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Spaltgesicht

Später stand er am Fenster, das auf Kipp gestellt war und blies den Rauch seiner Zigarette hinaus. Warum vergiftete sie ihn nicht? Es war die alte Sache:

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Moers Festival 2016

Es hat stattgefunden, das 45. Moers Festival. Sicher war das nicht, erst am 10. März stand die Finanzierung.

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Zementgesicht

Das Telefon schellte. Der Finger einer breiten Hand tippte auf den Bildschirm, um das Gespräch anzunehmen: „Ja?“ – „Ich bin‘s.“ – „Ach… hätt ich ja nicht gedacht. Wie geht‘s denn?“ Sie war genervt, ließ

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Der motivierte Sklave

„Höchstens von mir.“ Ein angedeutetes Lächeln dabei. „Aha.“ Er ging nicht näher drauf ein. Sie sah, dass er dem am liebsten ausweichen wollte

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Bloodstorys: Als Zeki sich einmal ganz schön zerteilen musste

Zeki war im Himmel und erinnerte sich daran, dass er vor Jahren schon einmal die Katze Bonny überfallen hatte. Damals war er gar nicht richtig

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Über Steve Jobs, wie er die Welt sah und was seine speziellen Leistungen waren, kann man viel nachlesen und sich viel ansehen. Im Video ist ein Teil seiner Keynote auf der Macworld in San Francisco am 9. Januar 2007 zu sehen, in der er das iPhone vorstellt. Die Präsentationen von Jobs sind viel beachtet und wurden immer begierig von Fachleuten, Konsumenten und den Medien erwartet. Warum eigentlich? Jobs war kein großartiger Redner, wohl aber einer, dem man anmerkte, dass er sehr gut vorbereitet von seinen Produkten selbst überzeugt und begeistert war und sie selbst nicht nur gut fand, sondern sie als etwas sehr Besonderes ansah. Oft hatte er darüber gesprochen, dass seine Produkte Kunstwerke seien.
Der Apple-Gründer wurde als ein Mensch beschrieben, der anderen gegenüber kalt, aggressiv und rücksichtslos sein konnte. Seine Produkte aber liebte er, das war ihm stets anzumerken. Dass ein hoch intelligenter Mensch wie er, eine solche Transformation vollzieht – also sein Selbstbild, ein besonderer Mensch zu sein, auf seine nach seinen Vorstellungen geschaffenen Produkte überträgt – mag nicht verwundern. Die Bühne und die Bühnenshow selbst waren ebenfalls nie aufwendig. Einzig die Präsentation und ihre Genauigkeit, ihre Konzentration auf das Wesentliche, waren auffällig und besonders.
Jobs war ein Vertreter des Weniger ist mehr. Er hat stets danach gesucht, was er weglassen kann, worauf er seine Kräfte focussieren kann. Nicht alles machen, sondern das, was man macht, extrem gut – das war seine Devise. Er wollte ab dem ersten Apple Macintosh Kompaktheit, Einfachheit und dadurch Klarheit. Es ist die Klarheit, die er als Jugendlicher in Zen und im Budhismus oder später in der japanischen Kultur kennengelernt hatte. Das, was die Jobs-Präsentationen besonder gemacht hat, war also weder die rhetorische Leistung noch der Aufwand bei der Präsentation. Die Steve-Jobs-Präsentationen kamen immer augenfällig auf den Punkt mit Fakten, Analysen und eindrücklichen Verdeutlichungen von Sachverhalten, die jeder versteht. Seine Sprache war die Einfachhheit und gut gemachte Einfachheit ist zwingend.
Es waren zwei Aspekte, die seine Präsentationen zum Erlebnis machten. Der erste, der auf der Hand liegt und hier bei der Vorstellung des iPhone deutlich wie nie zuvor zu Tage trat, war, das Steve Jobs der Weihnachtsmann für Technikinteressierte war. Jedesmal hat er Produkte und Technologien vorgestellt, die entweder die Referenzklasse für den Rest der Industrie waren oder wurden oder aber weit vom gängigen Standard entfernt waren, seine Zukunft sozusagen. Zum Zeitpunkt, als das iPhone vorgestellt wurde, war vor allem RIMs Backberry im Businessektor federführend und ein Vorbild. E-Mails mit dem Blackberry funktionierten hervorragend, ebenso waren Sicherheit und Verschlüsslung State of the Art. Nur das mobile Surfen im Internet ließ mehr Wünsche offen, als dass es sie erfüllte, weil die mobile Browsertechnologie viele Webseiten nicht richtig wiedergab.
