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Schabenregulierung

Die Frau war nach Hause gegangen. Sie stand in einem Flur, der hellgrün gestrichen war. Hier oben sah er sogar richtig gut aus. Die Tür war von der Polizei vor Monaten eingetreten worden, bevor sie

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Gierlandung

Sein Weg hatte ihn aus dem Wohnviertel herausgeführt. Tom ging mit stapfenden Schritten über eine gefrorene Wiese und hörte die Geräusche der Zerknitterung.

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Bewegungsklang

Wäre Tom eine Ratte gewesen und das Straßensystem ein Labyrinth für Tierversuche, und hätte man ihn von weit oben beobachtet, wie er vor Kälte gebeugt

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Blütenteer

Tom hatte die Tür aufgeschlossen, sich die Schuhe ausgezogen und die Jacke an die Gaderobe gehängt. Er sah, dass sie in der Küche saß. „Hei“, sagte er.

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Zebrastreifengesicht

Wenig später stand der Billiardmann atemlos und vor Ungläubigkeit kopfschüttelnd im Raum: „Scheiße, das gibts doch nicht, der hat ihn echt abgemurkst!“ Der lesende

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Zoten-Quotenmatch. Am 13.04.2016, also kurz nachdem sie sich mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten-Anwärter Donald Trump getroffen hatte, konnte die Journalistin Megyn Kelly mit ihrer Sendung die beste Einschaltquote des Tages im amerikanischen Fernsehen erreichen. Nach ihrer lang anhaltenden medienträchtigen Kontroverse mit Trump hatte sie zum Treffen aber nichts Substantielles zu sagen. Dass es ein klärendes Gespräch gewesen sei und auf ihre Initiative hin stattgefunden habe. Trump habe sie freundlich empfangen. Sie hatte Trump in der ersten republikanischen Debatte der Vorwahlkandidaten im August 2015 hart mit dem Thema Frauenfeindlichkeit erwischt. Trump war wütend, auch ihre klaren Fragen zur Trump-University hatten den Kandidaten ins schwitzen gebracht. Die Trump University hatte, ohne eine reguläre Universität zu sein, ab 2005 Kurse im Bereich Immobilien, Wirtschaft und Finanzen angeboten, wobei die Kursgebühren bis zu 35.000 Dollar betrugen. Das New York State Education Department prangerte die Eigenbezeichnung als Universität an, weshalb sich die Trump University 2010 in The Trump Entrepreneur Initiative umbenennen musste. Schließlich ermittelte die New Yorker Staatsanwaltschaft wegen illegaler Geschäftspraktiken. Es kam ab 2013 zum Prozess, der auch bei den Vorwahlen thematisiert wurde. In eine von Kelly moderierte Sendung wollte Trump danach nicht mehr kommen. Inzwischen war Kelly in den Medien zur Vorzeige-Journalistin geworden, die auch in den Fox-fremden Zuschauergruppen Anteile hinzu gewinnen konnte. Dann stellte sich Fox-News-Chef Roger Alies im Konflikt mit Trump vor Megyn Kelly, wohl auch weil sie deutlich vernehmbar über ihre berufliche Zukunft nachgedacht hatte. Alies traf sich außerdem mit Trump, weil er noch im Mai 2016 ein Interview mit ihm will, das Kelly führen soll. Ein solches Interview zwischen den beiden Medienstars wäre der Quotenhit schlechthin. Es ist anzunehmen, dass Alies hinter den Kulissen weiter zwischen beiden vermittelt hat, weshalb Kelly schließlich zu Trump gefahren ist, um die Wogen zu glätten. Man kann dieses Gespräch politisch deuten oder als einen Marketing- und Wirtschaft-Coup. Denn Fox ist auf Megyn Kelly als Quotenbringer angewiesen und einen Medienevent des genannten Zuschnitts könnte der Sender ebenfalls gut vertragen. So vermischt sich im Amerika des Jahres 2016 alles miteinander: Trump als irrwitzig anmutender republikanischer Kandidat, der den Politiker gibt und der die eigene Partei, die ihn nicht haben will, in Verlegenheit bringt; sein Populismus, der mit ernst gemeinter Politik nichts zu tun hat, ihn aber von Wahlerfolg zu Wahlerfolg katapultiert; der Konflikt mit Kelly, die sie in ungeahnte Einschaltquoten-Höhen brachte, sie wohl sehr reich machen wird – man spricht darüber, dass über ein Jahresgehalt von 20 Millionen US-Dollar verhandelt wird – und sie zum Thema der öffentlichen Aufmerksamkeit macht; der Konflikt zwischen dem angehenden Politiker und der für europäische Verhältnisse schwer einzuordnenden, in jedem Fall aber mutigen Journalistin/Moderatorin, die für ihre Wertvorstellungen eintritt, der Konflikt also, der zum unterhaltsamen Thema des Vorwahlkampfes wird und so neben Trumps verbalen Provokationen Spannung in die Politik bringt; und nicht zuletzt die Unzufriedenheit der republikanischen Wählerschaft mit der etablierten Klientelpolitik, die die Interessen der Bevölkerung nicht genügend berücksichtigt. In gewisser Weise geht es bei diesem Wahlkampf nicht um konkrete politische Themen, sondern nur um den Umstand dass der republikanische Bewerber für den Präsidentschaftswahlkampf, Trump, ausspricht, was zwar politisch unrealistisch ist, wie eine generelle Einreisesperre von Moslems oder den Mauerbau zu Mexiko, aber damit zu verstehen gibt, dass er weiß, was viele Amerikaner fühlen. Das hat nichts mit Wahlversprechen zu tun, die tatsächlich realisiert werden, es ist mehr eine massenkollektive Triebabfuhr. Negativ ausgedrückt ist das zutiefst populistisch und Trump kommt einem vor wie der Rattenfänger von Hameln. Positiv ausgedrückt, ist er ein Politiker, bei dem sich viele Wähler atmosphärisch wiederfinden, weil er eine Antipolitik verkörpert. Hier geht es zu einem Hintergrundbericht zu dem Konflikt. Bitte klicken. Kommentieren.

