis ist

Posted on 02 Oktober 2014

Gibt es einen Gott und gibt es die Liebe? Manches lässt sich nicht beweisen, gerade das nicht, von dem man nur annimmt, dass es vorhanden sei. Continue Reading

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Illustration, Medien

Mobile Madness and political Cointreauness

Posted on 01 Oktober 2014

Aus seiner Hosentasche war sein Handy gekullert und lag dort auf dem Boden vor ihm. Er hatte sich danach gebückt und wollte es aufheben. Continue Reading

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Kopfscherzartikel

Posted on 29 September 2014

Der Junge sieht die Katze auf dem Bildschirm an, die aus sicherer Entfernung einen Hund beobachtet. Sie schnurrt.  Continue Reading

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Schüsse aus dem Geigerzählerkasten

Posted on 28 September 2014

Lufti-Küsse. Tschüssi-Schlüsse. Umcare-Schüssel. Wunden-Schlüssel. Continue Reading

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Spiegel-i

Posted on 27 September 2014

Eines Tages, als sie mich Hornochse genannt hatte und gegangen war, setzte ich mich vor ihren Schminktisch und sah in den Spiegel. Continue Reading

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Die Wünschelroute

Posted on 25 September 2014

Ein Geheimnis, das zwei teilen, die nichts davon wissen, bleibt dauerhaft spannend. Continue Reading

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