Mit dem iPhone änderte sich vieles. Nicht nur das mobile Surfen wurde qualitativ besser und einfacher, es kamen andere Dimensionen wie Musik über iTunes, die Touchfähigkeit des Displays, die virtuelle Tastatur und ein wegweisendes User Interface dazu. Steve Jobs war der Weihnachtsmann, weil er hier wieder einmal alle überrascht und die Erwartungen übertroffen hatte. Dabei ist der zweite wichtige Aspekt, warum die Apple-Präsentationen so eine Wirkung entfalteten, dass Steve Jobs in doppelter Hinsicht exakt wahrnahm, was die Leute hören wollten: Einmal ganz allgemein der Konsument und zum anderen der Zuhörer im Auditorium. Was den Konsumenten anbelangt, schuf Steve Jobs Produkte, die so waren, dass er selbst als Schöpfer dieser Gadgets sie gerne haben wollte und damit auch der potenzielle Käufer. Schon sehr früh wußte Jobs, wie ein Produkt sein musste, damit es besonders war und gerne gekauft wurde. Das klingt wie ein Binsenweisheit. Tatsächlich vermochte es Jobs aber dann, so sehr und so detailbesessen darum zu kämpfen, dass dieses Produkt auch entstand. Er überzog Entwicklungszeit und Budgets, trieb Soft- und Hardwareingenieure in den Wahnsinn und später würde jeder sagen: Es war ein Kampf aber kein anderer außer Steve hätte das hingekriegt. Seine Präsentationen dieser Wunschprodukte, die kollektive Bedürfnisse zu erfüllen schienen, waren sehr gut vorbereitet aber was zählt, ist jenseits jeder Rhetorik die Begeisterung im Saal. Und die kommt nicht von ungefähr.
Es ist vielmehr eine Kettenreaktion: Das einmalige Produkt begeistert Steve Jobs, weil es – obwohl es ein Gebrauchsgegenstand ist – wie ein fantastisches Kunstwerk das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Die Begeisterung von Jobs springt dann auf das Publikum über und von dort pflanzt sie sich über die Medien fort. Ausgangspunkt ist aber, dass Steve Jobs als eine Art Creativ-Director etwas in Technik und Design geschaffen hat, das auch vom Betrachter als etwas Besonderes angesehen wird, weil die Begeisterung von Jobs glaubwürdig ist: Was ihn aus der Reserve lockt, muss einfach gut sein. Dies wird mit Werbung, Erfolgsgeschichten und trefflichen Anlysen der Bemühungen der Konkurrenz  weiter vertieft und positiv aufgeladen.
Hier in der Präsentation zum ersten iPhone ist deshalb nicht nur das Produkt und die Dramaturgie der Präsentation bestehend, sondern auch die Konkurrenzanalyse. Jobs zeigt mit wenigen Bildern und in wenigen Worten, was ihm an den bisherigen Smartphones nicht gefallen hat. Die Mischung aus seriöser Analyse und Häme über das Unvermögen der Mitbewerber am Markt deckt jede Befindlichkeit im Saal ab. Über allem schwingt die Marke Apple, aus der Jobs 10 Jahre zuvor, als Apple am Boden lag, wieder eine Erfolgsgeschichte gemacht hat, und die Übermarke „Steve Jobs“, der längst als Genie verklärt war und in der Tat Eigenschaften für die Produktformung mitbrachte, wie kein zweiter großer Unternehmer seiner Generation.
Außerdem sind in der Präsentation die Innovationen von Apple noch einmal Thema. Die komplette Präsentation ist übrigens hier zu sehen. Warum waren rund um den Globus so viele traurig, als Steve Jobs gestorben war? Eine Antwort ist, dass er mit seinen Produkten bei Apple (und auch bei NeXT und Pixar) Ideen realisiert hat, mit denen er Menschen Wünsche erfüllt hat und deren Ideen Menschen inspiriert haben. Dass er die Welt technologisch verändert haben soll, ist wahr: Angefangen beim User Interface (der Benutzeroberfläche) des Apple Macintosh, der in Software und Hardware ein neuartiger PC war, über die iMacs, Laptops, den iPod, das iPhone und das iPad sowie viele Softwarelösungen wie das OS-X-System, iTunes oder den AppStore haben diese Technologien die Art, Technik in den Alltag und die eigene Lebenswirklichkeit zu integrieren, geändert.