Die französische 70er-Jahre-Fernsehsendung „Tac au tac“ (zu deutsch etwa: Wie aus der Pistole geschossen) zeigt jeweils mehrere Comic-Zeichner, die vor laufender Kamera auf einem großen Blatt zusammen zeichnen. Unterschiedlicher hätte in dieser Folge die Auswahl an Zeichnern kaum sein können: Im 13-minütigen Filmbeitrag zu sehen sind die Comic-Zeichner Burne Hogarth, John Buscema und Philippe Druillet. Das zeichnerische Thema von Hogarth und Buscema ist vor allem die menschliche Anatomie, Druillet war ab den 1970er-Jahren einer der avantgardistischen Pioniere einer neuen Welle von Comics, die erwachsenere Inhalte und eine anspruchsvollere Zeichentechnik brachten. Insgesamt prallen hier die eher klassische amerikanische Comicwelt und die französische innovative Comicszene allerdings versöhnlichlich aufeinander. Philippe Druillet hatte bereits 1966 seine Geschichte Le mystère des abîmes publiziert, in der sein Held Lone Sloane bereits Thema war, der ihn noch lange begleiten sollte. Drulliet ist nicht so sehr Zeichen-Techniker, seine Strichführung bringt oft nichts Besonderes und seine zeichnerischen Mittel sind begrenzt. Andererseits kann er als der Auto und Zeichner gelten, der in einzelnen seiner Geschichten tatsächlich Comic-Kunst zelebrierte. Seine Seitenkompositionen zeigten nie Dagewesenes. Druillet entführt den Leser und Betrachter in surreale grafische Welten. Im Jahr, als dieser Kurzfilm entstanden war, hat Philippe Druillet in Italien den European SF award for Comics für Lone Sloane erhalten. 1975 sollte er zudem mit Moebius/Jean Giraud, Jean-Pierre Dionnet und Bernard Farkas das wegweisende Erwachsenen-Comic-Magazin „Métal Hurlant“ gründen, das später die Ableger „Heavy Metal“ in Amerika und „Schwermetall“ in Deutschland erhielt. Damit wurde die Comic-Landschaft bleibend verändert. Die Epoche der Erwachsenen-Comics hatte begonnen. Die wichtigsten Beiträge lieferten damals neben den Franzosen Moebius/Jean Giraud und Philippe Druillet mit seiner Den-Saga und anderen Geschichten der Amerikaner Richard Corben. Das war auch deshalb wichtig, weil so eine kulturelle Brücke zwischen Europa und Amerika geschlagen wurde, was auch hier im Filmbeitrag der Fall ist. Dabei ist der unterschiedliche Produktionshintergrund der drei Zeichner das wirklich Interessante. Burne Hogarth ist eine Comic-Legende – zeichnerisch auf einer Stufe mit Alex Raymond (Flash Gordon) und Hal Foster (Prinz Eisenherz/Prince Vaillant). Alle drei Zeichner hatten das Privileg ihre Comics in Sonntagsbeilagen von Tageszeitungen zu veröffentlichen. Sie mussten in der Regel also pro Woche nur eine ganze Seite abliefern, was im Fall der drei genannten dazu führte, dass sie ihre Kunstfertigkeit bei den Zeichnungen immer weiter treiben konnten; denn eine Seite in einer Woche abzuliefern ist für amerikanische Verhältnisse zeitlich luxoriös. Im Gegensatz dazu hat beispielsweise Jack Kirby in den 1960ern und 1970ern Jahren ca. 15 Seiten pro Woche erdacht und mit Bleistift vorgezeichnet (die später von jemand anderem getuscht wurden), in den Jahrzehnten davor hat er mitunter 5-6 Seiten am Tag gezeichnet. Solch ein Fließbandzeichner ist auch der hier anwesende John Buscema. Man muss sich folgendes vor Augen halten: zwischen 1958-1970 hat Jack Kirby bei den Marvel Comic-Heften das Allermeiste gezeichnet und auch mit erdacht. Er galt als der maßgebliche Zeichner des Hauses Marvel und hat viele andere Zeichner, die später ihren eigenen Stil fanden, geprägt. Ob Barry Windsor-Smith, Frank Miller oder Jim Steranko: am Anfang ihrer Karriere zeichneten sie wie Kirby, weil sie mußten, damit der Hausstil gewahrt blieb, oder weil sie ihm nacheiferten. Der Nachfolger nach Kirbys Weggang war John Buscema. Während Kirby die menschliche Anatomie nicht realistisch widergegeben hatte, war Buscema in der Lage, die menschliche Anatomie idealtypisch abzubilden. Er hatte wie auch Kirby am Anfang das Glück, dass seine Bleistiftzeichnungen von Tusch-Genie Joe Sinnott getuscht wurden. So gibt es einige der ersten Hefte der Fantastischen Vier, von Thor und dem Silver Surfer, die wunderschön gerieten. Doch Buscema sollte sich sehr schnell verausgaben und zum Fließbandzeichner zweiter Klasse werden. 1972 jedoch, am Anfang seines Wirkens bei Marvel hatte er in der Zeichenrunde ein Portrait des Silver Surfers beizusteuern. Buscema stand damals, was die Proportionierung seiner muskulören Superhelden anbelangte, in der Tradition von Burne Hogarth. Hätte er weniger gezeichnet und sein großes Talent gepflegt, hätte er zur Welt der Comics mehr beitragen können. So bleiben nur einige wenige Hefte, an die man sich positiv erinnern wird. Buscema war ein weiteres talentiertes Opfer der Comicindustrie vergangener Tage. Burne Hogarth war seinerseits 1937 in die Fußstapfen eines ganz Großen getreten. Hal Foster hatte bis dahin die Tarzan-Sonntagsseiten gezeichnet. Hogarth übernahm und führte zunächst den Stil von Foster weiter. Doch dann wurde sein Zeichenstil immer expressionistischer und dynamischer. Die darstellerischen und zeichnerischen Fähigkeiten Hogarths verfeinerten und erweiterten sich zusehends. Er lehnte sich motivisch an die Ideale der Renaissance an und schuf einen Tarzan mit dezidiert ausgearbeiteter Muskulator. Hogarth wurde so der Zeichner, der die menschliche Anatomie am besten beherrschte. Auch seine Bildkompositionen vervollkommneten sich immer weiter und seine Darstellungen von Flora, Architektur, von Tieren oder Landschaft erreichten ein beim Medium Comic nie gesehenes Niveau. Speziell auch die Darstellungen von tosendem Wasser, von sich bewegenden Körpern, wilden Tieren und teils erfundenen Fantasiepflanzen erinnerten an die Techniken alter Meister wie Michelangelo und Leonardo DaVinci. Auf dem Höhepunkt seines Wirkens erreichte Burne Hogarth eine perfekte Strichführung wie kein Zweiter. Leider gibt es kaum eine Tarzanausgabe, die dem drucktechnisch gerecht wird. Oft lassen sich Originalvorlagen nicht mehr finden und wurden deshalb alte Zeitungsseiten reproduziert, die die Genialität der Strichführung teils ganz zerstören, teils nur ahnen lassen. Während die Werke von Alex Raymond und Hal Foster öfter in verttretbaren Editionen publiziert wurden, liegt im Deutschen keine Ausgabe vor, die Burne Hogarths Zeichentalent in voller Pracht zeigen. Jedenfalls ist aber das hohe Niveau seiner Zeichnungen dem Umstand geschuldet, dass er fast alles, was er gezeichnet hat, nicht nur als Fließband-Broterwerb gesehen hat, sondern es ernst genommen und weiter getrieben hat. Der Sonntags-Seiten-Intervall war dabei entscheidend. In diesem wöchentlichen Rhythmus konnte Burne Hogarth seinen Zeichenstil perfektionieren und jedes einzelne Panel ausarbeiten. Neben Phillipe Druillet, dem naiv zeichnenden Avantgardisten, der seine Geschichten in Metal Hurlant und in Alben veröffentlichte, John Buscema, dem Fließbandzeichner, der täglich liefern muss und damit sehr schnell über seine kreativen Verhältnisse lebte, ist Altmeister Hogarth das wahre Genie, das mit seinen Kräften gehaushaltet hat und deshalb nur ein vergleichsweise schmales Werk vorlegen kann. Neben Tarzan hat er noch Drago und Mister Miracle gezeichnet. Beides auf hohem Niveau aber nicht über seine Arbeit bei Tarzan hinausgehend. Der Unterschied zwischen den drei Comiczeichnern ist produktionstechnisch gesehen, dass er eine Magazin-Zeichner war, der andere Sonntagszeitungs-Zeichner und der dritte Comicheft-Zeichner – zwischen den drei Pubikationsformen liegen Welten. Hier eine weitere Folge von „Tac au tac“ mit Jean Giraud, Neal Adams und Joe Kubert.