Hier oben ist Robert Palmer mit seinem Song Addicted to love zu sehen. Bei Erscheinen hat das Video für Furore gesorgt. Die Instrumente spielen Models. Welch Frevel für einen echten Musiker. Aber auch in seiner Ernsthaftigkeit sehr witzig – fast genauso wie Donald Trump, bei dem man nicht genau weiß, ob man lachen oder weinen soll. Geht es um Macht, ist eine Selbstdarstellung, die die Wahrheit verzerrt, nicht weit. Donald Trump, der Mann der starken Sprüche, der alle Moslems aus Amerika ausweisen und alle Mexikaner mit einer hohen Mauer fern halten will, ist weniger ein Mann des Inhalts und mehr einer der Verpackung. Seine architektonisch unglaublich konstruierte Überkämmfrisur ist da symptomatisch. Als Trump bei den republikanischen Vorwahlen in Indiana am 4. Mai 2016 gewonnen hatte und Kontrahent Ted Cruz seinen Wahlkampf geschlagen beendete, sah man Trump mit drei modelhaft gestylten Frauen (Ehefrau, Tochter und Schwiegertochter) auftreten. Das erinnerte sehr an Robert Palmer und seine Video-Models, die nur so taten, als könnten sie die Instrumente spielen.

Das scheint auch zu Trump genau zu passen, der nur so tut, als könnte er Politik machen. Ja, er ist durchsetzungsstark, ja, er lässt sich nicht klein kriegen, und ja, er hat eine Wahlkampfstrategie ausgeführt, die die Frustration vieler Wähler in seine eigene Wahlurne kanalisiert hat. Doch das Gesicht und der Kandidat sind hohl. Es verbirgt sich jeder beliebige Inhalt dahinter. Solange Wähler darauf anspringen.


Durch den Disput mit dem republikanischen Bewerber um die Präsidentschaftswahl, Donald Trump, ist Journalistin Megyn Kelly neben Trump selbst zum medialen Hauptthema des amerikanischen Vorwahlkampfes avanciert. Wie schon berichtet, hat sie am 6. August 2015 in der ersten Debatte der republikanischen Bewerber für das Amt des US-Präsidenten 2016 Donald Trump sehr klare Fragen bezüglich seinen beleidigenden Äußerungen Frauen gegenüber gestellt und musste später dafür büßen. Trump hat seither viele Gelegenheiten genutzt, sie als „drittklassige“ Journalistin zu titulieren und sie weiter abzuwerten. Inzwischen hat Kelly Trump interviewt und mit ihm offenbar eine Art Burgfrieden vereinbart – und das, obwohl sie von Trumpanhängern Morddrohungen erhalten hat. Ein für Kelly besonderer Umstand war, dass Trump auch in Sendungen auf ihrem eigen Sender Fox-News über sie hergezogen ist. Hier im Interview mit Charlie Rose in der Sendung CBS News Sunday Morning von Anfang April 2016 bleibt sie diplomatisch, macht aber klar, dass sie sich anstelle von Fox-News-Moderator Bill O’Reilly anders verhalten hätte. Der hatte Trump in seiner Sendung interviewt und Trumps negativen Worten über Megyn Kelly nicht widersprochen. Der Grund dafür mag auch sein, dass Kelly bei Fox-News nicht zuletzt durch die Zugkraft des Konfliktes mit Trump zur Moderatorin Nummer 1 geworden ist, was zu einer verstärkten Konkurrenzsituation unter den Moderatoren geführt hat. Im Interview sieht man eine Megyn Kelly, die etwas nachdenklich geworden zu sein scheint. Man merkt ihr an, dass sie unter starkem Druck stand. Druck von seiten ihrer Kollegen, von Seiten Trumps und durch die öffentliche Diskussion. Sie sagt von sich, dass sie eine Infragestellerin („Contestifier“) sei und nicht eine Angreiferin. Dass sich ihr Kollege Bill O’Reilly gegen Trump nicht vor sie gestellt hat, bezeichnet sie als „dunklen Moment“ in ihrem Leben. Wichtig sei ihr vor allem, dass sie nicht allein den Konflikt aushalten müsse, sondern ihre Kinder ebenso, die von ihrer Mutter in den Medien lesen und hören würden. In den USA wurde, bis die beiden sich nun wieder vertragen haben, diskutiert, dass Donald Trump von Megyn Kelly bessessen sei, Trump-Befürworter stellten das umgekehrt dar. Kelly jedenfalls hat über ihre berufliche Zukunft nachgedacht. Natürlich hätte sie den Sender wechseln können, immerhin bringt sie Fox News die höchsten Einschaltquoten. Zudem hat sie im Februar 2016 einen Vertrag bei HarperCollins für ihr erstes Buch Settle for More unterzeichnet, das am 15. November 2016 damit in einem Verlag erscheint, der zum Medienimperium von Rupert Murdochs News Corporation gehört, der auch Fox und damit Fox-News angehören. Das Buch soll ihr geschätzte 3-5 Millionen Dollar bringen und natürlich bewirbt sie es selbst in ihren Sendungen. Zudem soll ihr Jahresvertrag bei Fox News inzwischen nach 9 Millionen US-Dollar Jahresgehalt in 2015 nun geschätzt bis zu 17 Millionen Dollar wert sein. Der Trump-Konflikt hat der Aktie „Megyn Kelly“ jedenfalls eine schöne Wertsteigerung beschert. Weitere Infos:
Hier gehts zum aktuellen Kelly/Trump-Interview.
Megyn Kelly über ihr Treffen mit Trump vor dem Interview.
Megyn Kelly im Talk-Radio bei Howard Stern.