Hier ist ein Podcast zu hören, der indirekt ein Schlaglicht auf die amerikanische Medienwelt und deren Politikbild wirft. Die Frage ist, wie man die Geschichte beginnt… Im Radiomitschnitt interviewt die berühmte Talk-Radio-Legende Howard Stern die Journalistin Megyn Kelly, die es beim rechtskonservativen Fernsehsender Fox News mit ihren Sendungen America’s Newsroom und The Kelly File zu großer Popularität gebracht hat. Eingestellt hat sie Fox-News-Channel-Gründer Roger Ailes, der den Sender für Milliardär und Medienunternehmer Rupert Murdoch hochgezogen hatte. Alies ist eine der interessantesten Figuren im amerikanischen Medienzirkus. Drei Präsidenten hat der Republikaner ab 1967 in ihre Wahlkämpfe geführt und beraten: Richard Nixon, Ronald Reagan und George H. W. Bush. Fox-News als Infotainment-Fernsehsender kann man als oft populistisch agierenden Medienkanal in Opposition zu Barack Obama sehen. Beim Stichwort „Ronald Reagan“ horcht man zudem auf. Denn schon dessen politische Karriere wirkte damals wie ein Witz. Der B-Movie-Schauspieler schaffte es von 1981-1989 mit Hilfe von Roger Ailes als Wahlkampfstrategen, der 40. Präsident der USA zu werden. Nun tobt der amerikanische Vorwahlkampf. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der Republikaner Donald Trump, der eine erfolgreiche Alleinstellung als Kandidat durch radikale Äusserungen, Tabubrüche und Beleidigungen geschafft hat und als Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner gilt, obwohl ihn die Republikaner nicht mögen. Die öffentliche Aufmerksamkeit musste sich Trump aber inzwischen mit Megyn Kelly teilen. Die hatte ihn während der ersten republikanischen Debatte, die im Fernsehen übertragen wurde zum Beispiel danach gefragt, ob es für ihn okay ist, Frauen als „Fat pigs“ („fette Schweine“), „Dogs“ („Hündinnen“), „Slobs“ („Schlampen“) oder „Disgusting animals“ („ekelhafte Tiere“) zu bezeichnen, wie er es tatsächlich öffentlich getan hatte. Dass Kelly ihn vor laufender Kamera derart korrekt zitierte, hatte Trump damals aus dem Konzept gebracht. Er hatte danach medial und im Speziellen auf Twitter gegen die Moderatorin gewettert, rief zum Boykott ihrer Sendungen auf, schrieb, sie sei überbewertet und verunglimpfte sie. In der Debatte hatte er es sich nicht verkneifen können, kurz einzupflechten, dass auch er mit Radio-Moderator Howard Stern befreundet sei und sie ihn ja auch kenne. Das war ein kleiner versteckter Hinweis auf ihre Offenheit in der oben nachzuhörenden Sendung, in der sie ungeniert auf sehr private Fragen geantwortet hatte. Ein repressives Mittel seitens Trumps, um sie einzuschüchtern. Gelungen ist es ihm aber nicht. Inzwischen hat Trump sich geweigert, sich noch einmal von Megyn Kelly interviewen zu lassen, was für beide Seiten keine gute Lösung ist. Denn eine Vorzeige-Journalistin ohne den Spitzenkandidaten und ein Spitzenkandidat ohne den erwarteten medialen Schlagabtausch ist weder für Fox News noch für Trump gut. Inzwischen haben sich Kelly und Trump zu einem persönlichen Gespräch getroffen. Kelly jedenfalls hat Roger Ailes neue Zuschauerschichten erschlossen und gilt als das quotenreichste Zugpferd bei Fox News – wohl auch der Grund, warum Alies sich im Konflikt Kelly/Trump vor seine Moderatorin gestellt hat. Hier ist der Talk, der in diesem Beitrag nur zu hören ist, in einem Auszug auch als Video zu sehen. Kommentieren.