Spiegel online sieht die Journalistin Megyn Kelly, die sich mit dem Anwärter auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur, Donald Trump, angelegt hatte, indem sie ihm kritische Fragen zu seinem Sexismus gegenüber Frauen vorgeworfen hatte, inzwischen als Verräterin am Journalismus. Das ist das übliche Medienschicksal: Vom größten Lob begleitet, kann der Sturz in der Medienwahrnehmung tief sein. Die Wahrheit ist aber etwas komplizierter. Trump hat sich in den Vorwahlen gegen alle seine Mitbewerber in der republikanischen Partei durchgesetzt. Er selbst, ein Unternehmer und Dollar-Milliardär, der noch nie politisch aufgetreten ist, war dem republikanischen Establishment unlieb, an seinen Erfolgen kann die Partei dennoch nicht vorbei. Der Hintergrund von Trumps Wahlerfolg muss im größeren Maßstab betrachtet werden. Bei den Republikanern ist in den letzten Jahren der Tea-Party-Flügel zur politischen Kraft geworden. Die Tea-Party-Bewegung ist durchschnittlich rechter als der Mainstream-Republikaner, radikaler und fügt in ihrem Wirken eine Mischung aus unpolitisch-dümmlich hinzu, weil dort absurde Forderungen aufgestellt und Weltbilder geteilt werden, die Verschwörungstheorien oft näher sind als diskutierbaren Realitäten. Die Tea Party kann von ihrem Niveau her mit der deutschen Pegida verglichen werden. Nur hat die republikanische Tea Party neben ihren Rechts-außen-Positionen noch eine andere Seite: Sie ist ein Sammelbecken der Unzufriedenen. Auch jener Unzufriedenen, die sich von der amerikanischen Demokratie nicht mehr oder nur unzureichend repräsentiert fühlen. Ein Dilemma alter Demokratieren auch in Europa, bei denen Parteien Entscheidungen gegen die Interessen der Gesamtbevölkerung fällen. Donald Trump hat durch einen emotionalisierenden und zugleich radikalisierenden Wahlkampf all jenen eine Stimme gegeben, die mit dem politischen Establishment der Republikaner nichts mehr anfangen können – und das sind sehr viele, offenbar sogar eine Mehrheit, zumindest im Vorwahlkampf. Obwohl Trump also gegen alles und jeden geschimpft hat, zum Beispiel gegen Muslime, Frauen, Schwarze oder Mexikaner, ist seine Rechnung aufgegangen. Zwar hat er noch nicht alle Stimmen im Vorwahlkampf erreicht, um nominiert zu werden aber jeder spricht davon, dass die republikanische Partei an seinem erdrutschartigen Sieg nicht mehr vorbei kommt. Innerhalb dieses Vorwahlkampfes hatte sich die selbstbewusste Journalistin Megyn Kelly eingeschaltet. Sie arbeitet für das Fernsehnetwork Fox als Nachrichtenmoderatorin bei Fox News und hat Trump zweimal sehr kritische Fragen gestellt. Neben seinem beleidigenden Umgang mit Frauen hat sie ihn auch als Unternehmer in Frage gestellt, als es um seinen umstrittenen Geschäftsbereich Trump University ging. Beides Mal hatte sie ihn kalt erwischt und der Kandidat Trump sah nicht gut aus. Er hat vor allem in seinen Twitter-Tweets gegen sie zurückgeschlagen und damit seine Befürworter gerade im Internet weiter angestachelt. Hier im Video beginnt das Interview, das Kelly gestern mit Trump geführt hat, ab Minute 6:05. Davor wird noch einmal der Kelly/Trump-Konflikt dokumentiert. Bei Minute 5:02 werden stichprobenhaft in einer Grafik Begriffe aufgeführt, mit denen Megyn Kelly innerhalb von 24 Stunden in Twitter-Tweets tituliert wurde, nachdem Donald Trump sie verunglimpft hatte: 423x Bitch (Miststück), 404x Bimbo (Tussi), 128x Blonde (Blondchen), 88x Whore (Hure), 66x cheap (billig), 59x ugly (hässlich), 39x Skank (Hure), 34x C (für Cunt, Fotze), 27x Slut (Schlampe) und 13x Hooker (Nutte). (Das reine Interview ohne diese dokumentarische Einleitung ist in schlechterer Qualität übrigens hier zu sehen.) Trump selbst bezeichnet seine Art mit Gegnern umzugehen (Minute 19:22) als: It’s a modern day form of fighting back (übersetzt etwa: Das ist eine zeitgemäße Art zurückzuschlagen). Auf Kellys beharrliche Frage: You wanna stop that as president? (Übersetzt etwa: Würden Sie damit aufhören, wenn Sie President wären?) antwortet Trump eher ausweichend, gibt aber zu verstehen, dass er moderater wäre. Im Gespräch bezeichnet Trump seine aggressiven, polarisierenden Wahlkampf als Strategie, in dem er keine Schwäche zeigen durfte, um gewinnen zu können. Warum hat Kelly ihrerseits Trump die harten Fragen im Vorwahlkampf gestellt? Fox News gehört Medienunternehmer Rupert Murdoch, der Trump zunächst nicht über den Weg getraut hat. Chef bei Fox News ist Roger Ailes, ein im republikanischen Establishment gut verdrahteter und verankerter Republikaner. Mit dieser doppelten Rückendeckung war es für Megyn Kelly also recht einfach, zu versuchen, Donald Trump mit unangenehmen Fragen zu demontieren. Inzwischen ist auch Trump – nachdem er seine Wahlerfolge eingefahren hat und kein republikanischer Gegenkandidat mehr da ist – moderater, staatstragender und damit mainstreamiger geworden. Kelly saß im Interview einem Mann gegenüber, der wohl Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaft werden wird und der somit potentiell amerikanischer Präsident werden könnte. Unter diesen veränderten Vorzeichen, bei denen sich Trump und die republikanische Partei Stück für Stück angenähert haben, werden auch Ailes und Murdoch einen anderen Blick auf Trump werfen. Das Gespräch zwischen kelly und Trump jedenfalls ist nicht unkritisch aber hat einen generell versönlichen Unterton. So, als würde Megyn Kelly Trump ihren politischen Segen erteilen. Die bohrenden Fragen, die Trump herausgefordert und bloßgestellt hatten, sind passé. Selbstbewusst ist Kelly aber geblieben. Eine klassische Win-Win-Situation im Medienzirkus: Trump redet wieder mit Kelly, was ihr Quotenhochs bringt und Trump fühlt sich wohl in seiner Rolle, dass die harte Journalistin ihn um ein Interview bittet. Ihre Fragen zu beantworten, verleiht dem Kandidaten die nötige Seriosität. Nachdem Trump zugegeben hat, dass seine verbalradikalen Entgleisungen Strategie waren (um Wähler zu ködern), hat er damit einmal mehr den amerikanischen Vorwahlkampf als Entertainment-Eldorado offenbart. Und die Durchschnitts-Wähler als Stimmvieh, das auf medial verbreitete grobe Reize reagiert. So wie die früheren kritischen Fragen Kellys dem Publikum einen verunsicherten Trump zeigten, präsentiert sie ihm jetzt einen vermeintlichen Gewinner. Das eine wie das andere war und ist politisch gewollt. Drahtzieher hinter all dem ist Roger Ailes, der als ehemaliger Präsidentenberater dem republikamischen Establishment verpflichtet ist.

Dass eine neue Stil- oder Kunstrichtung das Werk eines genialen Einzelnen ist, mag ein populärer Mythos sein. Selbst in den Naturwissenschaften basiert das Aktuelle, das Neue, auf dem, das vorher war. (Das gilt zum Beispiel auch für Innovatoren Albert Einstein). Das Neue in der Kunst oder der Gebrauchskunst gestaltet sich so gesehen als Augenblick einer evolutionären Metamorphose der Formen. Der Jugendstil, der die Zeitenwende des Fin de Siècle (übersetzt etwa: “Jahrhundertende”) zwischen 1890 und 1914 begleitete, trat mit einer abstrahiert überbetonten Linearität der Schönheit und der Gediegenheit die Zeitenwende an. Das Fin de Siècle galt dabei als dekadent. Betrachtet man Überästheten wie den Österreicher Gustav Klimt oder den Engländer Aubrey Beardsley ist diese Dekadenz deutlich sichtbar. Überhaupt: Nebensächliches und inhaltlich Unbedeutendes in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken, wie das für die Schönheit in der Kunst galt, ist eigentlich ein Frevel. Der Jugendstil tat es. Zu verstehen sind solche Bewegungen nur im Zusammenhang. Hier am Anfang und am Ende des Videobeitrages zu sehen sind das Sammler-Ehepaar Carolyn und René Balcer, und in der Mitte des Beitrags sieht man René Balcer bei einem Vortrag im Virginia Museum of Fine Arts. Es geht dabei um den Künstler Kawase Hasui, der zu den bedeutendsten japanischen Druckgrafikern zählt. Kawase lebte von 1883-1957 und galt als Meister des japanischen Holzschnitts innerhalb der Shin-hanga-Bewegung, bei der Künstler Entwürfe lieferten, die im Holzschnitt umgesetzt wurden. Typisch waren alltägliche Szenen, die traditionelle Landschaften und Stadtansichten enthielten. Shin-hanga wurde von der westlichen Kunst beeinflusst, während Holzschnittkünstler wie Kawase Hasui wiederum auch die westliche Kunstwelt beeinflussten – insbesondere den Jugendstil. Dabei ist zentral, dass der europäische Jugendstil, der etwa 20 Jahre lang zwischen dem 19. zum dem 20. Jahrhundert entstanden war, von der Klarheit der Formen und der floralen Ausgestaltung und Symbolik asiatischer Holzschnittkunst beeinflusst war. In formaler Nachfolge entwickelte sich nach dem Jugendstil zwischen 1920-1940 Art déco, eine designorientierte dekorative Formensprache, die ebenfalls von Klarheit, Eleganz, Rechtwinkligkeit und Symmetrie bestimmt war. Ähnlich wie im Flatdesign heute, fehlte den Motiven Räumlichkeit, die Darstellung war oft flach und unschattiert, was eine Abstrahierung hin zum Plakativen ergab. Auch andere reduktionistische Kunst- oder Gestaltungsbewegungen wie das Bauhaus in Deutschland, De Stijl in den Niederlanden oder Esprit Nouveau in Frankreich korrespondierten formal mit dem Art déco. Und vieles davon war durch Holzschnitte wie die von Kawase Hasui beeinflusst. So reicht die evolutionäre Entwicklung grafischer Stilistiken über mehr als ein Jahrhundert und führt bis zum aktuellen Longshadow-Illustrationsstil. Carolyn und René Balcer schlagen als Sammler der Drucke von Kawase Hasui perrsönliche Bögen innerhalb der Familiengeschichte. René Balcer zeigt in seinem Vortrag, wie variantenreich ein Druckmotiv ausfallen kann und erzählt ein paar schöne Geschichten, womit er die Motivik der Drucke ganz persönlich verbindet.