Das Bauhaus, Apple mit Design-Chef Jonathan Ive oder das Produktdesign der Firma Braun mit Designpabst Dieter Rams wollten es gestalterisch, Samuel Beckett wollte es literarisch, Henry Moore künstlerisch: die größtmögliche Einfachheit. Sie alle wollten in Ihrer Kunst, in ihrem Schreiben oder in ihrer Gestaltung weg von der Informationsflut und hin zu den wesentlichen Aussagen. Klare Aussagen, die schnell und ohne Schnickschnack auf den Punkt kommen, ermöglichen mutige Entscheidungen. Das Gegenmodell wäre angesicht all der unendlichen Fülle dessen, was man weiß, gar nichts mehr zu entscheiden und alles auszusitzen. Im TED-Vortrag, der bei ähnlichen Themen normalerweise mindestens 15-30 Minuten dauern würde, kommt Ökologe Eric Berlow innerhalb von drei Minuten darauf, wie man Komplexität vereinfacht und Kompliziertheit durchschaut – oder entlarvt. Man zerlegt das große Ganze in Teileinheiten und arbeitet sich von dieser reduzierten Komplexität zur vollständigen Komplexität vor. Dahinter steckt die Methode, das scheinbar Undurchdringliche durchschaubar zu machen. Berlow führt es anhand von zwei Beispielen vor. Dabei verliert er keine Zeit und sagt keinen Satz zuviel. Seine Klarheit ist entwaffnend. Das mag sich auch auf das Beispiel des amerikanischen Militärs in Afghanistan beziehen, das er im Video heranzieht. Hier das deutsche Transkript des Vortrags. Bitte klicken.


Wie nehmen wir Wirklichkeit wahr bzw. wie können wir Wirklichkeit einigermaßen hinreichend erkennen? Dass wir es nicht können oder nur fragwürdig scheinobjektiv – davon handelt die eine oder andere Philosophie nicht erst seit Kant. Ein Mittel der Wirklichkeitserschließung ist die Sprache. So sind Implikationen und Bedeutungen in der Alltagssprache das Thema des zweiten Teils des NDR-Beitrages zur Erklärung der philosphischen Welt Ludwig Wittgensteins. Der hatte zu Lebzeiten seinen „Tractatus logico-philosophicus“ publiziert und danach drei Jahrzehnte lang an einer anderen Philosophie gearbeitet, die seine erste erweitern oder gar widerlegen sollte. Dieses zweite Werk, „Philosophische Untersuchungen“ wurde posthum 1953 veröffentlicht, nachdem Wittgenstein 1951 gestorben war. Beidesmal steht im Zentrum als Erkenntnisinstrument die Sprache. Während in der ersten analytischen Sprachphilosophie eher die Sprache, Logik und ihre Möglichkeiten beschrieben werden, geht es in der zweiten um Alltagssprache, Sprachspiele, Sprachverwirrung und um Sprachskepsis. Die unverrückbare Logik der ersten Philosophie wird zur wandelbaren Grammatik der zweiten. Eine zentrale These seiner Philosophie der Spätphase ist: Die Sprache selbst ist das Vehikel des Denkens. Wittgenstein geht davon aus, dass der Mensch in Form der Sprache denkt und nicht parallel dazu noch die Bedeutung dieser Sprache denkt. Deshalb wäre die Sprache gleichzeitig Medium/Form und Inhalt des Denkens. Er behauptet: Der Gebrauch der Sprache ist gleich ihrer Bedeutung. Hier geht es um die Gebrauchstheorie der Bedeutung, mit der Wittgenstein seine erste der analytischen Philosophie selbst relativierte oder erweiterte, je nachdem wie man es betrachtet. Wie man die Welt in ihre Einzelteile zerlegt und analysiert, und dabei unterschiedlich zerlegt, desto anders ergibt sich die Weltsicht. Deshalb soll es keine Erklärungen mehr geben, nur noch die Beschreibung der Wirklichkeit – keine Elementarsätze also wie in der Philosophie des „Tractatus logico-philosophicus“.