René Balcer hat 20 Jahre lang als Showrunner für die amerikanische Erfolgsfernsehserie Law&Order und verschiedene ihrer Spin Offs gearbeitet. Ein Showrunner entwickelt eine Serie, hält sie zusammen und verknüpft dabei alle wichtigen Fäden miteinander: Casting, Script, Regie und Produktion. Der Showrunner ist der Visionär der Serie, der sich zugleich darum kümmert, dass alles richtig umgesetzt wird. Hervorgetan hat Balcer sich vor allem als Storymitautor, der in einer Mainstreamserie eine zeitlang verblüffend konstruierte Geschichten erzählt hat – gerade auch beim Ableger Law&Order Criminal Intent. 20 Jahre Fernsehen – das schlaucht. Was macht so ein ambitionierter Serienschöpfer, dessen Tätigkeit nicht nur als Autor, sondern auch als Produzent und manchmal sogar Regisseur ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt, in seiner Freizeit? Im Falle Balcers: Er widmet sich der Kunst, unterstützt Künstler, unter anderem chinesische und japanische und dreht absichtslose, meditative Filmchen. Wer gerne mal in Hektik verfällt, sollte sich unaufgeregt und entspannt sein Kurzfilmchen „Blue Sky“ ansehen und darüber sinnieren. Der andere Film, der hier zu sehen ist, zeigt symbolisch den Wandel der Gezeiten anhand sich bewegender Teeblätter in einem Glaszylinder. „Watching Tea Leaves In Shanxi“ nennt Balcer seinen Film und fügt am Ende hinzu, dass es ein „Tagtraum“ als Reise ins Unterbewusstsein sei. Viel Hektik im Leben kann in große Ruhe münden, wie man sieht.

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Under-Bewusstseins-Berg

Posted on 03 März 2016

…bis dem Bewusstsein klar geworden war, dass es neben den unklaren, den ungefühlten und unbewusst-versteckten Gefühlen bewusste aber auch völlig unbewusste rationale Gedanken gab und er sich Continue Reading

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Gesichtsqualle

Posted on 02 März 2016

Qual der Freude. Als Kind hatte Tom mit einer Blumenkohlspinne gesprochen. Jahre später hätte er schwören können, auch mit einer gespielt zu haben. Continue Reading

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Schalentier

Posted on 01 März 2016

Schalotte im Utraschalbereich. Tom hielt einen unansehnlichen Kieselstein in der Hand. Gleich würde es schellen und die Stunde würde anfangen. „Was hat der da?“ fragte einer lachend. Tom antwortete nicht. „Einstein“, sagte jemand anders, „er verzaubert ihn.“ Ein paar guckten, ein paar grinsten, ein paar lachten. „Wer denn wen?“ fragte noch jemand. Dann waren sie […] Continue Reading

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Glutengel

Posted on 29 Februar 2016

Als Junge in der Schule hatte er immer Nasenbluten, ein Mädchen aus der Klasse nannte ihn Blutbengel. Es klang komisch und niemand lachte und deshalb wiederholte sie es nicht mehr. Ein Glück. Tom lag mitten in der Nacht im Bett – was ungewöhnlich war, weil er nachts oft auf war. Sie hatte ihn angestupst. „Was?“ […] Continue Reading

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