 


Ludwig Wittgenstein, der 1889 in Wien geborene Millionärssohn, der später sein Erbe verweigern sollte, entwickelte zwei Philosophien. Von der ersten handelt dieser Audiobeitrag, in dem es um den Rahmen für Wittgensteins erstes Werk „Tractatus logico-philosophicus“ (1921) geht. Darin sagt er unter anderem: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“. Wittgestein schreibt darin in einer der bisherigen Philosophie fremden Art und Weise, die aus seiner Vorgeschichte als Ingenieur und Logiker stammt, über die Sprache als Erkenntnis- und Bewusstseinpforte. In der heutigen Welt der Lehr- und Hohlformeln sowie der politischen Vaccum-Sprache sind Ludwig Wittgenstein und sein Anspruch an eine exakte Sprache aktueller als je. Jedoch ist sein Ansatz als Begründer der analytischen Philosophie nicht ein „Richtig“ oder „Falsch“ in der Aussagefähigkeit der Sprache, sondern es ist die „Sinnhaftigkeit“ des Ausgesagten: Ist das, was ich sage, sinnvoll oder nicht? Es kann wahr oder falsch sein, dennoch bleibt die Frage, ob es unabhängig davon Sinn macht. Das, was Wittgenstein unserer heutigen Zeit hinterlassen hat, zeigt sich auch in dieser seiner Aussage: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ – das wäre in unseren Blabla-Zeiten echt innovativ.

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Under-Bewusstseins-Berg

Posted on 03 März 2016

…bis dem Bewusstsein klar geworden war, dass es neben den unklaren, den ungefühlten und unbewusst-versteckten Gefühlen bewusste aber auch völlig unbewusste rationale Gedanken gab und er sich Continue Reading

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Gesichtsqualle

Posted on 02 März 2016

Qual der Freude. Als Kind hatte Tom mit einer Blumenkohlspinne gesprochen. Jahre später hätte er schwören können, auch mit einer gespielt zu haben. Continue Reading

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Schalentier

Posted on 01 März 2016

Schalotte im Utraschalbereich. Continue Reading

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Glutengel

Posted on 29 Februar 2016

Als Junge in der Schule hatte er immer Nasenbluten, ein Mädchen aus der Klasse nannte ihn Blutbengel. Es klang komisch und niemand lachte und deshalb wiederholte sie es nicht mehr. Ein Glück. Tom lag mitten in der Nacht im Bett – was ungewöhnlich war, weil er nachts oft auf war. Sie hatte ihn angestupst. „Was?“ […] Continue Reading

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